Wie ver­hin­dert VW die Rück­kehr des mut­maß­li­chen Sala­fis­ten?

Lan­des­ar­beits­ge­richt er­klärt Kün­di­gung für un­wirk­sam – VW hält Sa­mir B. für ge­fähr­lich

Wolfsburger Allgemeine - - WOLFSBURG - VON UL­RICH FRAN­KE

WOLFS­BURG. Die Kün­di­gung ei­nes mut­maß­li­chen Sala­fis­ten ist un­wirk­sam – ge­gen die­ses Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) vom Mon­tag wird Volks­wa­gen al­ler Vor­aus­sicht nach wei­te­re Rechts­mit­tel ein­le­gen. Den­noch hat VW jetzt ein bren­nen­des Pro­blem am Hals: Selbst ei­ne Re­vi­si­on vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt hät­te kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung in Be­zug auf das jüngs­te Ur­teil; Klä­ger Sa­mir B. hat sich das Recht erstrit­ten, auf sei­nen Ar­beits­platz im Wolfs­bur­ger Werk zu­rück­zu­keh­ren.

Volks­wa­gen sei zur Wei­ter­be­schäf­ti­gung des Man­nes ver­pflich­tet, be­stä­tig­te der stell­ver­tre­ten­de Pres­se­spre­cher des LAG, Da­ni­el Dre­her, der WAZ auf Nach­fra­ge: „So­bald der Klä­ger das Ur­teil in den Hän­den hält, ver­fügt er da­mit über ei­nen voll­streck­ba­ren Ti­tel.“Ein Spre­cher von Volks­wa­gen er­klär­te zwar, man wer­de zu­nächst die Ur­teils­be­grün­dung ab­war­ten und dann ent­schei­den, ob Re­vi­si­on beim Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt wird: „Wir sind wei­ter­hin der Auf­fas­sung, dass die Kün­di­gung be­rech­tigt war, so wie auch das Ar­beits­ge­richt Braun­schweig in ers­ter In­stanz ent­schie­den hat­te.“Doch was will Volks­wa­gen in der jet­zi­gen Si­tua­ti­on ganz kon­kret tun? Im­mer­hin hat­te VW-An­walt Dr. Pe­ter Schra­der nach über­ein­stim­men­den Me­dien­be­rich­ten in der Ver­hand­lung er­klärt, von dem Mann ge­he ei­ne la­ten­te Ge­walt­be­reit­schaft aus; man be­fürch­te ei­nen mög­li­chen An­schlag auf ein Kraft­werk oder ei­ne Be­triebs­ver­samm­lung. Und laut Er­mitt­lern soll B. an sei­nem Ar­beits­platz Kol­le­gen mit den Wor­ten be­droht ha­ben: „Ihr wer­det al­le ster­ben.“Der Be­leg­schaft wä­re es kaum zu­zu­mu­ten, dass die­ser Mann das Werks­tor wie­der pas­sie­ren darf. Der Be­triebs­rat fand be­reits ges­tern auf WAZ-An­fra­ge deut­li­che Wor­te. „Wir ha­ben als Be­triebs­rat ei­ne Für­sor­ge­pflicht für al­le Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen“– ob Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz oder an­de­res, Ar­beit­neh­mer­sei­te und Un­ter­neh­men wer­den wohl sämt­li­che recht­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen.

Sa­mir B. war 2014 am Flug­ha­fen Han­no­ver von der Bun­des­po­li­zei aus dem Ver­kehr ge­zo­gen wor­den, als er mit 10.000 Eu­ro und ei­ner Droh­ne im Ge­päck wohl ins sy­ri­sche Kriegs­ge­biet aus­rei­sen woll­te. Laut Er­mitt­lern soll er in der Sala­fis­ten-Sze­ne eng ver­netzt ge­we­sen und an der Re­kru­tie­rung von Kämp­fern in Wolfs­burg be­tei­ligt ge­we­sen sein. VW hat­te den Mann 2016 raus­ge­schmis­sen, nach­dem ihm zu­vor be­reits die Stadt den Rei­se­pass ent­zo­gen hat­te – zu Recht, wie das Ver­wal­tungs­ge­richt ent­schied. Spä­ter be­stä­tig­te auch das Ar­beits­ge­richt Braun­schweig die Kün­di­gung, das LAG kas­sier­te die­ses Ur­teil jetzt aber ein: Der blo­ße Ver­dacht ei­ner Zu­ge­hö­rig­keit zur Ji­had-Be­we­gung rei­che nicht aus. Sa­mir B. lehn­te in der Ver­hand­lung so­gar ei­nen Ver­gleich ab, der ihm 65.000 Eu­ro Ab­fin­dung ein­ge­bracht hät­te – er scheint es drauf an­kom­men las­sen zu wol­len.

Wir sind wei­ter­hin der Auf­fas­sung, dass die Kün­di­gung be­rech­tigt war, wie auch das Ar­beits­ge­richt Braun­schweig in ers­ter In­stanz ent­schie­den hat­te. Ein VW-Spre­cher

FO­TO: DPA

Schlap­pe vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt: Die Kün­di­gung von VW ge­gen ei­nen mut­maß­li­chen Sala­fis­ten ist un­wirk­sam.

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