Streit um Ab­schie­be­stopp nach Sy­ri­en

Uni­on for­dert Neu­be­wer­tung der Si­cher­heits­la­ge – um Ge­fähr­der zu­rück­schi­cken zu kön­nen

Wolfsburger Allgemeine - - POLITIK - VON BIR­GIT ZIMMERMANN

LEIP­ZIG. Die Uni­on be­harrt auf ih­rer For­de­rung, die Si­cher­heits­la­ge in Sy­ri­en neu zu be­wer­ten: Das hat Sach­sens In­nen­mi­nis­ter Mar­kus Ul­big (CDU) bei der Leip­zi­ger Kon­fe­renz mit sei­nen Amts­kol­le­gen be­kräf­tigt. Ei­ne sol­che Ein­schät­zung ha­be es für das Bür­ger­kriegs­land seit mehr als fünf Jah­ren nicht mehr ge­ge­ben, sag­te Ul­big. Es sei da­her „mehr als ver­nünf­tig“, vom Aus­wär­ti­gen Amt ei­ne neue Be­wer­tung ein­zu­for­dern.

Meh­re­re CDU-In­nen­mi­nis­ter for­der­ten un­ter an­de­rem, den gel­ten­den Ab­schie­be­stopp nicht wie bis­her um ein Jahr, son­dern nur bis En­de Ju­ni 2018 zu ver­län­gern. Ziel des Vor­sto­ßes ist es, ter­ro­ris­ti­sche Ge­fähr­der und schwe­re Straf­tä­ter nach Sy­ri­en ab­schie­ben zu kön­nen.

„Man kann ei­nen Ab­schie­be­stopp nicht lo­ckern, oh­ne neue Er­kennt­nis­se zu ha­ben“, sag­te Nie­der­sach­sens In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD). Zugleich be­ton­te er: „Wer im- mer glaubt, Sy­ri­en sei ein Land, das Ecken ha­be, in die man si­cher ab­schie­ben kön­ne, der irrt sich zum jet­zi­gen Zeit­punkt.“Man soll­te sol­che Dis­kus­sio­nen nicht in der Öf­fent­lich­keit füh­ren, denn sie sei­en ei­ne Steil­vor­la­ge für Po­pu­lis­ten.

Die Flücht­lings­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen (UNHCR) lehnt Ab­schie­bun­gen nach Sy­ri­en zum jet­zi­gen Zeit­punkt ab. Al­le Tei­le Sy­ri­ens sei­en di­rekt oder in­di­rekt von ei­nem oder meh­re­ren Kon­flik­ten be­trof­fen. Des­halb sei­en al­le Staa­ten auf­ge­for­dert, frü­her in Sy­ri­en le­ben­de Men­schen nicht zwangs­wei­se zu­rück­zu­füh­ren, teil­te das UNHCR am Don­ners­tag in Ber­lin mit. Pro Asyl nann­te die De­bat­te um ei­ne Neu­be­wer­tung der La­ge im kriegs­zer­rüt­te­ten Sy­ri­en „ei­ne über­flüs­si­ge Pseu­do-Dis­kus­si­on“.

Grü­nen-Che­fin Si­mo­ne Pe­ter be­zeich­ne­te die Plä­ne als „völ­lig ab­we­gig“. „Die Uni­ons-In­nen­mi­nis­ter, die ei­ne sol­che PR-Kam­pa­gne für das As­sad-Re­gime auf dem Rü­cken der Ge­flüch­te­ten aus- tra­gen wol­len, ha­ben jeg­li­ches Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl für Schutz­su­chen­de ver­lo­ren“, sag­te Pe­ter. Über Twit­ter re­agier­te die Bun­des­vor­sit­zen­de der Lin­ken, Kat­ja Kip­ping, mit den Wor­ten: „Die­ser Vor­stoß ist ein Wett­ren­nen um Ap­plaus aus der rech­ten Ecke, bei dem die Men­sch­lich­keit auf der Stre­cke bleibt.“

Au­ßer mit Flücht­lings­an­ge­le­gen­hei­ten be­schäf­ti­gen sich die In­nen­mi­nis­ter auf ih­rer Herbst­ta­gung un­ter an­de­rem mit der Schaf­fung ei­nes ein­heit­li­chen IT-Net­zes bei der Po­li­zei und der zu­neh­men­den Ge­walt beim Fuß­ball.

Un­ter­des­sen teil­te die Bun­des­re­gie­rung mit, dass Ab­schie­be­flü­ge aus Deutsch­land re­gel­mä­ßig dar­an schei­tern, dass die Pi­lo­ten den Rück­trans­port der Flücht­lin­ge ver­wei­gern. Al­lein in den ers­ten neun Mo­na­ten des Jah­res muss­ten dem­nach bun­des­weit 222 Ab­schie­be­ver­su­che ab­ge­bro­chen wer­den, weil der Flug­zeug­füh­rer oder die Flug­ge­sell­schaft den Trans­port der Be­trof­fe­nen ab­lehn­ten.

FO­TO: IM­A­GO

Will Ge­fähr­der nach Sy­ri­en ab­schie­ben: Mar­kus Ul­big (CDU), In­nen­mi­nis­ter von Sach­sen.

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