Ma­lus­mei­len

Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen - - Mensch & Wirtschaft | - VON REIN­HARD KOWALEWSKY

Kein Viel­flie­ger­pro­gramm ist er­folg­rei­cher als Mi­les & Mo­re von Luft­han­sa. Doch die Flug­prä­mi­en sind we­gen Zu­satz­kos­ten manch­mal teu­rer als güns­ti­ges Di­rekt­bu­chen. Jetzt re­agiert die Air­line.

War­um nah­men es hoch­ran­gi­ge Mit­ar­bei­ter von Kon­zer­nen wie Bay­er, Hen­kel oder Thys­sen Krupp frü­her gern in Kauf, wenn sie wo­chen­lang für die Fir­ma durch die Welt jet­ten muss­ten? Weil sie zum Aus­gleich pri­vat die so ge­sam­mel­ten Flug­mei­len nut­zen konn­ten – für at­trak­ti­ve Kurz­rei­sen in Eu­ro­pa oder um gleich rund um den Glo­bus zu flie­gen. Der Freund der Ma­na­ge­rin durf­te am Wo­che­n­en­de mit nach Pa­ris, die Ehe­frau des For­schers kam im Herbst mit nach New York.

Doch die Freu­de über die ver­meint­lich güns­ti­gen Pri­vat­trips ist ver­flo­gen – und Schuld dar­an ist der Sie­ges­zug der Bil­lig­flie­ger. Denn die Flug­prei­se fal­len, im Schnitt je­des Jahr um zwei bis drei Pro­zent, wie Luft­han­sa-Chef Cars­ten Sp­ohr sagt. Und da­mit sinkt auch der re­la­ti­ve Wert von Frei­flü­gen über Ra­batt­pro­gram­me wie Mi­les&Mo­re von Luft­han­sa. Hin­zu kommt: Al­le Air­lines ver­mark­ten ih­re Ti­ckets für Früh­bu­cher häu­fig ex­trem güns­tig in­klu­si­ve sämt­li­cher Ge­büh­ren, wo­ge­gen Luft­han­sa auf Prä­mi­en­flü­ge saf­ti­ge Auf­schlä­ge für Flug­ha­fen­ge­büh­ren, Steu­ern und Zu­schlä­ge nimmt.

Ein Test zeigt, wie un­at­trak­tiv die Prä­mi­en­flü­ge im Ver­gleich zu an­de­ren An­ge­bo­ten von Luft­han­sa ge­wor­den sind. So wa­ren für ei­ne Flug­rei­se von Düsseldorf nach Rom und zu­rück in der Zeit vom 6. bis zum 25. Ok­to­ber bei ei­ner Pro­be­bu­chung am 2. Ju­ni 30 000 Mei­len aus dem Mi­les & Mo­re-Kon­to fäl­lig. Hin­zu ka­men al­ler­dings noch Flug­ha­fen­ge­büh­ren und Auf­schlä­ge in Hö­he von 262 Eu­ro. Wer da­ge­gen on­li­ne oh­ne Bo­nus­mei­len als Di­rekt­zah­ler die Um­stei­ge­ver­bin­dung buch­te, muss­te nur 212 Eu­ro hin­le­gen. Ei­ne ab­sur­de Re­la­ti­on.

Nimmt man den Luft­han­sa-Ab­le­ger Eu­ro­wings hin­zu, wird der Un­ter­schied noch auf­fäl­li­ger: Er bot den Flug von Düsseldorf nach Rom in­klu­si­ve 20 Ki­lo Frei­ge­päck für nur 193 Eu­ro an. Stär­ker noch als die Preis­dif­fe­renz fällt der Kom­for­t­un­ter­schied aus: Mit Luft­han­sa muss der Pas­sa­gier an ei­nem der zwei Dreh­kreu­ze in Mün­chen oder Frank­furt um­stei­gen und braucht min­des­tens vier Stun­den. Mit Eu­ro­wings ist der Di­rekt­flug inn­ner­halb von zwei Stun­den mög­lich.

Selbst Luft­han­sa ist nun auf­ge­fal­len, dass die Ab­kas­sie­re­rei mit ho­hen Zu­satz­ge­büh­ren über­trie­ben ist. Dar­um wer­den für Bu­chun­gen nach dem 15. Sep­tem­ber in Eu­ro­pa nun pro Stre­cke um 30 Eu­ro nied­ri­ge­re Bar­auf­schlä­ge ver­langt. Klingt gut, wirk­lich güns­tig und kun­den­freund­lich ist die Re­form aber nur sehr be­dingt: Sie tritt erst nach En­de der Rei­se­sai­son in Kraft. Und von Düsseldorf nach Rom wer­den bei ei­nem Zwi­schen­stopp in Mün­chen dann noch im­mer rund 123 Eu­ro Zu­schlag fäl­lig – und das künf­tig für 35 000 statt für 30 000 Mei­len.

Noch in­ter­es­san­ter ist aber ein Blick auf Prä­mi­en­flü­ge von Eu­ro­wings, die auch mit Luft­han­sa-Mei­len be­zahlt wer­den kön­nen: Für den Di­rekt­flug Düsseldorf–Rom und zu­rück in­klu­si­ve Frei­ge­päck sind hier nur 25 000 Mei­len fäl­lig – und über­ra­schen­der­wei­se nur 52,90 Eu­ro für Steu­ern, Ge­büh­ren und an­de­re Ent­gel­te.

Was folgt nun aus dem Ta­rif­cha­os bei Mi­les & Mo­re? Luft­han­sa selbst rät den welt­weit 29 Mil­lio­nen Mit­glie­dern, nicht nur Flug­prä­mi­en zu bu­chen, son­dern sich auch die vie­len Ge­schen­k­op­tio­nen für Kof­fer, Ho­tels, ei­nen Miet­wa­gen oder auch Gut­schei­ne an­zu­schau­en. „Wir sind ein brei­tes Prä­mi­en­pro­gramm, nicht nur Flie­ger­klub“, sagt Pres­se­spre­cher Bas­ti­an Ne­u­mann-Se­me­row. „Mitt­ler­wei­le wird fast je­de dritte Mei­le bei Part­nern au­ßer­halb der Luft­fahrt ein­ge­löst, Ten­denz stei­gend.“Für 15 000 Mei­len gibt es bei­spiels­wei­se ei­nen Gut­schein von 50 Eu­ro bei Ga­le­ria Kauf­hof – in die­sem Fall sind 1000 Mei­len al­so 3,33 Eu­ro wert.

Das Viel­flie­ger­por­tal „Mei­len­op­ti­mie­ren“emp­fiehlt, ge­sam­mel­te Mei­len eher für Up­grades in ei­ne bes­se­re Bu­chungs­klas­se zu nut­zen – wer et­wa von sei­ner Fir­ma vor­ge­schrie­ben be­kommt, Eco­no­my zu bu­chen, kann so für 30 000 Mei­len Auf­schlag in der Bu­si­ness­class nach Los An­ge­les flie­gen. Der dritte Tipp lau­tet, die Mei­len we­ni­ger di­rekt bei Luft­han­sa als beim Dis­coun­tab­le­ger Eu­ro­wings mit sei­ner star­ken Prä­senz in NRW ein­zu­set­zen: Für 38 000 Mei­len ist zum Bei­spiel ein zwölf­stün­di­ger Di­rekt­flug hin und zu­rück von Köln nach Mau­ri­ti­us drin, zu­züg­lich 130 Eu­ro an Ge­büh­ren. Für Flü­ge im Ok­to­ber wa­ren kürz­lich

noch Plät­ze frei.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.