Stars flie­hen aus ih­ren Vil­len

Die schwe­ren Wald­brän­de in Süd­ka­li­for­ni­en be­dro­hen nun auch das Rei­chen­vier­tel Bel Air in Los An­ge­les

Wolfsburger Allgemeine - - PANORAMA - VON BAR­BA­RA MUNKER

BEL AIR. Die Hü­gel sind in dich­ten Rauch ge­hüllt, Flam­men frä­sen sich durch die ver­trock­ne­te Land­schaft. Ne­ben dem High­way steht ei­ne ro­te Feu­er­wand. Auf der an­de­ren Sei­te der Au­to­bahn 405 ist die La­ge eben­falls dra­ma­tisch: Hier ste­hen die Lu­xus­vil­len des Rei­chen­vier­tels Bel Air in Los An­ge­les. Dort be­sit­zen Stars wie Jen­ni­fer Anis­ton, Gwy­neth Paltrow, Jen­ni­fer Lopez, Jay-Z und Beyon­cé teu­re Do­mi­zi­le. In dem Ge­biet sind den Be­hör­den zu­fol­ge min­des­tens vier Häu­ser ab­ge­brannt, elf sind be­schä­digt wor­den. Meh­re­re Stra­ßen­zü­ge wur­den ge­räumt. Die Feu­er­wehr hat An­woh­ner alar­miert, not­falls für ei­ne ra­sche Eva­ku­ie­rung be­reit­zu­ste­hen.

Auch der deut­sche Fre­de­ric Prinz von An­halt, der nach dem Tod sei­ner Frau Zsa Zsa Ga­bor vor ei­nem Jahr wei­ter in der Vil­la in Bel Air lebt, sitzt auf ge­pack­ten Kof­fern. „Ich ha­be wich­ti­ge Un­ter­la­gen, zwei Ge­mäl­de mei­ner Frau und ih­re Ur­ne ins Au­to ge­packt“, sag­te der 74-Jäh­ri­ge. Früh­mor­gens ha­be die Feu­er­wehr mit An­ru­fen und über Laut­spre­cher in den Stra­ßen die An­woh­ner aus dem Schlaf ge­ris­sen, er­zählt von An­halt. Sie soll­ten in ih­ren Häu­sern die La­ge ab­war­ten und für den Not­fall pa­cken. Von sei­ner Ter­ras­se aus kön­ne er den Rauch im Wes­ten se­hen. „Ich ste­he pa­rat“, sagt der 74-Jäh­ri­ge.

An­de­re ha­ben das be­droh­te Vier­tel schon ver­las­sen. Sein Mora­ga-Wein­gut in den Hü­geln von Bel Air sei ge­räumt wor­den, teil­te der Me­di­en­mo­gul Ru­pert Mur­doch dem „Hol­ly­wood Re­por­ter“mit. Die Flam­men hät­ten Tei­le des An­we­sens er­fasst, be­rich­te­ten US-Me­di­en. Sän­ger Lio­nel Ri­chie twit­ter­te, er hel­fe sei­ner Fa­mi­lie da­bei, ei­nen „si­che­re­ren Ort“zu fin­den. TV-Star Kim Kar­da­shi­an und Schau­spie­le­rin Eliz­a­beth Banks dank­ten den vie­len Feu­er­wehr­leu­ten für ih­ren Ein­satz.

Die Feu­er­wehr in Los An­ge­les nutzt ei­nen In­dex, der täg­lich das Ri­si­ko für Busch­feu­er be­stimmt. Ist die­ser hö­her als 165, ist die Ge­fahr ex­trem hoch. Ak­tu­ell liegt der In­dex bei fast 300. Es sei der höchs­te je er­mit­tel­te Wert auf der Ge­fah­ren­ska­la, sag­te der Brand­di­rek­tor der L.A.-Feu­er­wehr beim Sen­der CNN.

Erst im Ok­to­ber tob­ten in den Wein­ber­gen um So­no­ma und Na­pa bei San Fran­cis­co im Nor­den Ka­li­for­ni­ens die Flam­men – 44 Men­schen star­ben, zeit­wei­se wa­ren 100 000 An­woh­ner auf der Flucht. Dies­mal trifft es den Sü­den des be­völ­ke­rungs­reichs­ten US-Staa­tes.

Tau­sen­de Feu­er­wehr­leu­te sind an meh­re­ren Stel­len im Ein­satz. Am schnells­ten brei­te­ten sich die Flam­men im Be­zirk Ven­tura Coun­ty über mehr als 260 Qua­drat­ki­lo­me­ter aus, ei­ne Flä­che grö­ßer als Frank­furt am Main. Am Mitt­woch fraß sich die Feu­er­wal­ze bis zur Pa­zi­fik­küs­te durch. Zehn­tau­sen­de wur­den hier eben­falls aus ih­ren Häu­sern ver­trie­ben.

Es sei ein „Wun­der“, dass bis­her kei­ne To­ten aus den Brand­ge­bie­ten ge­mel­det wur­den, sag­te Eric Gar­cet­ti, der Bür­ger­meis­ter von Los An­ge­les. Nach vor­läu­fi­gen Schät­zun­gen brann­ten in der ge­sam­ten Stadt bis­her mehr als 180 Häu­ser ab, doch die­se Zahl könn­te noch stei­gen.

Hef­ti­ge Win­de hat­ten die Flam­men an­ge­facht, rasch ver­brei­tet und er­schwe­ren die Lösch­ar­bei­ten der Feu­er­wehr. Die ge­fürch­te­ten San­ta-AnaWin­de, tro­cke­ne und hei­ße Win­de, we­hen mit ho­her Ge­schwin­dig­keit aus dem In­land Rich­tung Küs­te. Die Ge­fahr ist noch nicht ge­bannt. Nach der Vor­her­sa­ge der Me­teo­ro­lo­gen muss bis min­des­tens Frei­tag mit star­ken Bö­en ge­rech­net wer­den.

Vor al­lem in den Herbst­mo­na­ten im An­schluss an ei­nen tro­cke­nen Som­mer wü­ten in dem Bun­des­staat die Brän­de. Vor zehn Jah­ren zer­stör­ten Flam­men in Süd­ka­li­for­ni­en mehr als 1500 Häu­ser, 1900 Qua­drat­ki­lo­me­ter Land ver­brann­ten – ei­ne Flä­che mehr als dop­pelt so groß wie Ber­lin.

Ka­ta­stro­phen die­ser Art häuf­ten sich, warn­te der ka­li­for­ni­sche Gou­ver­neur Jer­ry Brown be­reits vor zwei Jah­ren nach ei­ner Se­rie schwe­rer Busch­brän­de. Die Feu­er sei­en ein „Weck­ruf“. Brown ver­tritt die Po­si­ti­on zahl­rei­cher For­scher, die den Kli­ma­wan­del mit stei­gen­den Tem­pe­ra­tu­ren für schlim­me­re Dür­ren, hef­ti­ge­re Wald­brän­de und an­de­re Wet­ter­ex­tre­me ver­ant­wort­lich ma­chen. Zur­zeit soll­te ei­gent­lich längst der Win­ter­re­gen be­gon­nen ha­ben. Doch der ist bis­her aus­ge­blie­ben.

Ich ha­be wich­ti­ge Un­ter­la­gen und die Ur­ne mei­ner Frau ins Au­to ge­packt. Fre­de­ric Prinz von An­halt ist auf ei­ne Eva­ku­ie­rung vor­be­rei­tet.

Die Hü­gel von Bel Air sind in dich­ten Rauch ge­hüllt. Zahl­rei­che Pro­mis sind auf ei­ne Eva­ku­ie­rung ge­fasst. FO­TO: AP

FO­TO: IM­A­GO

Min­des­tens 180 Häu­ser sind in Los An­ge­les be­reits ab­ge­brannt, und es könn­ten noch mehr wer­den.

FO­TO: IM­A­GO

Auch das Wein­gut von Me­di­en­mo­gul Ru­pert Mur­doch ist von dem Busch­feu­er be­trof­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.