Mut­maß­li­cher Dir­nen­mör­der be­las­tet sei­nen Be­kann­ten

30-jäh­ri­ger An­ge­klag­ter soll Pro­sti­tu­ier­te im „Lo­vemo­bil“ge­tö­tet und aus­ge­raubt ha­ben

Wolfsburger Allgemeine - - NIEDERSACHSEN - VON CHRIS­TI­NA STICHT

HILDESHEIM. Nach dem Frei­spruch ei­nes zu Un­recht ver­däch­tig­ten Man­nes muss sich ein neu­er An­ge­klag­ter we­gen ei­nes Pro­sti­tu­ier­ten­mor­des bei Pei­ne ver­ant­wor­ten. Zum Pro­zess­auf­takt vor dem Land­ge­richt Hildesheim be­stritt der 30-Jäh­ri­ge, die Frau am 4. No­vem­ber 2016 in ei­nem „Lo­vemo­bil“um­ge­bracht zu ha­ben.

„Da­mit ha­be ich nichts zu tun“, sag­te der bul­li­ge Mann mit den kurz ge­scho­re­nen Haa­ren. Rund an­dert­halb St­un­den be­rich­te­te der 30jäh­ri­ge Deut­sche von sei­ner Kind­heit in Sten­dal (Sach­senAn­halt), spä­te­ren Jobs und Geld­pro­ble­men so­wie vom Tat­abend.

Über­ra­schend er­klär­te der Mann plötz­lich, er sei an dem Abend mit sei­nem Be­kann­ten doch auf dem Park­platz des Wohn­wa­gens an ei­ner Bun­des­stra­ße ge­we­sen. Sein Be­kann­ter und ehe­mals en­ger Freund ha­be mit der Pro­sti­tu­ier­ten noch et­was re­geln wol­len, dann ha­be die Frau ihn an der Wohn­wa­gen­tür be­tatscht und er sie zu­rück­ge­sto­ßen. Da­bei ha­be sie ihn am Arm ge­kratzt.

Tat­säch­lich fan­den die Er­mitt­ler DNS des 30-Jäh­ri­gen un­ter den Fin­ger­nä­geln der ge­tö­te­ten Un­ga­rin, de­ren Bru­der im Pro­zess als Ne­ben­klä­ger auf­tritt. Dem 30-Jäh­ri­gen, der zu­letzt mit sei­ner Freun­din in Salz­git­ter leb­te, wird Mord aus Hab­gier vor­ge­wor­fen. Laut An­kla­ge täusch­te der mut­maß­li­che Mör­der zu­nächst vor, die Di­ens­te der Pro­sti­tu­ier­ten mit dem Künst­ler­na­men „Sis­sy“in An­spruch neh­men zu wol­len.

Wie Staats­an­walt Wolf­gang Scholz sag­te, schlug er der 40Jäh­ri­gen wü­tend mit der Faust ins Ge­sicht, als sie sich wei­ger­te, Geld her­aus­zu­rü­cken. Die sich hef­tig weh­ren­de Frau füg­te ihm dem­nach blu­ten­de Kratz­wun­den zu. Dar­auf­hin ha­be sich der Mann mit dem rech­ten Fuß so lan­ge auf Hals, Schul­ter und Brust der Frau ge­stellt, bis sie er­stick­te. Da­nach soll er die Ta­ges­ein­nah­men von 1000 Eu­ro, ein Han­dy und ei­nen Fern­se­her aus dem „Lo­vemo­bil“ge­stoh­len ha­ben.

Der Be­kann­te des mut­maß­li­chen Mör­ders hat­te nach ei­ge­ner Aus­sa­ge zu­nächst auf dem Park­platz ge­war­tet und dann beim Öff­nen der Wohn­wa­gen­tür den Mann mit dem Fuß auf der Keh­le der Frau ste­hen ge­se­hen. Aus Angst vor dem 30-Jäh­ri­gen ha­be er sich zu­nächst nicht bei der Po­li­zei ge­mel­det. Des­halb wur­de ein 45 Jah­re al­ter an­de­rer Kun­de des Tat­abends ver­haf­tet. Erst in der Haupt­ver­hand­lung ge­gen den In­ge­nieur, der stets sei­ne Un­schuld be­teu­ert hat­te, kam die über­ra­schen­de Wen­de. Der Staats­an­walt ent­schul­dig­te sich für den Jus­ti­zIrr­tum, ein Ent­schä­di­gungs­ver­fah­ren für sei­ne rund sechs­mo­na­ti­ge In­haf­tie­rung läuft.

Der neue An­ge­klag­te ver­such­te am Don­ners­tag, sei­nen Be­kann­ten zu be­las­ten, der das Ver­fah­ren ge­gen ihn ins Rol­len ge­bracht hat­te. Die­ser sei am Tat­abend rund an­dert­halb St­un­den ver­schwun­den und au­ßer­dem ei­fer­süch­tig auf sei­ne neue Be­zie­hung ge­we­sen. Bei­de Män­ner hat­ten in der Ver­gan­gen­heit zu­sam­men­ge­wohnt.

Am kom­men­den Mon­tag sol­len die­ser Haupt­be­las­tungs­zeu­ge so­wie der frei­ge­spro­che­ne Mann als Zeu­gen ge­hört wer­den. Ins­ge­samt hat die Straf­kam­mer zehn Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­setzt. Das Ur­teil könn­te nach die­ser Pla­nung am 17. Ja­nu­ar ge­spro­chen wer­den.

Da­mit ha­be ich nichts zu tun.

Der 30-jäh­ri­ge An­ge­klag­te, der in der Ver­hand­lung zu den Vor­wür­fen der Staats­an­walt­schaft Stel­lung nimmt

FO­TOS: DPA

Bru­ta­le Tat: Der Wohn­wa­gen, in dem in Ho­hen­ha­meln die Pro­sti­tu­ier­te ge­tö­tet wur­de. Der 30-jäh­ri­ge An­ge­klag­te (klei­nes Bild) soll das Op­fer nicht nur er­mor­det, son­dern auch be­raubt ha­ben.

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