Ha­mas ruft zu neu­er In­ti­fa­da auf

Is­la­mis­ten wer­ten Trumps Je­ru­sa­lem-Ent­schei­dung als Kriegs­er­klä­rung – Un­ru­hen im West­jor­dan­land

Wolfsburger Allgemeine - - TAGESTHEMEN - VON SA­RA LEMEL

JE­RU­SA­LEM/GAZA. Die ers­te Pro­test­wel­le ließ nicht lan­ge auf sich war­ten: Am Mitt­woch er­klär­te US-Prä­si­dent Do­nald Trump, die USA wür­den Je­ru­sa­lem als Haupt­stadt Is­ra­els an­er­ken­nen – ges­tern roll­te die ers­te Pro­test­wel­le durch die is­la­mi­sche Welt. Die ra­di­kal­is­la­mi­sche Ha­mas rief für Frei­tag zu ei­nem neu­en Pa­läs­ti­nen­ser­auf­stand (In­ti­fa­da) ge­gen Is­ra­el auf. Trumps Ent­schei­dung kom­me ei­ner „Kriegs­er­klä­rung ge­gen die Pa­läs­ti­nen­ser“gleich, sag­te Ha­mas-Chef Is­mail Ha­ni­ja in Gaza.

Im pa­läs­ti­nen­si­schen Au­to­no­mie­ge­biet West­jor­dan­land gab es am ers­ten von „drei Ta­gen des Zorns“Zu­sam­men­stö­ße zwi­schen De­mons­tran­ten und is­rae­li­schen Si­cher­heits­kräf­ten, bei Kund­ge­bun­gen wur­den ame­ri­ka­ni­sche und is­rae­li­sche Fah­nen so­wie Pos­ter mit Fo­tos von Trump und dem is­rae­li­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu ver­brannt. Nach An­ga­ben des pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­ums wur­den min­des­tens 20 Pa­läs­ti­nen­ser ver­letzt.

Am Don­ners­tag­mor­gen be- gan­nen die Pa­läs­ti­nen­ser ei­nen Ge­ne­ral­streik. Im West­jor­dan­land und im Ga­za­strei­fen so­wie in Ost­je­ru­sa­lem blie­ben öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen, Ge­schäf­te, Schu­len und Ban­ken ge­schlos­sen.

Aus Sor­ge vor wei­te­rer Ge­walt ver­stärkt Is­ra­els Ar­mee ih­re Prä­senz im be­setz­ten West­jor­dan­land. Der Ge­ne­ral­stab ha­be ent­schie­den, meh­re­re zu­sätz­li­che Ba­tail­lo­ne ins West­jor­dan­land zu ver­le­gen, teil­te das Mi­li­tär mit.

Der Streit um Je­ru­sa­lem zählt zu den größ­ten Hin­der­nis­sen auf dem Weg zu ei­ner Lö­sung des seit Jahr­zehn­ten schwe­len­den Nah­ost­kon­flikts. Is­ra­el be­an­sprucht ganz Je­ru­sa­lem als sei­ne Haupt­stadt, wäh­rend die Pa­läs­ti­nen­ser den 1967 von Is­ra­el er­ober- ten Ost­teil als Haupt­stadt ei­nes künf­ti­gen un­ab­hän­gi­gen pa­läs­ti­nen­si­schen Staats be­trach­ten. In ei­nem his­to­ri­schen Al­lein­gang hat­te Trump am Mitt­woch in Wa­shing­ton ge­sagt: „Ich bin zu der Er­kennt­nis ge­langt, dass es Zeit ist, Je­ru­sa­lem als Haupt­stadt Is­ra­els an­zu­er­ken­nen.“Trump wies zu­dem das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um an, mit dem Pro­zess zur Ver­le­gung der US-Bot­schaft von Tel Aviv nach Je­ru­sa­lem zu be­gin­nen.

Die Welt­ge­mein­schaft re­agier­te mit größ­ter Be­sorg­nis. Sau­di-Ara­bi­en rief sei­nen Ver­bün­de­ten USA auf, die Ent­schei­dung zu­rück­zu­neh­men. Die Na­to-Part­ner Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en als UN-Ve­to­mäch­te so­wie wei­te­re Mit­glie­der des Welt­si­cher­heits­ra­tes be­an­trag­ten für Frei­tag ei­ne Son­der­sit­zung des Gre­mi­ums in New York. Die EU will ver­su­chen, ei­ne ak­ti­ve­re Rol­le im fest­ge­fah­re­nen Nah­ost-Frie­dens­pro­zess zu über­neh­men. „Die Eu­ro­päi­sche Uni­on wird noch stär­ker auf die Kon­flikt­par­tei­en und die re­gio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Part­ner zu­ge­hen“, sag­te die EU-Au­ßen­be­auf­trag­te Fe­de­ri­ca Mo­g­her­i­ni.

Die Be­hör­de für is­la­mi­sche Pro­pa­gan­da rief die Ira­ner in der Haupt­stadt Te­he­ran auf, nach dem Frei­tags­ge­bet an ei­ner or­ga­ni­sier­ten De­mons­tra­ti­on teil­zu­neh­men. Die is­la­mis­ti­sche Ter­ror­mi­liz Al-Sha­ba­ab for­der­te al­le Mus­li­me zum Kampf ge­gen die USA und Is­ra­el auf. Die Fein­de Al­lahs er­klär­ten ei­nen neu­en Krieg ge­gen Mus­li­me und die hei­li­gen Stät­ten im Land der un­ter­drück­ten Pa­läs­ti­nen­ser, hieß es am Don­ners­tag in ei­ner Ra­dio­bot­schaft der so­ma­li­schen Ter­ror­grup­pe.

Der tür­ki­sche Staats­prä­si­dent Re­cep Tay­yip Er­do­gan be­rief für Mitt­woch ei­nen Son­der­gip­fel der Or­ga­ni­sa­ti­on für Is­la­mi­sche Ko­ope­ra­ti­on (OIC) in Istan­bul ein. Er warf Trump vor, mit sei­ner Ent­schei­dung „vor al­lem die­se Re­gi­on in ei­nen Feuer­kreis zu wer­fen“.

Is­ra­el fei­ert die US-Ent­schei­dung hin­ge­gen, Re­gie­rungs­chef Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu sprach am Don­ners­tag von ei­ner „his­to­ri­schen Er­klä­rung“Trumps. „Prä­si­dent Trump hat sich auf ewig mit der Ge­schich­te un­se­rer Haupt­stadt ver­bun­den.“Is­ra­el sei be­reits in Kon­takt mit wei­te­ren Staa­ten, die Je­ru­sa­lem eben­falls an­er­ken­nen woll­ten, sag­te Ne­tan­ja­hu.

FO­TO: AP

Pro­test in Ra­mal­lah: Pa­läs­ti­nen­ser ver­bren­nen Rei­fen und wer­fen St­ei­ne auf is­rae­li­sche Si­cher­heits­kräf­te – meh­re­re Men­schen wer­den ver­letzt.

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