Ein Pa­ket vol­ler Wi­der­sprü­che

Das Ren­ten­sys­tem der Zu­kunft wird noch viel stär­ker aus Steu­er­mit­teln fi­nan­ziert wer­den müs­sen

Wolfsburger Allgemeine - - TAGESTHEMEN - VON RASMUS BUCHSTEINER

► Mit gro­ßen Wor­ten ist es prä­sen­tiert wor­den, das ers­te Ren­ten­pa­ket der Gro­Ko. Von Ge­ne­ra­tio­nen­ge­rech­tig­keit war die Re­de und vom En­kel, der der Oma ei­ne gu­te Ren­te gönnt, und von der Oma, die nicht will, dass der En­kel ein­mal fi­nan­zi­ell über­for­dert wird. In Wahr­heit ver­schafft sich die Bun­des­re­gie­rung mit die­sen Plä­nen aber vor al­lem ei­nes: ei­nen Zeit­ge­winn. Der Preis da­für ist hoch: 30 Mil­li­ar­den Eu­ro bis 2025.

Die­ses teu­re Pa­ket steckt vol­ler Wi­der­sprü­che. Es ist ge­schnürt wor­den un­ter dem Ein­druck ei­ner dank her­vor­ra­gen­der Ar­beits­markt­la­ge und Zu­wan­de­rung vor al­lem aus dem EU-Aus­land prall ge­füll­ten Ren­ten­kas­se. Die Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te, de­ren Kos­ten sich in den nächs­ten Jah­ren auf deut­lich mehr als 20 Mil­li­ar­den Eu­ro be­lau­fen wer­den, wird zu­nächst ein­mal mit dem Geld der Bei­trags­zah­ler von heu­te ge­zahlt – aus der Ren­ten­rück­la­ge. Die rech­ne­risch ei­gent­lich mög­li­che Ent­las­tung der Bei­trags­zah­ler um 0,3 Pro­zent­punk­te zu Jah­res­be­ginn 2019 wird ge­stri­chen. Meint man es je­doch ernst da­mit, dass Kin­der­er­zie­hung im In­ter­es­se der ge­sam­ten Ge­sell­schaft ist, müss­te die An­er­ken­nung die­ser Leis­tung voll aus Steu­er­mit­teln be­zahlt wer­den.

Das Ren­ten­sys­tem der Zu­kunft wird noch sehr viel stär­ker aus Steu­er­mit­teln fi­nan­ziert wer­den müs­sen. Die Ein­rich­tung des be­reits jetzt oh­ne je­den Zwei­fel not­wen­di­gen De­mo­gra­fie­fonds wird auf­ge­scho­ben. Der Ko­ali­ti­on fehlt hier der Mut zur Tat. Viel­leicht auch des­halb, weil sie den Fluch der ho­hen Zah­len scheut. Der Zu­schuss zur ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung wird be­reits über­nächs­tes Jahr die 100-Mil­li­ar­denEu­ro-Mar­ke über­stei­gen. Ei­ne Sum­me, die auch we­gen der we­nig maß­vol­len Ren­ten­po­li­tik der letz­ten Gro­Ko so hoch aus­fal­len wird.

Bes­ser wä­re es je­den­falls ge­we­sen, die Ko­ali­ti­on hät­te sich auf das be­schränkt, was jetzt wirk­lich not­wen­dig wä­re im Kampf ge­gen Al­ters­ar­mut. Die­je­ni­gen, de­ren Al­ters­be­zü­ge so ge­ring sind, dass sie zu­sätz­lich auf die staat­li­che Grund­si­che­rung an­ge­wie­sen sind, wer­den von der Aus­wei­tung der Müt­ter­ren­te nichts ha­ben, da die­se an­ge­rech­net wird. Und man hät­te dar­über hin­aus mehr tun sol­len für die­je­ni­gen, die aus Ge­sund­heits­grün­den zu Ren­ten­be­zie­hern wer­den. Denn bei ih­nen ist das Ri­si­ko zu ver­ar­men be­son­ders hoch.

Das ge­plan­te Ein­frie­ren des Ren­ten­ni­veaus bei 48 Pro­zent ist vor al­lem psy­cho­lo­gisch wich­tig. Je­nen, die we­gen Krank­heit, lan­ger Ar­beits­lo­sig­keit oder Nied­rig­lohn in Al­ters­ar­mut ge­ra­ten, hilft dies je­doch so gut wie nicht. Das ers­te Ren­ten­pa­ket der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ver­spricht da­her mehr, als es am En­de hal­ten wird. Vor al­lem dann, wenn die Zei­ten ein­mal schwie­ri­ger wer­den – und die Ein­nah­men von Fis­kus und Ren­ten­kas­se hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück­blei­ben.

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