Wo ist der Ste­ve Jobs vom Rhein?

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - Digitale Wirtschaft | - VON NI­NA BLASBERG

Un­se­re Ge­sell­schaft be­fin­det sich im Um­bruch – hin zu ei­ner Nor­ma­li­tät, in wel­cher di­gi­ta­le Me­di­en, Gü­ter und Ge­schäfts­pro­zes­se aus dem all­täg­li­chen Le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken sind. Woran es fehlt, sind Mut und ei­ner Kul­tur des Aus­pro­bie­rens. Grün­den be­deu­tet Ri­si­ken ein­ge­hen und sich ei­ner Dy­na­mik aus­set­zen, die man nicht pla­nen kann. Hier­für ist es not­wen­dig, ent­ge­gen des ty­pisch deut­schen Na­tu­rells Ri­si­ko­freu­de zu för­dern und kom­plett neue Denk­mus­ter zu eta­blie­ren. Be­kannt für deut­sche Tu­gen­den wie Fleiß, Ord­nung, Struk­tur und Pünkt­lich­keit müs­sen wir ei­ne Ein­fach-mal-was-wa­gen-Kul­tur ver­in­ner­li­chen, um In­no­va­tio­nen und Fort­schritt zu er­mög­li­chen.

Wir kön­nen so­wohl in Deutsch­land als auch NRW im welt­wei­ten Wett­be­werb nur mit­hal­ten oder un­se­re star­ke Po­si­ti­on aus­bau­en, in­dem wir Schrit­te ge­hen, die noch nie­mand ge­gan­gen ist. Wir müs­sen of­fen sein für neue Lö­sungs­an­sät­ze – ab­seits von tra­di­tio­nel­len Pro­duk­ten und Pro­zes­sen. Mit of­fe­nen Au­gen durch die Welt ge­hen – ei­ne bes­se­re Lö­sung für Pro­ble­me ha­ben. Die Welt nicht als vor­ge­ge­ben an­neh­men, im­mer al­les in­fra­ge stel­len. Da­bei ist es wich­tig, je­den Feh­ler nur ein­mal zu ma­chen, dar­aus zu ler­nen und sich stän­dig an an­de­re Be­ge­ben­hei­ten und dy­na­mi­sche Ent­wick­lun­gen an­zu­pas­sen. Die­ser Wan­del soll­te bei der Po­li­tik be­gin­nen und über die Aus­bil­dung in Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten ge­för­dert wer­den.

Es sind nicht im­mer je­ne ge­hyp­te Start-ups mit Mil­lio­nen­fi­nan­zie­run­gen durch Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber, die den Er­folg aus­ma­chen. Viel mehr müs­sen wir auch ei­nen Blick auf den Mit­tel­stand rich­ten. Auf je­ne Un­ter­neh­men, die viel­leicht lang­sa­mer, aber zu­min­dest nicht künst­lich auf­ge­bla­sen wach­sen.

NRW bie­tet ei­ne star­ke Ba­sis mit viel­fäl­ti­gen Wirt­schafts­zen­tren. Nun fehlt der Schritt hin zu ei­nem „Rhi­ne Val­ley“. Ei­ner Re­gi­on, die auch in­ter­na­tio­na­le IT-Ta­len­te, aus­län­di­sche Wag­nis­ka­pi­tal­ge­ber und wei­te­re ele­men­ta­re Fak­to­ren an­zieht, die für ei­ne er­folg­rei­che Un­ter­neh­mens­grün­dung im di­gi­ta­len Be­reich wich­tig sind.

Da­bei soll­ten wir vor al­lem ver­su­chen, die al­te und neue Wirt­schaft zu ver­net­zen – ei­nen stän­di­gen Aus­tausch er­mög­li­chen, von­ein­an­der ler­nen und pro­fi­tie­ren. Je­nes un­ter­neh­me­ri­sche Hand­werks­zeug aus jahr­zehn­te­lan­ger Er­fah­rung an jun­ge po­ten­zi­el­le Un­ter­neh­mens­grün­der wei­ter­ge­ben. Wir brau­chen Vor­bil­der, die Pop­star-Sta­tus er­rei­chen – ver­gleich­bar mit Mark Zu­cker­berg oder Ste­ve Jobs. Un­ter­neh­mens­grün­der, die in­spi­rie­ren und Mut ma­chen zur Um­set­zung der ei­ge­nen Idee.

Ni­na Blasberg ist Grün­de­rin des Start-ups Myon­bel­le, das Kun­din­nen per Flat­rate Klei­dung zum Ver­leih an­bie­tet, nach dem Mot­to „Be­nut­zen statt be­sit­zen“. Zu­vor hat­te Blasberg Er­fah­run­gen un­ter an­de­rem bei der Start-up-Schmie­de Ro­cket In­ter­net ge­sam­melt. Die stu­dier­te Be­triebs­wir­tin ist Mit­glied im Bei­rat Di­gi­ta­le Wirt­schaft des NRW-Wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums.

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