Mar­vels „Thor 3“über­zeugt nicht

Mar­vels „Thor: Ra­gna­rok“: Tai­ka Wai­ti­tis lus­ti­ge Ge­schich­te bleibt ein Witz oh­ne See­le

Wittlager Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Da­ni­el Be­ne­dict

dab BER­LIN. „Thor 3: Tag der Ent­schei­dung“schlägt lus­ti­ge Tö­ne an – und macht sei­nen Hel­den da­mit für wei­te­re Mar­velFil­me un­brauch­bar. Re­gis­seur Tai­ka Wai­ti­tis Ge­schich­te bleibt ein Witz oh­ne See­le.

„Thor 3: Tag der Ent­schei­dung“schlägt lus­ti­ge Tö­ne an – und macht sei­nen Hel­den da­mit für wei­te­re Mar­vel-Fil­me un­brauch­bar. Wie soll man ei­nen Don­ner­gott noch ernst neh­men, den sein ei­ge­ner Re­gis­seur über den kos­mi­schen Don­ner­bal­ken ins Uni­ver­sum kackt? BER­LIN. Schon am Di­ens­tag, 31. Ok­to­ber, läuft „Thor: Tag der Ent­schei­dung“an. Re­gis­seur Tai­ka Wai­ti­ti ver­sucht sich da­rin an der Mar­vel-Iro­nie im Stil der „Guar­di­ans“. War­um funk­tio­niert es nicht?

Zum Mar­vel-Ki­no ge­hö­ren Gast­auf­trit­te von Stan Lee. Auch dies­mal ist der 94-jäh­ri­ge Au­tor, der die Co­mi­cHel­den der Film­rei­he er­fun­den hat, wie­der da­bei. Und zwar als Fri­seur: Als der Don­ner­gott Thor zum Gla­dia­to­ren­kampf ge­zwun­gen wird, schert Lee per­sön­lich ihm den Kopf. Das ist ein gän­gi­ges Bild für die Ent­man­nung; und be­treibt die Ac­tion-Ko­mö­die „Thor: Tag der Ent­schei­dung“die Kastra­ti­on des Hel­den. Thor wird zur Lach­num­mer.

Be­vor es ihm an den Kra­gen geht, ist sein Va­ter an der Rei­he. Odin stirbt; die Erb­fol­ge ist um­strit­ten. Thors Schwes­ter He­la strebt auf den Thron, führt als Göt­tin des To­des aber nichts Gu­tes im Schil­de. Thor muss ein­schrei­ten, sitzt aber auf dem Schrott­pla­ne­ten Sa­ka­ar fest. Als Ge­fan­ge­ner ei­nes Grand­mas­ters soll er das Volk in der Are­na amü­sie­ren. Sein Geg­ner ist der Hulk – und der braucht lan­ge, um Thor als

sei­nen al­ten Freund wie­der­zu­er­ken­nen. Mit sei­nen ers­ten zwei Aben­teu­ern hat der Don­ner­gott über ei­ne Mil­li­ar­de Dol­lar ein­ge­spielt. Im Team der Aven­gers bleibt er trotz­dem ein Pro­blem-Held, den schon die Her­kunft aus dem nor­di­schen My­thos zum Anachro­nis­mus macht.

Bon­bon­far­be­ne Ko­mö­die

Die smar­te Ur­ba­ni­tät von Hel­den wie Iron Man kon­ta­mi­niert Thors Er­schei­nung mit dem Pomp des San­da­len­films. Genau dar­auf re­agiert nun Tai­ka Wai­ti­ti – ein neu­see­län­di­scher Ko­mi­ker und Re­gis­seur der größ­ten Ki­noHits des Lan­des –, wenn er

„Thor 3“als bon­bon­far­be­ne Ko­mö­die an­legt. Je­de Sze­ne de­mons­triert, dass er sei­ne ei­ge­ne Haupt­fi­gur nicht ernst­neh­men kann.

Das be­ginnt schon bei Thors Ge­fan­gen­schaft, als ei­ne Men­schen­händ­le­rin ihm ei­nen fern­ge­steu­er­ten Elek­tro­scho­cker ein­pflanzt – der den Gott zur Mus­kel-Ma­rio­net­te ver­klei­nert. Es setzt sich fort, als Thor sich be­freit; denn der Flucht­weg führt durch das Wurm­loch De­vil’ s Anus: Teu­fel­sa­nus. Wai­ti­ti kackt sei­nen Hel­den al­so ein­mal quer durchs Uni­ver­sum. Am En­de ist dem Don­ner­gott vom Don­ner­bal­ken selbst nichts mehr hei­lig:

Als ne­ben ihm ein Un­schul­di­ger er­mor­det wird, wi­dert Thor nicht das Ver­bre­chen an – son­dern der übel rie­chen­de Matsch, der vom Op­fer üb­rig bleibt.

Bra­chia­le Tief­schlä­ge wie die­se be­deu­ten nicht, dass „Tag der Ent­schei­dung“grund­sätz­lich plump wä­re. Im Ge­gen­teil: Die oft wirk­lich ko­mi­schen Gags stei­gern die oh­ne­hin in­ten­si­ve Selbst­iro­nie der Mar­vel-Welt noch ein­mal ge­wal­tig. Der Film strotzt von Per­si­fla­gen, die den Kult um die Mar­vel-Co­mics ad ab­sur­dum füh­ren. Der Schau­kampf in Sa­ka­ars Ko­los­se­um ist ei­ne Par­odie der ei­ge­nen Ac­tion-Dra­ma­tur­gie;

die Hulk-Ma­nie auf dem Schrott­pla­ne­ten gleicht dem Irr­sinn von Mar­vel-Fan­tref­fen.

Thea­ter­stück im Film

Ei­ner von Wai­ti­tis größ­ten Coups ist dann ein Thea­ter­stück im Film: Am Ho­fe Od­ins wird ein Kö­nigs­dra­ma ge­ge­ben, in dem üb­le Knall­char­gen Thor, sei­nen Bru­der Lo­ki und Odin ver­kör­pern – die rea­len Darstel­ler da­hin­ter hei­ßen Matt Da­mon, Sam Neill und Lu­ke Hems­worth; er ist ein Bru­der des „Thor“Stars Chris Hems­worth. Die­ser Auf­tritt ist un­be­streit­bar ein Kra­cher. Ei­ner­seits.

An­de­rer­seits be­deu­ten Su­per­stars, die schlech­te Schau­spie­ler dar­stel­len, ei­nen har­ten Il­lu­si­ons­bruch. Und das ist das gro­ße Pro­blem von „Thor: Tag der Ent­schei­dung“. In über zwei St­un­den bleibt die ru­di­men­tä­re Ge­schich­te ein blo­ßer Vor­wand für Gags. Die Pro­duc­tion De­si­gner sind die­sel­ben wie beim „Herrn der Rin­ge“, aber trotz­dem hat man nie das Ge­fühl, in ei­nem phy­si­schen Kos­mos zu sein.

Ca­te Blan­chett spielt die Göt­tin He­la mit der Her­ab­las­sung ei­ner New Yor­ker In­tel­lek­tu­el­len; Jeff Gold­blum macht aus dem Grand­mas­ter ei­nen Wohl­stand­s­idio­ten. Bei­des tol­le Ein­zel­leis­tun­gen – die Wai­ti­ti ent­wer­tet, in­dem er sie mit com­pu­ter­ge­ne­rier­ten Scheuß­lich­kei­ten zu­sam­men­bringt. Sein Rie­sen­wolf, sein Flam­men­mons­ter Sur­tur sind mil­lio­nen­schwe­rer Trash.

Hin­ter der Selbst­be­züg­lich­keit von „Thor 3“ist ein Vor­bild er­kenn­bar: Auch Mar­vels „Guar­di­ans of the Ga­la­xy“la­chen ge­mein­sam mit den Fans über sich selbst. Die Par­ty­stim­mung ih­rer Fil­me aber, die aus­ge­las­se­ne Herz­lich­keit, mit der sie ih­re ei­ge­ne Ab­sur­di­tät fei­ern, kommt bei Wai­ti­ti nicht auf. Sei­ne Ge­schich­te bleibt ein Witz oh­ne See­le. Im Ori­gi­nal heißt der drit­te „Thor“-Film „Ra­gna­rok“, nach dem alt­nor­di­schen Wort für den Un­ter­gang der Göt­ter. Passt.

„Thor: Tag der Ent­schei­dung“. USA 2017. R: Tai­ka Wai­ti­ti. R: Chris Hems­worth, Ca­te Blan­chett, Tom Hidd­les­ton. 130 Mi­nu­ten. Ab 12.

Al­les rund um die Mar­vel-Fil­me fin­den Sie un­ter noz.de/film

Fo­to: Dis­ney, Mar­vel

In „Thor: Tag der Ent­schei­dung“be­treibt Tai­ka Wai­ti­ti die De­mon­ta­ge sei­nes ei­ge­nen Mar­vel-Hel­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.