„Ich ha­be mich nie fest­le­gen las­sen“

Wi­gald Bo­n­ing über sei­ne Gar­de­ro­be, ku­rio­se Ein­kaufs­zet­tel und das neue „Ge­ni­al da­ne­ben“-Vor­abend­quiz

Wolfsburger Allgemeine - - MEDIEN - In­ter­view: C. Wystri­chow­ski

Herr Bo­n­ing, zu Ih­ren zahl­rei­chen Hob­bys zählt auch das Sam­meln von Ein­kaufs­zet­teln. Was war Ihr jüngs­ter Fund?

Das ist ein Ver­hal­tens­mus­ter von mir, das mich ein Le­ben lang be­glei­ten wird. Im Su­per­markt su­che ich au­to­ma­tisch, ob ein Zet­tel im Ein­kaufs­wa­gen liegt, und der kommt dann in mei­ne Samm­lung. Mein jüngs­tes Ex­em­plar ist in ei­ner aus­län­di­schen Spra­che, da weiß ich noch nicht mal, was das für Schrift­zei­chen sind. Es ist nicht Chi­ne­sisch. Viel­leicht Ge­or­gisch. Die­ser Zet­tel muss noch ana­ly­siert wer­den.

Sie ge­hö­ren zum Ra­te­team der neu­en Vor­abend-Show „Ge­ni­al da­ne­ben – Das Quiz“. Stimmt es, dass bei den Auf­zeich­nun­gen im­mer ein Strauß Brenn­nes­seln in Ih­rer Gar­de­ro­be steht?

Das stimmt. Ich bin neu­lich zum Stu­dio ge­joggt, ha­be mich et­was ver­irrt und lan­de­te in ei­nem Brenn­nes­sel­feld. Es hat den gan­zen Tag ge­pri­ckelt, und ich fand die Wir­kung sehr an­ge­nehm und be­le­bend. Ich ha­be dann zur Pro­duk­ti­ons­fir­ma eher im Scherz ge­sagt, dass ich ger­ne ei­ne gan­ze Ba­de­wan­ne vol­ler Brenn­nes­seln hät­te, und sie­he da: Am nächs­ten Tag stand ei­ne Va­se da­von da, und jetzt hal­te ich im­mer mei­ne Un­ter­ar­me da­ge­gen.

Sie sind seit vie­len Jah­ren als Aus­dau­er­sport­ler un­ter­wegs, un­ter an­de­rem ha­ben Sie im Früh­jahr bei der Harz­que­rung teil­ge­nom­men, ei­nem 51 Ki­lo­me­ter lan­gen Ge­län­de­lauf. Ist das Ih­re Art, Ab­stand vom stres­si­gen Fern­se­hall­tag zu fin­den?

Ich glau­be, es hat eher da­mit zu tun, dass ich ei­nen nied­ri­gen Blut­druck ha­be und der durch kör­per­li­che Ak­ti­vi­tät ein biss­chen an­ge­ho­ben wird. Es ist auch ei­ne Sa­che der Prä­gung, ich ha­be schon als Kind al­lei­ne lan­ge Fahr­ten mit dem Rad ge­macht und mit mei­nem Pa­pa Wan­de­run­gen un­ter­nom­men. Da­von ab­ge­se­hen fin­de ich den Fern­se­hall­tag gar nicht so an­stren­gend.

Wür­den Sie sich als Bes­ser­wis­ser be­zeich­nen?

Nein. Ich freue mich na­tür­lich, wenn ich et­was weiß, aber es ist nicht mei­ne Art, Leu­te zu be­leh­ren. Ich ken­ne mich auch nir­gends be­son­ders gut aus. Ich le­se hin und wie­der, auch die Ta­ges­zei­tung, da bleibt auch mal was hän­gen. Aber wenn ich als ex­trem ge­bil­de­ter Mensch für un­ser Zeit­al­ter ste­hen soll­te, dann gu­te Nacht.

Aber be­stimmt gibt es Fach­ge­bie­te, die Ih­nen mehr lie­gen als an­de­re …

Am schlech­tes­ten ken­ne ich mich bei Na­tur­wis­sen­schaf­ten aus, am al­ler­we­nigs­ten bei ma­the­ma­ti­schen Zu­sam­men­hän­gen. Aber bei Geis­tes­wis­sen­schaf­ten, Ge­schich­te und Po­li­tik weiß ich un­ge­fähr, wor­um es geht.

Ma­chen Sen­dun­gen wie „Ge­ni­al da­ne­ben“schlau?

Ob sie schlau­er ma­chen, weiß ich nicht, ich per­sön­lich ha­be je­den­falls schon ei­ni­ges ge­lernt. Der Schrift­stel­ler Ernst Jün­ger hat­te ei­ne schö­ne Be­zeich­nung für Wis­sens­zu­wäch­se, von de­nen man zu­nächst nicht weiß, wo­für sie gut sein könn­ten – er nann­te das Hu­mus. Din­ge, die man so auf­schnappt und die ir­gend­wie das Welt­bild be­rei­chern, oh­ne dass man gleich sa­gen könn­te, wie ge­nau.

Sie wa­ren ei­nes der Ge­sich­ter des Come­dy­booms in den 90erJah­ren, Ih­re Fern­seh­kar­rie­re be­gann mit der Show „RTL Sams­tag Nacht“. Wer­den Sie noch oft auf die­se Zeit an­ge­spro­chen?

Ja, ich wer­de oft dar­auf an­ge­spro­chen. Wir ha­ben da­mit of­fen­bar ei­ne Ge­ne­ra­ti­on ge­prägt, und ich be­geg­ne oft Leu­ten, die mir zum Bei­spiel un­ge­fragt „Die Doo­fen“-Tex­te aus­wen­dig vor­sin­gen. Ich freue mich dann und stel­le fest, dass ich sel­ber die Tex­te weit­ge­hend ver­ges­sen ha­be.

Aber ste­cken Sie da­durch nicht auch in ei­ner Schub­la­de fest? Auf Ih­rer Face­book-Sei­te, wo Sie sich bis­wei­len auch po­li­tisch äu­ßern, schrieb neu­lich je­mand, er wol­le sich nicht von ei­nem frü­he­ren Mit­glied der Band „Die Doo­fen“be­leh­ren las­sen …

Ich fand das lus­tig. Wenn das die Ar­gu­men­ta­ti­ons­stra­te­gie von je­man­den ist, der an­de­rer Mei­nung ist, kommt er da­mit nicht weit. Und es ist doch ein Lu­xus­pro­blem, wenn man in ei­ner Schub­la­de steckt, ich ha­be dar­un­ter nie ge­lit­ten und muss oft schmun­zeln, wenn Schau­spie­ler es be­kla­gen, dass sie auf ei­nen be­stimm­ten Rol­len­ty­pus fest­ge­legt sind.

Ihr Mar­ken­zei­chen wa­ren frü­her die schrä­gen Kla­mot­ten …

Zu „Sams­tag Nacht“-Zei­ten hat­te ich zu je­der Sen­dung ei­nen ab­ge­fah­re­nen neu­en An­zug, der aber zu­meist aus we­nig tra­ge­kom­for­ta­blen Ma­te­ria­len wie Plas­tik­tü­ten oder Kun­st­ra­sen be­stand. So was wür­de ich heu­te schon aus Be­quem­lich­keit nicht mehr an­zie­hen.

Wie be­wer­ten Sie die Ent­wick­lung des Fern­se­hens seit den An­fän­gen Ih­rer Kar­rie­re?

Ich glau­be, dass es viel Se­hens­wer­tes gibt, das aber meis­tens auf 3sat und Ar­te läuft, wo man es nicht im­mer so re­gis­triert. Als ich vor ein paar Jah­ren Ju­ror beim Deut­schen Fern­seh­preis war und mir ei­ne gan­ze Tü­te vol­ler DVDs an­schau­en durf­te, ha­be ich erst rich­tig ge­merkt, wie vie­le in­ter­es­san­te TV-Sen­dun­gen es gibt. Ehr­lich ge­sagt ist das gan­ze Se­ri­en­zeit­al­ter zu 100 Pro­zent an mir vor­bei­ge­rauscht, bei Net­flix und Co. ha­be ich den An­schluss schon ver­lo­ren. So wie mein Va­ter zur Of­f­lineGe­ne­ra­ti­on ge­hört, kann ich bei Se­ri­en nicht mit­re­den.

Sie ha­ben Bes­se­res zu tun, als zum Bin­ge-Watching vor dem Fern­se­her zu sit­zen?

Ich stel­le mir im­mer vor, wie das der­einst ist, wenn ich auf dem Ster­be­bett lie­ge. Wer­de ich dann sa­gen: „Ach, hät­te ich mir doch mehr Se­ri­en an­ge­guckt?“Das glau­be ich nicht. Ich wer­de eher den­ken: „Hät­te ich doch mehr wei­te Fahr­rad­tou­ren un­ter­nom­men.“

FO­TO: SAT.1

Krea­tiv und wort­ge­wandt: Wi­gald Bo­n­ing löst vol­ler Elan skur­ri­le, bun­te oder wis­sens­wer­te Fra­gen der Zu­schau­er.

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