Ein Leucht­turm der Osnabrücker In­dus­trie er­lischt

108 Jah­re Au­to­mo­bil­ge­schich­te un­ter dem Na­men Kar­mann ge­hen zu En­de

Wittlager Kreisblatt - - POLITIK - Von Joa­chim Dier­ks

OSNABRÜCK. In­si­der hat­ten es kom­men se­hen, aber für die brei­te Öf­fent­lich­keit war es ein Schlag ins Kon­tor, als der Au­to­bau­er Kar­mann am 8. April 2009 In­sol­venz­an­trag stell­te. Man war ja dar­an ge­wöhnt, dass es im­mer mal wie­der gu­te und schlech­te Nach­rich­ten gab, dass das Werk „at­me­te“. Nun stand der in sei­nen gu­ten Zei­ten größ­te Ar­beit­ge­ber der Re­gi­on, der jahr­zehn­te­lang größ­te mar­ken­un­ab­hän­gi­ge Au­to­her­stel­ler Deutsch­lands, der Leucht­turm der Osnabrücker In­dus­trie und Vor­zei­ge­be­trieb des deut­schen Ka­ros­se­rie­baus, end­gül­tig vor ei­nem Scher­ben­hau­fen.

Den gu­ten Ruf des Werks hat­ten die Ei­gen­ge­wäch­se Kar­mann Ghia auf den Platt­for­men des VW Kä­fer und des VW 1500 be­grün­det, von de­nen zwi­schen 1955 und 1974 rund 485 000 Stück pro­du­ziert wur­den. In noch hö­he­re Grö­ßen­ord­nun­gen konn­ten teil­wei­se die für VW ge­fer­tig­ten Mo­del­le Kä­ferCa­brio, Golf-Ca­brio und Sci­roc­co vor­sto­ßen. Mit Auf­trags­fer­ti­gun­gen auch für Au­di, BMW, Chrys­ler, Ford, Kia, Mer­ce­des, Opel, Por­sche und Re­nault ge­lang es bis ins neue Jahr­tau­send hin­ein, das Auf und Ab aus­zu­glei­chen.

Mit den tech­no­lo­gisch ver­ein­fach­ten Mög­lich­kei­ten der gro­ßen Au­to­mo­bil­kon­zer­ne, auch Ni­schen­pro­duk­te in Klein­se­ri­en über ih­re Bän­der Kar­mann-Mit­ar­bei­ter zie­hen im Fe­bru­ar 2009 zum Wohn­haus der Kar­mann-Ge­sell­schaf­ter.

lau­fen zu las­sen, ka­men Auf­trags­fer­ti­ger wie Kar­mann welt­weit in Schwie­rig­kei­ten. Der Kon­junk­tur­ein­bruch in der Fi­nanz­kri­se 2007/2008 tat ein Üb­ri­ges. Kar­mann fehl­ten die An­schluss­auf­trä­ge. Um­strit­ten

ist, in­wie­weit ein ge­richt­lich aus­ge­tra­ge­ner Pa­tent­streit mit Por­sche über die Z-Fal­tung von Ca­brio-Dä­chern zu ei­nem Auf­trags­S­topp sei­tens des VW-Kon­zerns ge­führt hat.

Vom In­sol­venz­an­trag wa­ren 3468 Mit­ar­bei­ter be­trof­fen. Streit gab es um die Be­haup­tung der Ge­schäfts­füh­rung, dass der zu­vor we­gen der Mas­sen­ent­las­sun­gen aus­ge­han­del­te So­zi­al­plan „zu teu­er“ge­we­sen sei und da­mit letzt­lich das Aus her­bei­ge­führt ha­be. Ein wei­te­rer Streit­punkt war die Fi­nan­zie­rung der Trans­fer­ge­sell­schaft, weil die Ei­gen­tü­mer­fa­mi­li­en kei­ne Bei­trä­ge da­zu leis­ten woll­ten.

Mit­hil­fe der Lan­des­re­gie­rung un­ter Chris­ti­an Wul­ff ge­lang En­de 2009 der De­al, dass Volks­wa­gen gro­ße Tei­le des Wer­kes über­nahm. Im März 2011 lief un­ter der Flag­ge „Volks­wa­gen Osnabrück Gm­bH“wie­der die Mon­ta­ge ei­nes VW Golf Ca­brio an.

Ar­chiv­fo­to: Micha­el Heh­mann

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