Mehr als ein sim­pler Be­frei­ungs­schlag

VfL stürmt zum 4:0 ge­gen Zwi­ckau – Drei­er­ket­te und Flü­gel­spiel als Schlüs­sel zum ver­dien­ten Sieg

Wittlager Kreisblatt - - SPORT REGIONAL - Von Jo­han­nes Kapitza und Ha­rald Pis­to­ri­us

Aus der Not­la­ge „Ge­win­nen – egal, wie“hat sich der VfL Osnabrück mit ei­nem spek­ta­ku­lä­ren 4:0Heim­sieg be­freit. Das war nach sechs sieg­lo­sen Li­ga­spie­len nicht selbst­ver­ständ­lich und zeigt, dass in der Mann­schaft mehr Po­ten­zi­al steckt, als der Ta­bel­len­platz aus­sagt. OSNABRÜCK. Der VfL klet­ter­te vom letz­ten auf den dritt­letz­ten Rang, ver­bes­ser­te die Tor­dif­fe­renz, ge­wann nach vier sieg­lo­sen Heim­spie­len wie­der an der Bre­mer Brü­cke und be­en­de­te die Ne­ga­tiv­se­rie mit nur ei­nem Punkt aus den letz­ten sechs Li­ga­par­ti­en mit dem höchs­ten Sieg seit dem 12. Sep­tem­ber 2015 (4:0 ge­gen SV We­hen Wies­ba­den). Das sind die Zah­len, doch sie wa­ren nicht al­les an die­sem nass­kal­ten Nach­mit­tag. Denn die Mann­schaft von Trai­ner Da­ni­el Thiou­ne un­ter­füt­ter­te sie mit ei­ner se­hens­wer­ten Leis­tung.

Trotz des Drucks vor der Par­tie ge­gen die form­star­ken Zwi­ckau­er stürm­te der VfL von der ers­ten Mi­nu­te an ent­schlos­sen, mu­tig und mit viel Tem­po. Et­wa ein Dut­zend Chan­cen er­ar­bei­te­te sich das Team aus dem Spiel her­aus. Die vier To­re hat­ten vier un­ter­schied­li­che Schüt­zen, drei wa­ren her­aus­ge­spielt, eins fiel nach ei­ner Ecke.

Vor dem 1:0 zog Dan­ne­berg das Tem­po im Mit­tel­feld an, Ál­va­rez spiel­te per­fekt in den Lauf von Iyo­ha, des­sen fla­che Flan­ke Rei­mer­ink aus

spit­zem Win­kel ge­konnt ein­schob (20.). Ál­va­rez‘ tro­cke­ner 18-Me­ter-Schuss zum 2:0 war ei­ne für den Tor­jä­ger ty­pi­sche Ak­ti­on, die sei­nen Wert un­ter­strich (45.). Nach der Pau­se traf Sušac per Kopf (58.) nach ei­ner kurz aus­ge­führ­ten Ecke und ei­ner Flan­ke von Rei­mer­ink, der

schließ­lich nach ei­nem Im­puls von Iyo­ha auf­leg­te für Wachs (72.), des­sen fre­cher Au­ßen­rist­schuss ins Tor so­wohl den ge­lern­ten Stür­mer er­ken­nen ließ als auch das Selbst­ver­trau­en, das sich die Mann­schaft er­ar­bei­tet hat.

Pha­sen­wei­se spiel­te sich das Team in ei­nen Rausch,

der für die Zwi­ckau­er zu ei­nem De­ba­kel hät­te wer­den kön­nen, wenn Tor­wart Brin­kies nicht in so gu­ter Form ge­we­sen wä­re. Die Zu­schau­er lie­ßen sich mit­rei­ßen, nach­dem sie die Mann­schaft schon von der ers­ten Mi­nu­te an un­ter­stützt hat­ten. 8500 wa­ren da­bei, gut 2000 hat­ten

von der Kar­ten­ak­ti­on des VfL-Spon­sors „Pos­ten­bör­se“pro­fi­tiert. Den­noch – und erst recht an­ge­sichts der TVLi­ve-Über­tra­gung – ei­ne be­mer­kens­wer­te Zahl beim Du­ell des Letz­ten ge­gen den Neun­ten. Mehr ka­men an die­sem Spiel­tag in der 3. Li­ga nur in Karls­ru­he.

Wer zum nächs­ten Heim­spiel, das we­gen der Län­der­spiel­pau­se erst am 17. No­vem­ber (Frei­tag) ge­gen den VfR Aa­len an­steht, wie­der­kommt, kommt we­gen der Leis­tung, nicht we­gen der Punk­te. Be­mer­kens­wert wa­ren nicht nur die Lei­den­schaft und die kör­per­li­che Fit­ness, mit der je­der Ein­zel­ne agier­te. Es im­po­nier­te auch, dass der VfL nicht zu­rück­schal­te­te, son­dern das Tem­po hoch­hielt bis zum Schluss.

Der tak­ti­sche Schlüs­sel war die Drei­er­ket­te, mit der Thiou­ne das Zen­trum stärk­te. Sie wur­de auf Flü­geln ab­ge­si­chert von zwei schnel­len, of­fen­si­ven Spie­lern: Wachs und Iyo­ha sorg­ten mit ih­ren Pen­dants Hei­der und Rei­mer­ink für Tem­po­spiel auf den Flü­geln. Vor al­lem der ei­gent­lich als Stür­mer ver­pflich­te­te Iyo­ha ver­blüff­te, weil er sich in der neu­en Rol­le si­cher be­weg­te und be­wies, dass er den Ball nicht nur be­haup­ten, son­dern auch er­obern kann. Groß lös­te sei­ne Auf­ga­be als Füh­rungs­kraft im Ab­wehr­zen­trum, war aber da­mit of­fen­bar nicht aus­ge­las­tet und trieb das An­griffs­spiel im­mer wie­der er­folg­reich an; der Ka­pi­tän ging im Wort­sinn vor­an.

Vom Him­mel fiel die Dar­bie­tung nicht, sie hat­te sich in den Par­ti­en ge­gen Mag­de­burg (0:2), in Ros­tock (0:2) und ge­gen Nürn­berg (2:3) an­ge­kün­digt. Und des­halb hat­te Thiou­ne recht, als er sein Fa­zit zog: „Es war ein klei­ner Schritt in der Ta­bel­le, aber ein gro­ßer für das Team.“

Re­ak­tio­nen, Fo­tos und mehr: noz.de/vfl

Fo­to: Hel­mut Kem­me

Arm in Arm, Hand in Hand: Der VfL (hier Mar­cel Ap­piah, Em­ma­nu­el Iyo­ha und Ju­les Rei­mer­ink) be­ein­druck­te mit ei­ner struk­tu­rier­ten Mann­schafts­leis­tung.

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