„Das Ur­teil ge­gen Grö­ning bleibt Ge­nug­tu­ung“

Über­le­ben­de und An­ge­hö­ri­ge be­to­nen die Be­deu­tung des Pro­zes­ses ge­gen „Buch­hal­ter von Au­schwitz“

Wolfsburger Allgemeine - - NIEDERSACHSEN - VON KA­RIN MIE­THER

HAN­NO­VER. Die Mel­dung über den Tod des ver­ur­teil­ten NS-Tä­ters Os­kar Grö­ning hat in­ner­halb kur­zer Zeit ein welt­wei­tes Me­dien­echo aus­ge­löst. „Der Buch­hal­ter von Au­schwitz stirbt vor An­tritt sei­ner Haft­stra­fe“, ti­tel­te et­wa die „New York Ti­mes“.

Über­le­ben­de und An­ge­hö­ri­ge der im Ver­nich­tungs­la­ger Au­schwitz Er­mor­de­ten be­ton­ten die Be­deu­tung des 2015 vom Land­ge­richt Lü­ne­burg ge­fäll­ten Ur­teils ge­gen den 96-Jäh­ri­gen: „Den Ne­ben­klä­gern war stets die Fest­stel­lung der ver­ant­wort­li­chen Schuld am Tod ih­rer Fa­mi­li­en in Au­schwitz wich­tig“, er­klär­te Rechts­an­walt Tho­mas Walt­her im Na­men der von ihm ver­tre­te­nen Ne­ben­klä­ger. „Der vom Bun­des­ge­richts­hof be­stä­tig­te Schuld­spruch des Schwur­ge­richts Lü­ne­burg be­steht über die Gren­zen des Le­bens hin­aus.“

Grö­ning war im Ju­li 2015 vom Land­ge­richt Lü­ne­burg we­gen Bei­hil­fe zum Mord in 300 000 Fäl­len in Au­schwitz zu ei­ner Haft­stra­fe von vier Jah­ren ver­ur­teilt wor­den. Sei­ne Stra­fe muss­te Grö­ning nicht mehr an­tre­ten. Er starb nach An­ga­ben sei­nes Rechts­an­walts Hans Hol­ter­mann be­reits am ver­gan­ge­nen Frei­tag.

Die gro­ße Be­deu­tung des Pro­zes­ses für die An­ge­hö­ri­gen mach­te am Di­ens­tag auch Chris­toph Heub­ner von In­ter­na­tio­na­len Au­schwitz Ko­mi­tee deut­lich. Vor al­lem die Tat­sa­che, „dass das in Lü­ne­burg ge­spro­che­ne Ur­teil vom Bun­des­ge­richts­hof höchst­rich­ter­lich an­er­kannt wur­de, bleibt für sie ei­ne gro­ße Ge­nug­tu­ung“.

Das Si­mon-Wie­sent­halZen­trum be­dau­er­te, dass Grö­ning nicht mehr in Haft kam. Das wä­re sym­bo­lisch wich­tig ge­we­sen, sag­te des­sen Lei­ter Efraim Zuroff.

Das Ver­fah­ren ge­gen Grö­ning schrieb Rechts­ge­schich­te. Jahr­zehn­te­lang hat­te sich die deut­sche Jus­tiz da­ge­gen ge­sperrt, Wach­leu­te und sons­ti­ge Hel­fer al­lein we­gen ih­rer Rol­le als „Räd­chen im Ge­trie­be“der Mord­ma­schi­ne­rie in den Ver­nich­tungs­la­gern der Na­zis we­gen Bei­hil­fe zum Mord zu ver­ur­tei­len.

FO­TO: DPA

„Räd­chen im Ge­trie­be“: Der frü­he­re SS-Mann Os­kar Grö­ning vor dem Lü­ne­bur­ger Land­ge­richt.

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