Rhein­me­tall-Chef war­tet auf Ent­schei­dun­gen

Kri­tik an schlep­pen­der Ab­wick­lung von Tür­kei-Ge­schäf­ten

Wittlager Kreisblatt - - WIRTSCHAFT -

dpa DÜS­SEL­DORF. Das stark ab­ge­kühl­te Ver­hält­nis zwi­schen Deutsch­land und der Tür­kei blo­ckiert oder ver­zö­gert auch ge­plan­te Rüs­tungs­ge­schäf­te zwi­schen den Län­dern. Meh­re­re Pro­jek­te et­wa zur ge­mein­sa­men Pro­duk­ti­on von Kampf­jet-Mu­ni­ti­on in der Tür­kei oder zur Nach­rüs­tung von tür­ki­schen Leo­pard-Pan­zern ge­gen Ra­ke­ten­be­schuss der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) zö­gen sich hin und wür­den von den Re­gie­run­gen der­zeit nicht ent­schie­den, sag­te der Chef von Deutsch­lands größ­tem Rüs­tungs­kon­zern Rhein­me­tall, Ar­min Pap­per­ger, jetzt in Düs­sel­dorf.

Der po­li­ti­sche Spiel­raum für Ex­port­ge­neh­mi­gun­gen sei nach sei­ner Ein­schät­zung auf deut­scher Sei­te der­zeit sehr ge­ring, sag­te Pap­per­ger. „Wenn das Ver­hält­nis zur Tür­kei sich nicht ver­bes­sert, wird es schwie­rig, ei­ne Ge­neh­mi­gung von Deutsch­land zu be­kom­men“, so der Rhein­me­tall-Chef. „Die deut­sche und die tür­ki­sche Re­gie­rung müss­ten erst wie­der viel nä­her zu­sam­men­kom­men.“

Das gel­te auch für das Groß­pro­jekt der tür­ki­schen Re­gie­rung: den Bau von et­wa 1000 Kampf­pan­zern des Typs Al­tay im ge­schätz­ten Wert von et­wa sie­ben Mil­li­ar­den Eu­ro. Für die ers­te Tran­che von et­wa 100 bis 200 Pan­zern bie­tet auch der tür­ki­sche Last­wa­gen- und Om­ni­bus­bau­er BMC, mit dem Rhein­me­tall 2016 das Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men RBSS ge­grün­det hat­te. Die Ent­schei­dung über den Auf­trag soll An­fang 2018 fal­len.

Das Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um teil­te am Sonn­tag mit, es kön­ne zu „et­wai­gen lau­fen­den An­trags­ver­fah­ren“kei­ne Stel­lung neh­men. „Der ak­tu­el­len La­ge und be­son­ders der Be­ach­tung der Men­schen­rech­te wird bei Rüs­tungs­ex­port­ent­schei­dun­gen ein be­son­de­res Ge­wicht bei­ge­mes­sen – das gilt auch für die Tür­kei.“

Be­reits nach dem Putsch­ver­such vom Ju­li 2016 sei­en Ge­neh­mi­gun­gen für die Tür­kei je­weils erst nach sehr dif­fe­ren­zier­ter und sorg­fäl­ti­ger Ein­zel­fall­prü­fung der Bun­des­re­gie­rung er­folgt. „Deutsch­land hat in­zwi­schen das re­strik­tivs­te Rüs­tungs­ex­port­kon­troll­sys­tem, das es je hat­te“, hieß es wei­ter.

Die Rhein­me­tall-Plä­ne in der Tür­kei hat­ten we­gen der Men­schen­rechts­si­tua­ti­on in dem Land für Pro­tes­te ge­sorgt. So hat­ten De­mons­tran­ten bei der Haupt­ver­samm­lung des Kon­zerns im Mai in Ber­lin ei­nen Stopp der Ge­schäf­te ge­for­dert.

Wenn BMC den Auf­trag be­kom­men soll­te, könn­te Rhein­me­tall über das Ge­mein­schafts­un­ter­neh­men RBSS in der Tür­kei mit­ent­wi­ckeln, sag­te Pap­per­ger. Da­bei wür­den oh­ne Ex­port­ge­neh­mi­gung aus Ber­lin aber kei­ne Tei­le aus deut­scher Ent­wick­lung, Bau­plä­ne oder tech­ni­sches Know-how aus Deutsch­land ver­wen­det – auch Know-how-Trans­fer fal­le un­ter das Kriegs­waf­fen­kon­troll­ge­setz und sei zu­stim­mungs­pflich­tig.

Fo­tos: dpa

For­dert ei­ne kla­re Li­nie der Po­li­tik bei De­als mit der Tür­kei, un­ter an­de­rem bei der Op­ti­mie­rung von Leo­pard-Pan­zern (oben links): Rhein­me­tall-Chef Ar­min Pap­per­ger.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.