VfLer Di­da­vi er­war­tet Pfif­fe in Stutt­gart

VfL Wolfsburg am Sams­tag bei VfB: „Mein Va­ter will sich das nicht an­tun“

Wolfsburger Allgemeine - - ERSTE SEITE - VON MAR­CEL WESTERMANN

WOLFSBURG. Es war der 34. Spiel­tag der Sai­son 2015/16: Da­ni­el Di­da­vi lief zum letz­ten Mal für sei­nen Ex-Klub VfB Stutt­gart auf, ehe für ihn mit dem Wech­sel zum VfL sein nächs­ter Kar­rie­re­schritt an­stand – ein Tag, den der Spiel­ma­cher nicht ver­ges­sen wird. Mit 3:1 setz­te sich der Wolfs­bur­ger Fuß­ball-Bun­des­li­gist durch, das Tor der Schwa­ben er­ziel­te der Krea­tiv­kopf mit ei­nem se­hens­wer­ten Frei­stoß. Die­se Plei­te be­deu­te­te den Ab­stieg des VfB. Nach ei­nem Jahr in der 2. Li­ga sind die Stutt­gar­ter – und für Di­da­vi gibt’s das Wie­der­se­hen mit sei­nen Ex-Team­kol­le­gen. Ei­nen herz­li­chen Emp­fang von den Rän­gen er­war­tet er aber nicht.

Der VfB steck­te schon früh in der be­sag­ten Spiel­zeit im Ab­stiegs­kampf. Be­reits An­fang Fe­bru­ar stand fest, dass Di­da­vi sei- nen Ju­gend­ver­ein, für den er im Au­gust 2010 beim 1:3 ge­gen Bo­rus­sia Dort­mund sein Bun­des­li­ga-De­büt ge­fei­ert hat­te, in Rich­tung Wolfsburg ver­las­sen wird. Das nah­men ihm die VfBFans übel. „Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht durch Stutt­gart ge­hen kann. Vie­le Fans sa­gen zu mir: ‚Da­ni­el, komm’ zu­rück. Aber ich glau­be, dass es Pfif­fe ge­ben wird. Dar­über ma­che ich mir aber kei­nen Kopf“, sagt Di­da­vi und ver­gleicht sei­ne Si­tua­ti­on mit der von Leip­zig-Ak­teur Ti­mo Wer­ner, der im­mer mal wie­der mit An­fein­dun­gen zu kämp­fen hat. „Wenn man sich dar­über Ge­dan­ken macht, geht man ka­putt. So ist der Fuß­ball, so ist die Fan-Kul­tur. Aber das sind nur fünf bis zehn Pro­zent im Sta­di­on“, weiß Wolfs­burgs Num­mer 11.

Di­da­vis Schwes­ter und zahl­rei­che Freun­de wer­den sich das Spiel im Sta­di­on an­se­hen. Sei­ne El­tern blei­ben hin­ge­gen zu Hau­se. „Mein Va­ter will sich das nicht an­tun“, sagt der Of­fen­siv­spie­ler mit Blick auf die Fan-Re­ak­tio­nen. Den­noch ist der VfL-Pro­fi heiß aufs Wie­der­se­hen. Denn in sei­ner Kar­rie­re muss­te er erst ein ein­zi­ges Mal ge­gen Stutt­gart ran – als Leih­ga­be mit dem 1. FC Nürnberg. „Wir ha­ben 0:1 ver­lo­ren“, er­in­nert sich Di­da­vi. Dies­mal kann er es bes­ser ma­chen. Und er freut sich: „Das wird ein be­son­de­res Spiel.“

Und in Stutt­gart will der ein­zi­ge VfL-Tor­schüt­ze (er­ziel­te die bei­den Wolfs­bur­ger To­re der Sai­son) an sei­ne gu­ten Leis­tun­gen an­knüp­fen. Dass es der­zeit so gut läuft, da­für ist un­ter an­de­rem auch sei­ne Er­näh­rungs­um­stel­lung mit­ver­ant­wort­lich. Der Links­fuß er­nährt sich ve­gan, seit­dem hat er schon sechs Ki­lo­gramm ab­ge­nom­men. Er wirkt frisch, sprit­zig und hung­rig – al­ler­dings auch auf Er­fol­ge. Aber nicht nur die Er­näh­rung, auch die hef­ti­ge Kri­tik von Trai­ner An­dries Jon­ker nach dem 0:6-Bay­ernDe­ba­kel der Vor­sai­son hat den Pro­fi an­ge­spornt. Seit­dem ist er für die Mann­schaft noch wert­vol­ler ge­wor­den. Und im neu­en Sys­tem mit Drei­er­ket­te und zwei Spit­zen fühlt sich der Wolfs­bur­ger auch wohl. „Wenn man vor­ne zwei An­spiel­sta­tio­nen hat, dann ist es schö­ner. Wir ha­ben mehr Pro­fis im ge­fähr­li­chen Be­reich, das hat­ten wir vor­her nicht. Wir dür­fen aber nicht be­re­chen­bar wer­den“, mahnt der Spiel­ma­cher.

Dass das Team jetzt erst mal auf An­grei­fer Ma­rio Go­mez ver­zich­ten muss „ist na­tür­lich bit­ter. Er hat uns in der ver­gan­ge­nen Sai­son zu wei­ten Tei­len den A... ge­ret­tet“, weiß Di­da­vi. Und wie ver­hält sich der VfLer in sei­ner Hei­mat, soll­te er im drit­ten Spiel sei­nen drit­ten Tref­fer mar­kie­ren? „Ich ver­ste­he, wenn Spie­ler ge­gen ih­re Ex-Klubs nicht ju­beln. Aber das ist dann kei­ne Ges­te ge­gen den Ver­ein. Es kann sein, dass ich aus Re­spekt nicht ju­be­le, aber ich weiß nicht, ob ich mich dran hal­ten kann, wenn ich in der 94. Mi­nu­te das 2:1-Sieg­tor ma­che“, sagt er schmun­zelnd.

Wenn man sich dar­über Ge­dan­ken macht, geht man ka­putt. So ist der Fuß­ball, so ist die Fan-Kul­tur. Da­ni­el Di­da­vi

Ex.Stutt­gar­ter des VfL

Ver­scher­zen will er es sich mit sei­nem Her­zens­ver­ein nicht. Zu Ex-Vfler Chris­ti­an Gent­ner so­wie zu Da­ni­el Ginc­zek, dem Zeug­wart und den Phy­si­os be­ste­he im­mer noch gu­ter Draht. Und Di­da­vi kann sich durch­aus vor­stel­len, ir­gend­wann zum VfB zu­rück­zu­keh­ren. „Ich ha­be im Som­mer von Ge­rüch­ten über ei­ne Rück­kehr nur ge­le­sen. Das wä­re für bei­de Sei­ten aber nicht sinn­voll ge­we­sen. Ich möch­te nichts aus­schlie­ßen“, sagt der Spiel­ma­cher. Fest­le­gen möch­te er sich nicht.

RO­LAND HERMSTEIN

Mit dem VfL zum VfB: Wolfs­burgs Da­ni­el Di­da­vi tritt am Sams­tag in der al­ten Hei­mat an.

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Zwi­schen­sta­ti­on: Der VfB lieh Di­da­vi 2011/12 an den 1. FC Nürnberg aus. Ab­schied: Sein letz­tes VfB-Spiel mach­te Di­da­vi im Mai 2016 in Wolfsburg.

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Ju­gend­spie­ler: Da­ni­el Di­da­vi 2007 beim VfB.

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