„Kla­gen ha­be ich noch nicht ge­hört“

Be­cker trai­niert zwei Ta­ge mit Ta­len­ten. Im In­ter­view spricht er über die Plä­ne fürs deut­sche Ten­nis.

Wolfsburger Allgemeine - - SPORT - VON ANDRE­AS WILLEKE

Bo­ris Be­cker, Sie ha­ben als Ju­gend­li­cher hier in Han­no­ver sel­ber trai­niert. Mit 50 sind Sie als Ten­nis-Ober­haupt ins Leis­tungs­zen­trum zu­rück­ge­kehrt. Was hat sich seit­dem ge­än­dert?

So viel hat sich nicht ver­än­dert. Die Rä­um­lich­kei­ten sind mo­der­ner ge­wor­den, der Be­lag auf dem Ten­nis­platz ist ein an­de­rer. Mein ehe­ma­li­ges Zim­mer, in dem ich als Ju­gend­li­cher ge­wohnt ha­be, ist um­ge­baut wor­den zu ei­nem Auf­ent­halts­raum. War al­les rich­tig, es muss ja kein Mu­se­um wer­den (lacht).

In Er­in­ne­rung bleibt uns Ihr Fünf-Satz-Kri­mi-Fi­na­le 1996, das Sie bei der ATP-WM in der Mes­se­hal­le hier ge­gen Pe­te Sam­pras ver­lo­ren ha­ben.

Das war ei­nes mei­ner bes­ten Ten­nis­spie­le über­haupt, mehr ging auch nicht.

Jetzt sind Sie als He­ad of Ger­man Men’s Ten­nis hier. Das klingt ge­wal­tig, was ge­nau ist Ih­re Auf­ga­be?

Die Ten­nis Ba­se Han­no­ver ist ne­ben Mün­chen, Stutt­gart und Ka­men ein wich­ti­ger Stütz­punkt des Deut­schen Ten­nis Bun­des. In mei­ner neu­en Rol­le be­sich­ti­ge ich die Stand­or­te und trai­nie­re auch mit den Ju­gend­li­chen, was mir gro­ßen Spaß macht. Kla­gen ha­be ich noch nicht ge­hört, aber sie sind schon ein biss­chen mü­de.

Was wol­len Sie den Ta­len­ten ver­mit­teln?

Ich ha­be ih­nen ver­sucht das Ten­nis bei­zu­brin­gen, das man in der Welt­klas­se spielt. Das geht na­tür­lich nicht in zwei Ta­gen und nicht oh­ne Zu­sam­men­ar­beit mit den Trai­nern.

Was ist Ih­nen be­son­ders wich­tig?

Egal, ob Djo­ko­vic, Fe­de­rer oder Na­dal – al­le Top­spie­ler ver­än­dern sich al­le 18 Mo­na­te. In dem Rhyth­mus müs­sen neue Spiel­wei­sen da­zu­ge­lernt wer­den. Sonst ge­wöhnt sich der Geg­ner dar­an, wie man spielt. Ich sa­ge im­mer, der Um­klei­de­raum schläft nicht. Der schaut sich ge­nau an, war­um Zverev dau­ernd ge­winnt. Beim vier­ten oder fünf­ten Mal ha­ben die Kon­kur­ren­ten das ver­stan­den. Dar­auf muss man sich ein­stel­len. Das ist mei­ne wich­tigs­te Bot­schaft: Man darf nicht nur ei­ne Spiel­wei­se ha­ben, son­dern man braucht Plan A, B und C braucht, um zu ge­win­nen.

Sie ha­ben mit No­vak Djo­ko­vic die Num­mer eins der Welt trai­niert und Grand-Slams ge­won­nen. Fra­gen die Ju­gend­li­chen, wie Sie ihn ge­coacht ha­ben?

Ich er­zäh­le, wie heu­te Ten­nis ge­spielt und ge­won­nen wird, weil ich es live er­lebt ha­be. Da hö­ren die Ju­gend­li­chen ganz ge­nau hin.

Spü­ren Sie den Re­spekt oder sa­gen die, was will der al­te Mann mir da er­zäh­len?

Da ist schon sehr viel Re­spekt, aber das muss auch be­wie­sen wer­den.

Wor­auf ach­ten Sie be­son­ders?

Ich bin ein Ver­fech­ter von mün­di­gen Spie­lern. Der Ten­nis­spie­ler ist al­lein auf dem Platz, der Fuß­bal­ler hat sei­ne Mit­spie­ler. Der Ten­nis­spie­ler muss sehr früh sehr schnell er­wach­sen wer­den, um ei­ge­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen. Das för­de­re ich auch im Trai­ning.

Ha­ben Sie im Kopf, wie vie­le Spie­ler Sie in die Welt­spit­ze brin­gen wol­len?

In Zah­len ist das schwer aus­zu­drü­cken. In der Mel­de­lis­te für die Aus­tra­li­an Open 2018 sind acht Deut­sche, das ist po­si­tiv. Je mehr wir in den ers­ten 120 der Welt ha­ben, des­to grö­ßer ist die Wahr­schein­lich­keit, wirk­li­che Welt­klas­se­spie­ler aus­zu­bil­den. Wir ha­ben mit Sa­scha Zverev ei­nen, und wir müs­sen uns vor kei­nem Land ver­ste­cken. Die Be­haup­tung, in Deutsch­land wird kein Welt­klas­se­ten­nis ge­spielt, ist falsch.

Ken­nen Sie Ta­len­te, die es schaf­fen kön­nen?

Wir ha­ben ei­nen 20-Jäh­ri­gen mit Sa­scha Zverev, Der ist die Num­mer vier der Welt und ei­gent­lich noch ein Ju­gend­li­cher. Wir ha­ben Spie­ler, de­ren Na­men ich nicht nen­nen möch­te, die das Zeug ha­ben, um es nach ganz oben zu schaf­fen. Top 10, Top 20, das ist auch welt­spit­ze.

Sie ar­bei­ten als Ex­per­te bei Eu­ro­sport. Feh­len dem deut­schen Ten­nis rich­ti­ge Ty­pen?

Die Ein­schalt­quo­ten sind zu­letzt deut­lich ge­stie­gen, Das liegt dar­an, das man wie­der Deutsch Ten­nis sieht – mit deut­schen Ge­sich­tern, die man kennt. Wenn jetzt noch ein Deut­scher ins Halb­fi­na­le kommt, kön­nen sie si­cher sein, die Ein­schalt­quo­te wird her­vor­ra­gend sein.

FO­TOS (2): HARDT

Da hö­ren Ta­len­te ge­nau zu: Ni­no Eh­ren­schnei­der (16) lebt im Ten­nis-In­ter­nat in Han­no­ver und be­kommt Tipps von Bo­ris Be­cker.

MAN KENNT SICH: Bo­ris Be­cker mit Ni­co­las Kie­fer in Han­no­ver.

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