Die Macht der Al­go­rith­men

Com­pu­ter­pro­gram­me be­stim­men im­mer mehr un­se­ren All­tag – Ver­brau­cher­schüt­zer plä­die­ren für mehr Trans­pa­renz

Wolfsburger Allgemeine - - WIRTSCHAFT - VON RE­NA­TE GRIMMING

BER­LIN. Ver­brau­cher­schüt­zer mah­nen mehr Trans­pa­renz bei au­to­ma­ti­sier­ten Ent­schei­dun­gen an. Kern­for­de­rung ist ei­ne stär­ke­re Kon­trol­le sei­tens der Po­li­tik. „Wenn ich heu­te ei­nen Kre­dit be­an­tra­gen wür­de, wür­de wahr­schein­lich ein Al­go­rith­mus über mei­ne Kre­dit­wür­dig­keit ent­schei­den“, sag­te Klaus Mül­ler, Vor­stand des Bun­des­ver­bands der Ver­brau­cher­zen­tra­len (VZ­BV). Da­ten wür­den aus­ge­wer­tet, aber oft sei un­klar, wel­che.

Im­mer mehr Ent­schei­dun­gen wür­den durch Al­go­rith­men vor­be­rei­tet oder au­to­ma­tisch ge­trof­fen – ob im Ge­sund­heits­we­sen, ver­netz­ten Haus­halts­ge­rä­ten oder bei Ein­kaufs­emp­feh­lun­gen. Sie könn­ten das Le­ben er­leich­tern, aber auch zu fal­schen Ent­schei­dun­gen füh­ren oder Ver­brau­cher dis­kri­mi­nie­ren, sag­te Mül­ler. Ver­brau­cher­schüt­zer for­dern des­halb ei­ne Re­gu­lie­rung und Kon­trol­le sei­tens der Po­li­tik. Es ge­he dar­um, die Au­to­no­mie und Selbst­be­stim­mung der Ver­brau­cher zu schüt­zen.

Be­reits heu­te ent­schei­den Al­go­rith­men nicht nur dar­über, wel­che Rou­te wir fah­ren und wel­che Wer­bung wir im Netz se­hen. In Frank­reich wür­den nach die­sem Ver­fah­ren Stu­di­en­plät­ze ver­ge­ben, sag­te Mül­ler. Es wä­re „na­iv und dumm“, be­rech­tig­te Sor­gen nicht ernst zu neh­men.

Un­klar sei oft, an­hand wel­t­ung cher Kri­te­ri­en sol­che Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen und wie die ein­zel­nen Aspek­te ge­wich­tet wür­den. Al­go­rith­men fie­len häu­fig un­ter das Ge­schäfts­ge­heim­nis von Un­ter­neh­men. Der VZ­BV for­dert des­halb, dass die nächs­te Bun- des­re­gie­rung sich des The­mas aus Sicht des Ver­brau­cher­schut­zes an­nimmt. „Re­le­van­te al­go­rith­men­ba­sier­te Ent­schei­dungs­pro­zes­se müs­sen durch ei­ne un­ab­hän­gi­ge, staat­lich le­gi­ti­mier­te In­sti­tu­ti­on kon­trol­liert wer­den kön­nen“, sag­te Mül­ler.

Bei der Aus­wer­tung gro­ßer Da­ten­men­gen lie­ge in der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on oft der Fo­kus auf Goog­le oder Face­book, sag­te Ju­dith Si­mon, Pro­fes­so­rin für Ethik in der In­for­ma­ti­ons­tech­nik. Da­bei wer­de aber ver­ges­sen, dass ei­ne gan­ze Rei­he von Un­ter­neh­men sich schon seit lan­ger Zeit et­wa in der Kon­sum­for­schung mit Pro­gno­sen aus der Ana­ly­se gro­ßer Men­gen von Nut­zer­da­ten be­schäf­ti­ge.

FO­TO: DPA

So­zia­le Netz­wer­ke sind be­kannt da­für, mög­lichst vie­le Da­ten über ih­re Nut­zer zu sam­meln. Was sie da­mit ma­chen, ist un­klar.

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