Com­p­li­an­ce im Mit­tel­stand

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Com­p­li­an­ce ist ein fes­ter Be­stand­teil der Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce ka­pi­tal­markt­ori­en­tier­ter Un­ter­neh­men ge­wor­den. Im Mit­tel­stand gibt es hier noch Nach­hol­be­darf.

Was be­deu­tet der aus dem an­glo­ame­ri­ka­ni­schen Rechts­kreis stam­men­de Be­griff „Com­p­li­an­ce“ei­gent­lich? „Com­p­li­an­ce be­deu­tet im en­gen Sinn die Ein­hal­tung von Ge­setz und Recht durch das Un­ter­neh­men und sei­ne Mit­ar­bei­ter“, er­klärt Jo­chen von Bu­kow­ski, Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter, Re­prä­sen­tant von Eb­ner Stolz Mön­ning Ba­chem in So­lin­gen. Eb­ner Stolz Mön­ning Ba­chem ist ei­ne der größ­ten un­ab­hän­gi­gen Prü­fungs­ und Be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten in Deutsch­land und ge­hört zu den Top Ten der Bran­che. An den Stand­or­ten Düsseldorf und So­lin­gen sind über 40 Mit­ar­bei­ter tä­tig. Zu den Kun­den zäh­len vie­le Fa­mi­li­en­ge­sell­schaf­ten und mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men.

Sie­mens, Volks­wa­gen, ADAC und Te­le­kom ha­ben we­gen Com­p­li­an­ce­Ver­stö­ßen mit dra­ma­ti­schen Fol­gen zu kämp­fen. Com­p­li­an­ce­Ri­si­ken lau­ern übe­r­all: im Ein­kauf und Ver­trieb durch Kor­rup­ti­on und wett­be­werbs­wid­ri­ges Ver­hal­ten, in der Per­so­nal­ab­tei­lung durch Min­dest­lohn und Schein­selbst­stän­dig­keit, durch Da­ten­schutz­vor­schrif­ten, Pro­dukt­si­cher­heit­ und Ar­beits­schutz­re­ge­lun­gen und so wei­ter. Ei­ne ge­setz­li­che Ver­pflich­tung, in­di­vi­du­el­le Com­p­li­an­ce­Re­geln auf­zu­stel­len und zu be­ach­ten, be­steht nicht. Von den Un­ter­neh­men wird je­doch ge­for­dert, die gel­ten­den Ge­bo­te und Ver­bo­te zu ken­nen und zu be­ach­ten. Es ist ei­ne Ver­pflich­tung der Ge­schäfts­lei­tung si­cher­zu­stel­len, dass dies auch er­folgt. Fer­ner er­gibt sich be­reits die prak­ti­sche Not­wen­dig­keit der Com­p­li­an­ce di­rekt aus der Ver­mei­dung der mit nicht­re­gel­kon­for­mem Ver­hal­ten ver­bun­de­nen Kos­ten. Im Vor­der­grund ste­hen die Kos­ten aus den recht­li­chen Fol­gen wirt­schafts­kri­mi­nel­len Ver­hal­tens, die­se um­fas­sen Geld­bu­ßen, Frei­heits­stra­fen, Er­satz­an­ sprü­che, Auf­trags­sper­ren und sons­ti­ge be­hörd­li­che Auf­la­gen. Mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men sind von ei­ner ver­stärk­ten Re­gu­lie­rung be­trof­fen, so­dass Com­p­li­an­ce in der ge­sam­ten Wert­schöp­fungs­ket­te des Un­ter­neh­mens und dar­über hin­aus auch für sie von Be­deu­tung sein kann. Des­halb soll­te sich auch der Mit­tel­stand mit Com­p­li­an­ce be­schäf­ti­gen.

Un­ter­neh­mens­füh­rung im Fo­kus

Der Be­reich mit der ab­so­lut höchs­ten Re­le­vanz für die Com­p­li­an­ce­Ar­beit ist die Un­ter­neh­mens­füh­rung. Die­se Ein­schät­zung wird be­stimmt von Haf­tungs­ri­si­ken und den Be­stim­mun­gen des Ord­nungs­wid­rig­kei­ten­rechts. Auch für das Rech­nungs­we­sen und das Con­trol­ling er­gibt sich ei­ne ho­he Com­p­li­an­ce­Re­le­vanz. Die­ser Be­reich ist be­son­ders an­fäl­lig für Ver­stö­ße, zu­dem ist er für die Auf­de­ckung von Ver­stö­ßen wich­tig. Da­bei braucht der Mit­tel­stand nicht im­mer Nach­hil­fe in Sa­chen Com­p­li­an­ce an sich, ver­hält er sich doch rechtstreu. Nach­hol­be­darf be­steht da­ge­gen hin­sicht­lich der Do­ku­men­ta­ti­on und des Nach­wei­ses, dass die Richtlinien ein­ge­hal­ten wer­den. „Das vor­bild­li­che Vor­le­ben der Ge­schäfts­füh­rung von Com­p­li­an­ce reicht al­ler­dings nicht aus“, sagt Jo­chen von Bu­kow­ski. „Ein­zel­an­wei­sun­gen, ar­beits­ver­trag­li­che Re­ge­lun­gen und Ver­hal­tens­ko­di­zes kön­nen in der All­tags­pra­xis mit über­schau­ba­rem zu­sätz­li­chem Auf­wand ein­ge­bracht wer­den.“Dies kann bei­spiels­wei­se durch Bro­schü­ren, Be­richts­we­sen und Check­lis­ten ge­sche­hen. Der Mit­tel­stand scheut al­ler­dings oft­mals den Kos­ten­und Zeit­auf­wand, sol­che Nach­weis­struk­tu­ren ein­zu­füh­ren. „Mit ge­ziel­ter, auf die in­di­vi­du­el­len Ab­läu­fe des Un­ter­neh­mens ab­ge­stimm­ter Be­ra­tung steht die­ser je­doch meist in ei­nem po­si­ti­ven Kos­ten­Nut­zen­Ver­hält­nis“, so von Bu­kow­ski. Es gilt, die Ba­lan­ce zwi­schen er­for­der­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren und ei­ner Über­re­gu­lie­rung zu wah­ren. Stan­dar­di­sier­te Com­p­li­an­ce­Struk­tu­ren sind fehl am Plat­ze. Viel­mehr ist be­darfs­ge­recht zu ana­ly­sie­ren, wo Ri­si­ken be­ste­hen und wie ih­nen be­geg­net wer­den kann. Ei­ner­seits soll da­bei der Grad der For­ma­li­sie­rung mög­lichst ge­ring ge­hal­ten wer­den (da­mit die für die täg­li­che Pra­xis er­for­der­li­che Fle­xi­bi­li­tät er­hal­ten bleibt), an­de­rer­seits die er­for­der­li­che or­ga­ni­sa­to­ri­sche Sta­bi­li­tät durch ko­di­fi­zier­te Re­geln un­ter­stützt wer­den.

Chan­ce für Un­ter­neh­men

Auch die Rech­nungs­le­gung soll­te an­ge­sichts der Haf­tungs­ri­si­ken für Or­gan­mit­glie­der und lei­ten­de An­ge­stell­te un­ter Com­p­li­an­ce­Ge­sichts­punk­ten auf­ge­setzt wer­den. Hier kön­nen Wirt­schafts­prü­fer un­ter­stüt­zen, um Richtlinien, Me­tho­den und Maß­nah­men zu im­ple­men­tie­ren. Die Ac­coun­ting­Com­p­li­an­ce hilft auch da­bei, Un­ter­schla­gun­gen, Ver­mö­gens­schä­di­gun­gen und Geld­wä­sche zu ver­mei­den.

Eb­ner Stolz kann hier­bei in zahl­rei­chen Be­rei­chen un­ter­stüt­zen und nach ei­ner Ri­si­ko­ana­ly­se ent­spre­chen­de Richtlinien, Pro­zes­se und Kon­troll­in­stan­zen im­ple­men­tie­ren so­wie die Mit­ar­bei­ter schu­len. Schritt­wei­se kann dann die Um­set­zung mo­du­lar an­hand der prio­ri­sier­ten Ri­si­ken er­fol­gen. Da­durch be­kom­men Un­ter­neh­men ih­re Ri­si­ken in den Griff und schaf­fen mit ein­deu­ti­gen Struk­tu­ren ei­nen deut­li­chen Mehr­wert. Kei­nes­wegs soll­te Com­p­li­an­ce da­bei als Last emp­fun­den wer­den, denn es bie­ten sich auch Chan­cen: Kla­re Struk­tu­ren sor­gen für mehr Trans­pa­renz und Ef­fi­zi­enz im Un­ter­neh­men.

Jo­chen von Bu­kow­ski, Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter

Com­p­li­an­ce im Un­ter­neh­men um­zu­set­zen ist ei­ne wich­ti­ge Auf­ga­be des Ma­nage­ments.

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