Stei­gen­de Ener­gie­prei­se hei­zen die Teuerung an

Öl und Ge­mü­se trei­ben die In­fla­ti­on hoch – aber die Gut­ha­ben­zin­sen blei­ben im Kel­ler

Wolfsburger Allgemeine - - WIRTSCHAFT - VON FRANK-THO­MAS WEN­ZEL

FRANK­FURT. Beim Ein­kauf im Su­per­markt und beim Fül­len von Au­to- oder Heiz­öl­tank ist es kaum zu über­se­hen: Das Le­ben wird teu­rer. Nach Be­rech­nun­gen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts la­gen die Ver­brau­cher­prei­se im Sep­tem­ber um 2,3 Pro­zent über dem Vor­jahr.

Das ist der stärks­te An­stieg seit sie­ben Jah­ren und über­steigt deut­lich die 2 Pro­zent, die von der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) an­ge­strebt wer­den. Die EZB zö­gert trotz­dem, ih­re Geld­po­li­tik zu än­dern. Denn es sind nicht zu­letzt Sai­son­ef­fek­te, die die Prei­se trei­ben.

So be­kom­men die Ver­brau­cher die Fol­gen der Som­mer­hit­ze zu spü­ren. Die ma­ge­ren Ern­ten ha­ben die Prei­se für Ge­mü­se quer durch den Garten in die Hö­he ge­trie­ben. Be­son­ders hef­tig schlug es bei Kar­tof­feln durch, die im Sep­tem­ber im Schnitt fast 15 Pro­zent mehr kos­te­ten als ein Jahr zu­vor.

Zwei­ter Preis­trei­ber war das Roh­öl, des­sen Ver­teu­e­rea­lis­ti­sche­rer rung bei vie­len Pro­duk­ten durch­schlägt. Zu­nächst hat­te die Or­ga­ni­sa­ti­on erd­öl­ex­por­tie­ren­der Län­der durch ge­brems­te För­de­rung den Preis hoch­ge­trie­ben. In­zwi­schen ver­knap­pen auch die Kri­se in Ve­ne­zue­la und die US-Sank­tio­nen ge­gen den Iran das An­ge­bot. Ben­zin war im Sep­tem­ber im Schnitt 13 Pro­zent teu­rer als ein Jahr zu­vor, Heiz­öl mach­te so­gar ei­nen Sprung um 36 Pro­zent.

Die In­fla­ti­ons­ra­te wä­re noch hö­her aus­ge­fal­len, wenn der Preis­auf­trieb et­wa bei Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik und ver­schie­de­nen Di­enst­leis­tun­gen im Bun­des­durch­schnitt nicht nach­ge­las­sen hät­te. So gibt es die Ki­ta-Be­treu­ung in meh­re­ren Bun­des­län­dern nun zum Null­ta­rif.

Ei­ne nach­hal­tig star­ke In­fla­ti­on sa­gen Volks­wir­te der­zeit trotz­dem nicht vor­aus. Bei Ge­mü­se und Mi­ne­ral­öl­pro­duk­ten schwan­ken die Prei­se ge­ne­rell stark und sind re­la­tiv un­ab­hän­gig von der hie­si­gen Kon­junk­tur­la­ge. Ein Blick er­gibt sich, wenn Nah­rungs­mit­tel und Ener­gie her­aus­ge­rech­net wer­den, um ei­ne so­ge­nann­te Kern­in­fla­ti­on zu kal­ku­lie­ren. Die lag im Sep­tem­ber nur bei 1,5 Pro­zent. Noch kras­ser sieht es in der Eu­ro­Zo­ne aus, wo die Kern­in­fla­ti­on leicht auf 0,9 Pro­zent ge­sun­ken ist.

Auf die­se Wer­te ach­tet die EZB bei ih­rer Geld­po­li­tik, denn sie ge­ben bes­ser Aus­kunft über die Kon­junk­tur­la­ge. Bei Ge­mü­se und Öl sorgt knap­pes An­ge­bot für die Teuerung, die No­ten­ban­ker in­ter­es­siert aber vor al­lem die Stär­ke der Nach­fra­ge.

Die wächst in Deutsch­land aber re­la­tiv be­schei­den – un­ter an­de­rem, weil die Löh­ne lan­ge Zeit nur lang­sam ge­stie­gen sind. Auch die deut­li­chen Ta­rif­er­hö­hun­gen der ver­gan­ge­nen Jah­re er­rei­chen nur ei­nen Teil der Be­schäf­tig­ten. So er­war­ten vie­le Volks­wir­te ei­nen bal­di­gen Rück­gang der Teuerung, wenn das An­ge­bot bei fri­schen Le­bens­mit­teln wie­der wächst. Beim Öl­preis ge­hen die Pro­gno­sen al­ler­dings aus­ein­an­der.

FO­TO: ZINKEN/DPA

Der Win­ter wird teu­er: Um ein Drit­tel sind die Heiz­öl­prei­se ge­stie­gen.

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