„Ge­le­gent­lich kommt auf ei­nen gro­ben Klotz auch ein gro­ber Keil“

Kurz vor der Land­tags­wahl gibt sich Bernd Al­t­hus­mann (CDU) kämp­fe­risch – und will ei­ne bes­se­re Fi­nanz- und Schul­po­li­tik

Wolfsburger Allgemeine - - NIEDERSACHSEN - Von Hen­drik Brandt und Hei­ko Ran­der­mann

Herr Al­t­hus­mann, Sie sind als Spit­zen­kan­di­dat der CDU in den Um­fra­gen bei 40 Pro­zent ge­star­tet, jetzt sind es 32 Pro­zent – hin­ter der SPD. Ha­ben Sie den Wahl­kampf ver­schla­fen?

Mal lang­sam. Ge­star­tet sind wir im Früh­jahr die­ses Jah­res bei 34 oder 33 Pro­zent. Für mich sind die­se Um­fra­gen im­mer Au­gen­bli­cke. Na­tür­lich ha­ben die Bun­des­tags­wah­len die Um­fra­gen be­ein­flusst – da hät­te ich mir mehr Rü­cken­wind ge­wünscht. Die Wäh­ler ha­ben der Gro­ßen Ko­ali­ti­on, so­wohl der SPD als auch der CDU, bei der Bun­des­tags­wahl ei­nen Denk­zet­tel ver­passt.

Woran lag das?

Wir ha­ben viel­leicht auch auf Bun­des­ebe­ne die Stim­mungs­la­ge falsch ein­ge­schätzt, was die Flücht­lings­si­tua­ti­on an­geht. Da hät­ten wir ge­nau­er hin­hö­ren müs­sen, das muss man nicht be­strei­ten. Aber jetzt geht es um nie­der­säch­si­sche The­men und da bie­ten wir ein ech­tes Al­ter­na­tiv­pro­gramm.

Nie­der­sach­sens CDU war im­mer ganz nah an An­ge­la Mer­kels Li­nie. Rü­cken Sie jetzt da­von ab?

Nein, ich rü­cke nicht ab von An­ge­la Mer­kel. Es be­steht auch kein An­lass, in Sack und Asche zu ge­hen – wir sind im­mer noch die stärks­te Par­tei. Aber wir müs­sen die Wahl ana­ly­sie­ren. Und wir müs­sen uns im­mer wie­der fra­gen, ob wir na­he ge­nug an den Sor­gen und Nö­ten der Men­schen dran sind.

Das fällt Ih­nen spät auf. Wa­ren Sie zu lan­ge sie­ges­ge­wiss?

Ich bin im­mer noch sie­ges­ge­wiss, aber ich war auch im­mer da­von über­zeugt, dass es knapp wer­den wird in Nie­der­sach­sen. Es deu­tet sich jetzt ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen an und das ist für mich et­was Nor­ma­les. War­ten wir es mal ab.

Ha­ben Sie im Wahl­kampf eher Freun­de ver­lo­ren? In die­ser Wo­che ist Ih­nen der Lan­des­po­li­zei­prä­si­dent da­von­ge­lau­fen und gibt sein CDU-Par­tei­buch ab.

Es tut mir wirk­lich leid, dass der Po­li­zei­prä­si­dent sich we­ni­ge Ta­ge vor der Wahl of­fen­sicht­lich vor den Kar­ren der SPD span­nen lässt. Es muss ei­nen schon wun­dern, dass er die­sen Schritt nicht vor fünf Wo­chen ge­macht hat, als der Ab­schluss­be­richt zum Is­la­mis­mus-Aus­schuss ver­öf­fent­licht wor­den ist, der ihn an­geb­lich so em­pört hat. Und die­ser Be­richt zeigt, dass es Ver­säum­nis­se in der nie­der­säch­si­schen Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur ge­ge­ben hat. Soll­te der Po­li­zei­prä­si­dent ge­glaubt ha­ben, er wer­de we­gen sei­nes Par­tei­buchs vor un­an­ge­neh­men Fra­gen ge­schützt sein, hät­te er sich wahr­lich ge­irrt.

Und war­um ha­ben Sie die Lan­des-CDU im Schat­ten­ka­bi­nett bei­sei­te ge­las­sen und set­zen stär­ker auf aus­wär­ti­ge Kräf­te?

Die Frak­ti­on ist in mein Team mit drei Mit­glie­dern ein­ge­bun­den und ich ha­be mich als Spit­zen­kan­di­dat im Wahl­kampf im­mer mit der Frak­ti­on ab­ge­stimmt. In mei­nem Team steckt jetzt viel Kom­pe­tenz, auch von au­ßer­halb, und das dürf­te die meis­ten über­zeugt ha­ben. Dass in ei­nem Wahl­kampf ei­ni­ge viel­leicht auch un­zu­frie­den sind und nicht al­les rund läuft, das ist nor­mal.

Sie ha­ben ge­ra­de noch vor der Wahl der Il­lus­trier­ten „Bun­te“ein In­ter­view ge­ge­ben, in dem Sie dar­über spre­chen, wie Sie mit Ih­rer Frau im Wohn­zim­mer tan­zen. Was ist da die Ab­sicht da­hin­ter?

Die ha­ben bei uns ei­ne Ho­me­Sto­ry an­ge­fragt. So et­was ma­che ich nicht. Ich fin­de es aber völ­lig in Ord­nung, in ei­nem Ge­spräch et­was vom Men­schen Bernd Al­t­hus­mann preis­zu­ge­ben.

Aber Sie ha­ben er­zählt, dass Sie mit Ih­rer Frau im Wohn­zim­mer tan­zen.

Ja, das ha­ben wir auch in Afri­ka manch­mal ge­macht. Und der­zeit se­hen wir uns wirk­lich kaum, ich bin sehr lan­ge tags­über un­ter­wegs. Spät­abends zu Hau­se, das ist die ein­zi­ge Zeit, bei der wir ein we­nig Zwei­sam­keit ge­nie­ßen kön­nen – und wir tan­zen ger­ne.

Wie emp­fin­den Sie den Um­gangs­ton in die­sem Wahl­kampf?

Das ist schon ein recht rau­er Wahl­kampf. Ge­le­gent­lich kommt auf ei­nen gro­ben Klotz auch ein gro­ber Keil. Ei­ne ge­wis­se Wort­wahl sei­tens ei­ni­ger Grü­ner wie „end­la­gern“oder „schwarz-gel­ber Het­zer“emp­fand ich als nicht mehr ver­tret­bar.

Sie ha­ben den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ste­phan Weil sehr scharf an­ge­grif­fen, ins­be­son­de­re beim The­ma VW. Sie ha­ben so­gar ge­sagt, Sie wür­den sich eher ver­kla­gen las­sen, als Vor­sicht wal­ten zu las­sen. Ha­ben Sie das ernst ge­meint?

Das Ak­ti­en­recht ist ein­zu­hal­ten, wenn es um Be­triebs­ge­heim­nis­se von VW geht. Aber das Ak­ti­en­recht steht nicht über dem Straf­recht. Wenn mir Straf­ta­ten im Kon­zern be­kannt wer­den, dann muss ich dar­auf als Auf­sichts­rat re­agie­ren. Das schul­det der Auf­sichts­rat vor al­lem den Ar­beits­kräf­ten von VW, denn de­ren Exis­tenz hängt da­von ab, dass das Un­ter­neh­men gut auf­ge­stellt ist und mit Kri­sen gut um­zu­ge­hen weiß. Und Ste­phan Weil hat im Auf­sichts­rat ei­ne un­glück­li­che Rol­le ge­spielt.

Was hät­te der Mi­nis­ter­prä­si­dent an­ders ma­chen sol­len?

Wenn man von al­len Pro­ble­men des Kon­zerns nur aus den Zei­tun­gen er­fährt und nie in­for­miert ist, ob die dort for­mu­lier­ten Vor­wür­fe stim­men, dann ist das ein Zei­chen, dass der Vor­stand ei­nen als Auf­sichts­rat of­fen­sicht­lich nicht ernst nimmt. Der Mi­nis­ter­prä­si­dent hat ei­nen Eid auf das Wohl des Lan­des ge­schwo­ren und die Aus­kunfts­rech­te des Par­la­ments ge­hö­ren da­zu. Dar­um­geh­tes–nich­t­um­das­Ver­ra­ten von Be­triebs­ge­heim­nis­sen oder ei­nen be­wuss­ten Rechts­bruch. Wer mir das vor­wirft, der han­delt un­red­lich.

Die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on des Lan­des ist der­zeit ro­sig. Ge­hen Sie da­von aus, dass es in den nächs­ten Jah­ren so gut bleibt?

Die Si­tua­ti­on ist kein Ver­dienst der Lan­des­re­gie­rung, das ist ei­ne all­ge­mei­ne Ent­wick­lung. Ein gu­ter Kauf­mann muss da­her auch mit Ve­rän­de­run­gen rech­nen, et­wa ei­ner Zins­ver­än­de­rung der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank. Aber wir ha­ben seit fünf Jah­ren ste­tig stei­gen­de Ein­nah­men – seit 2012 sind die Steu­er­ein­nah­men um rund 5 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­stie­gen. Und auch in die­sem Jahr hat das Land of­fen­bar ei­nen Über­schuss von ei­ner Mil­li­ar­de Eu­ro ver­zeich­nen kön­nen – die von der Lan­des­re­gie­rung schon als Wahl­ge­schenk ver­teilt wer­den. Aber wie es in drei bis vier Jah­ren aus­se­hen wird, das kann kei­ner vor­aus­se­hen.

Ha­ben Sie dann nicht zu viel ver­spro­chen mit dem an­ge­kün­dig­ten Stel­len­auf­bau bei Po­li­zis­ten, Rich­tern und dem Aus­bau der di­gi­ta­len In­fra­struk­tur?

Nein. Wir wer­den er­le­ben, dass in der Lan­des­ver­wal­tung in den nächs­ten Jah­ren 47000 Mit­ar­bei­ter in den Ru­he­stand ge­hen. Das heißt, dass wir neue Kräf­te ge­win­nen müs­sen, aber wir ha­ben auch die Mög­lich­keit, in Ma­ßen und da, wo es sinn­voll ist, Stel­len ab­zu­bau­en. Wir wol­len nicht ein­fach mehr aus­ge­ben, wie das Rot-Grün der­zeit so ger­ne tut. Wir wol­len auch spa­ren und bes­ser haus­hal­ten. Wir wol­len an­fan­gen, den Berg von 60 Mil­li­ar­den Eu­ro Schul­den ab­zu­bau­en. Aber in der der­zei­ti­gen gu­ten Fi­nanz­la­ge müs­sen wir auch in­ves­tie­ren.

Sie ha­ben ver­sucht, im Wahl­kampf Ak­zen­te bei der Bil­dung zu set­zen. Und es gibt ja auch gro­ße Un­zu­frie­den­heit über Ro­tG­rün an den Schu­len. War­um ha­ben Sie dar­aus kei­ne Zu­stim­mung zie­hen kön­nen?

Stimmt, der Frust an den Schu­len ist rie­sig. Wir wer­den im Bil­dungs­be­reich in­ves­tie­ren müs­sen, aber wir brau­chen auch bei der In­klu­si­on ei­ne Atem­pau­se. Wir brau­chen aber kei­ne Ve­rän­de­rung der Schul­land­schaft, son­dern wir müs­sen in den nächs­ten Jah­ren den Schul­all­tag ent­rüm­peln, die Leh­rer ent­las­ten und Qua­li­tät et­wa des Ganz­tags­be­triebs ver­bes­sern – dann wer­den wir auch wie­der bes­se­re Stim­mung an den Schu­len ha­ben in ei­ni­gen Jah­ren.

Wir brau­chen kei­ne Ve­rän­de­rung der Schul­land­schaft. Bernd Al­t­hus­mann, Spit­zen­kan­di­dat der CDU für die Land­tags­wahl

An­ge­nom­men, es reicht am En­de des Wahl­ta­ges nicht für die CDU. Was ma­chen Sie, wenn die Uni­on nur zweit­stärks­te Kraft wird?

Ich spe­ku­lie­re nicht. Ich set­ze dar­auf, dass die Uni­on stärks­te Kraft wird, und wir wer­den da­nach auf al­le de­mo­kra­ti­schen Par­tei­en zu­ge­hen: auf SPD, FDP und Grü­ne. Aber bis Sonn­tag­abend zer­bre­che ich mir nicht den Kopf über mög­li­che Ko­ali­tio­nen, son­dern wer­be für Stim­men für die CDU.

FO­TO: SCHAARSCHMIDT

„Bis Sonn­tag­abend zer­bre­che ich mir nicht den Kopf über Ko­ali­tio­nen, son­dern wer­be für Stim­men für die CDU“: Bernd Al­t­hus­mann, Spit­zen­kan­di­dat der Uni­on für die Land­tags­wahl.

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