Ja­mai­ka sucht den Ren­ten-Mas­ter­plan

Re­form­ide­en kos­ten bis zu 13,5 Mil­li­ar­den Eu­ro – Mehr Hil­fe für Er­werbs­ge­min­der­te und Ge­ring­ver­die­ner

Wolfsburger Allgemeine - - POLITIK - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER

WÜRZ­BURG/BER­LIN. Sie wol­len ei­nen Ren­ten­auf­schlag für Ge­ring­ver­die­ner, da­mit die­se im Al­ter mehr ha­ben als die Grund­si­che­rung. Ei­nig sind sich die Ja­mai­ka-Son­die­rer auch dar­über, dass Er­werbs­ge­min­der­te bes­ser ab­ge­si­chert wer­den sol­len. Au­ßer­dem möch­ten Uni­on, FDP und Grü­ne die pri­va­te Vor­sor­ge er­leich­tern. So­weit reicht der Kon­sens. Un­eins sind die Son­die­rer noch, ob die Müt­ter­ren­te wie von der CSU ge­for­dert aus­ge­wei­tet wer­den soll und ob sich et­was beim Ren­ten­ein­tritts­al­ter än­dern wird. Teu­re Ren­ten­pro­jek­te oder klu­ger Zu­kunfts­ent­wurf? Wahr­schein­lich gibt es die Ant­wort erst in Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen.

An­ge­sichts der neu­en Ren­ten­zah­len sind die Aus­sich­ten bes­ser als ge­dacht. Deutsch­lands Se­nio­ren kön­nen sich auch im kom­men­den Jahr auf ein kräf­ti­ges Plus ein­stel­len – gut 3 Pro­zent in Ost und West. Auch sonst re­la­ti­vie­ren die von der Deut­schen Ren­ten­ver­si­che­rung (DRV) ges­tern vor­ge­stell­ten Zah­len ei­ni­ges, was noch im Bun­des­tags­wahl­kampf für Streit ge­sorgt hat­te.

Die La­ge: Die Bei­trags­ein­nah­men spru­deln wei­ter. Bis zum Jahr 2031 wird mit Ren­ten­er­hö­hun­gen von 36 Pro­zent ge­rech­net. Das Ren­ten­ni­veau – das Ver­hält­nis ei­ner Stan­dard­ren­te zum Durch­schnitts­ein­kom­men – sinkt we­ni­ger stark als an­ge­nom­men. Laut neu­er Pro­gno­se steigt es zu­nächst so­gar noch, von ak­tu­ell 48,2 auf 48,3 Pro­zent im Jahr 2020. Bis 2030 wür­de es sich auf 45,0 Pro­zent ver­rin­gern, da­mit al­ler­dings noch 2 Pro­zent­punk­te über der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen Un­ter­gren­ze lie­gen. Ein wei­te­rer Licht­blick, dies­mal für die Bei­trags­zah­ler: Stand jetzt dürf­te der Ren­ten­bei­trag, der 2018 um 0,1 Pro­zent­punk­te auf 18,6 Pro­zent sin­ken soll, über die vol­le Le­gis­la­tur­pe­ri­ode kon­stant blei­ben.

Die Kos­ten ih­rer Re­form­ide­en ha­ben die Ja­mai­ka-Son­die­rer in­zwi­schen be­zif­fert: Es geht nach RND-In­for­ma­tio­nen um jähr­lich 400 Mil­lio­nen bis 5 Mil­li­ar­den Eu­ro für Ver­bes­se­run­gen bei der Er­werbs­min­de­rungs­ren­te, um bis zu 7 Mil­li­ar­den Eu­ro bei der Müt­ter­ren­te und um bis zu 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro für das von den Grü­nen ge­for­der­te Min­dest­ren­tenMo­dell. Al­les wei­te­re wä­re Stoff für die Ren­ten­re­form­kom­mis­si­on, die ih­re Vor­schlä­ge bis En­de 2019 prä­sen­tie­ren soll.

Die Li­be­ra­len po­chen wei­ter auf ei­nen Weg­fall ei­ner Re­gel­al­ters­gren­ze. „Es ist nicht mehr zeit­ge­mäß, dass Po­li­ti­ker ent­schei­den, wann die Men­schen in Ren­te zu ge­hen ha­ben – die Le­bens­läu­fe heut­zu­ta­ge sind so un­ter­schied­lich, dass ein star­res Ren­ten­ein­tritts­al­ter nicht mehr passt”, sag­te FDPRen­ten­ex­per­te Jo­han­nes Vo­gel dem RND. „Je­der soll­te selbst ent­schei­den kön­nen, wann er in Ren­te geht, die Schwe­den zum Bei­spiel ma­chen das er­folg­reich vor.” Wer eher in den Ru­he­stand ge­he, er­hal­te dort we­ni­ger Ren­te und wer län­ger ar­bei­te, be­kom­me mehr.

Je­der soll­te selbst ent­schei­den, wann er in Ren­te geht. Jo­han­nes Vo­gel, Ren­ten­ex­per­te der FDP

FO­TO: DPA

An­nä­he­rung über die Ren­te: Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel am Di­ens­tag auf dem Weg zu den Ver­hand­lun­gen.

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