SPD macht die Tür zur Gro­ßen Ko­ali­ti­on auf

Bun­des­par­tei­tag will „er­geb­nis­of­fe­ne Ge­sprä­che“mit der Uni­on – Schulz im Amt be­stä­tigt

Wolfsburger Allgemeine - - ERSTE SEITE - VON MICHA­EL FI­SCHER UND TE­RE­SA DAPP

BER­LIN. Nach dem Schei­tern der Ver­hand­lun­gen für ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on star­ten Uni­on und SPD ei­nen neu­en An­lauf zu ei­ner Re­gie­rungs­bil­dung. Die SPD mach­te am Don­ners­tag auf ei­nem Par­tei­tag in Ber­lin nach stun­den­lan­ger kon­tro­ver­ser De­bat­te mit gro­ßer Mehr­heit den Weg für „er­geb­nis­of­fe­ne Ge­sprä­che“frei, die be­reits in der nächs­ten Wo­che be­gin­nen sol­len.

Drei Er­geb­nis­se sind mög­lich: ei­ne Neu­auf­la­ge der Gro­ßen Ko­ali­ti­on, die To­le­rie­rung ei­ner Min­der­heits­re­gie­rung und Neu­wah­len. „Es gibt kei­nen Au­to­ma­tis­mus für ir­gend­et­was“, sag­te Par­tei­chef Mar­tin Schulz. Ein An­trag der Jung­so­zia­lis­ten (Ju­sos) für den Aus­schluss ei­ner Gro­Ko wur­de ab­ge­schmet­tert.

Die CDU be­grüß­te den Be­schluss der SPD und be­kräf- tig­te das Ziel, „ei­ne ver­läss­li­che und sta­bi­le Re­gie­rung für un­ser Land zu bil­den“. Der CDU-Vor­stand wer­de nun am Sonn­tag und Mon­tag über das wei­te­re Vor­ge­hen be­ra­ten, sag­te Bun­des­ge­schäfts­füh­rer Klaus Schü­ler.

SPD-Chef Schulz hat­te vor der Ab­stim­mung ein­dring­lich für Ge­sprä­che mit der Uni­on ge­wor­ben. „Wir müs­sen nicht um je­den Preis re­gie­ren. Aber wir dür­fen auch nicht um je­den Preis nicht re­gie­ren wol­len“, sag­te er in sei­ner mehr als ein­stün­di­gen Re­de, für die er mä­ßi­gen Ap­plaus er­hielt. Am Abend wur­de Schulz mit 81,9 Pro­zent im Amt be­stä­tigt.

In der De­bat­te schlug dem SPD-Chef mas­si­ver Wi­der­stand ge­gen ei­ne mög­li­che Gro­ße Ko­ali­ti­on ent­ge­gen. Kurz vor der Ab­stim­mung am Abend er­griff Schulz noch ein­mal das Wort und sag­te: „Ich bit­te um eu­er Ver­trau­en und sonst über­haupt nichts.“

Vor al­lem die Ju­sos mach­ten Front ge­gen die Li­nie des Vor­stands. Sie hal­ten ein Re­gie­rungs­bünd­nis mit der Uni­on für „po­li­ti­schen Selbst­mord“und war­nen vor ei­ner „Verzwer­gung“der SPD. „Wir ha­ben ein In­ter­es­se dar­an, dass hier noch was üb­rig bleibt von die­sem La­den, ver­dammt noch mal“, sag­te Ju­s­o­Chef Ke­vin Küh­nert.

Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nah­les rief die De­le­gier­ten auf, kei­ne Angst vor der Gro­ßen Ko­ali­ti­on zu ha­ben. Die SPD müs­se mit „in­halt­li­cher Über­zeu­gung und Selbst­be­wusst­sein“in die Ge­sprä­che ge­hen und die­se hart füh­ren.

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