Auf dem Weg in die For­mel 1

Mick Schu­ma­cher hat ei­nen sehr pro­mi­nen­ten Va­ter – und jetzt ge­winnt er auch noch

Wolfsburger Allgemeine - - SPORT - VON KA­RIN STURM

HOCKENHEIM. Wür­de man den Maß­stab an­le­gen, der spä­tes­tens mit Max Ver­stap­pen in der For­mel 1 Ein­zug hielt, der mit 17 Jah­ren sei­nen ers­ten Grand Prix fuhr, dann wür­den vie­le Mick Schu­ma­cher wahr­schein­lich als ei­nen Spät­zün­der be­zeich­nen. Schließ­lich ist er „schon 19“und fährt „noch“um den For­mel-3Eu­ro­pa­meis­ter­ti­tel. Se­bas­ti­an Vet­tel, der selbst mit 20 in die For­mel 1 kam, hält von sol­chen Ein­schät­zun­gen gar nichts: „Ich ha­be sei­nen Weg ver­folgt, ich ken­ne ihn ja auch schon län­ger. Ich fin­de es toll, dass es bei ihm jetzt so gut läuft. Es ist nicht ent­schei­dend, wann je­mand zün­det, ob das viel­leicht mal ein biss­chen län­ger dau­ert, wich­tig ist, dass er über­haupt zün­det.“

Ge­zün­det hat es so rich­tig für den Sohn des sie­ben­ma­li­gen For­mel-1-Cham­pi­ons Micha­el Schu­ma­cher En­de Ju­li in Spa, auf der Stre­cke, die sein Re­kord­welt­meis­ter-Va­ter im­mer als „sein Wohn­zim­mer“be­zeich­ne­te. Ers­te Po­le Po­si­ti­on, ers­ter Sieg – seit­dem folg­ten sie­ben wei­te­re. An die­sem Wo­che­n­en­de in Hockenheim, wo die For­mel 3 im Rah­men­pro­gramm der DTM star­tet, kann sich Mick Schu­ma­cher den EM-Ti­tel ho­len, mit 49 Punk­ten Vor­sprung geht er in das aus drei Ren­nen be­ste­hen­de Fi­na­le, in dem noch ein­mal 75 Zäh­ler zu ver­ge­ben sind.

Weil die Leis­tungs­ex­plo­si­on so plötz­lich kam, tauch­ten prompt bö­se Ge­rüch­te auf, dass da doch et­was nicht mit rech­ten Din­gen zu­ge­hen kön­ne. Vor al­lem Schu­ma­chers Haupt­geg­ner, der Red-Bul­lJu­ni­or Dan Tick­tum, streu­te zwei­deu­ti­ge Be­mer­kun­gen. Oh­ne al­ler­dings auch nur in ir­gend­ei­nem Punkt kon­kret zu wer­den, kün­dig­te er an, „nach Sai­son­en­de aus­zu­pa­cken“. Und kas­sier­te prompt ei­nen hef­ti­gen Rüf­fel aus dem ei­ge­nen La­ger: „Er re­det oft, be­vor er denkt“, schimpf­te Re­dBull-Te­am­chef Chris­ti­an Hor­ner – und at­tes­tier­te gleich­zei­tig Mick Schu­ma­cher „tol­le Ar­beit.“Mick selbst meint: „Je­der ent­wi­ckelt sich wäh­rend des Jah­res. Wir hö­ren nie auf zu ar­bei­ten und zu ler­nen. Nach mei­nem Sieg in Spa war es nicht ein­fach, aber wir ha­ben es ge- schafft, kon­stant zu sein, vor al­lem im Qua­li­fy­ing, mit gu­ten Run­den­zei­ten.“

Auch To­ro-Ros­so-Te­am­chef Franz Tost, in der For­mel 1 be­kannt für sein gu­tes Händ­chen bei der Su­che nach Nach­wuchs­pi­lo­ten, kann das Ge­re­de nicht ver­ste­hen: „Ich hat­te von An­fang an er­war­tet, dass Mick in die­sem Jahr um den Ti­tel mit­fährt. Gut, an­fangs hat er sich schwer­ge­tan, aber man hat auch da schon die Fort­schrit­te ge­se­hen, wenn man ge­nau­er hin­ge­schaut hat.“Dass Schu­ma­cher in dem Mo­ment, in dem er durch die ers­ten

Sie­ge zum Ti­tel­kan­di­da­ten avan- cier­te, spe­zi­el­le Un­ter­stüt­zung be­kom­me, sei nicht ver­wun­der­lich: Die For­mel 3 ist seit Jah­ren auf Mo­to­re­nebe­ne ein Du­ell zwi­schen Mer­ce­des und VW. „ Klar, dass sich Mer­ce­des im End­kampf auf sei­ne Speer­spit­ze kon­zen­triert, wenn der Geg­ner VW heißt, das ist doch nichts Neu­es“, er­klärt Tost.

Wie es wei­ter­ge­hen soll? „Er soll erst ein­mal For­mel 2 fah­ren, auch um die Stre­cken ken­nen­zu­ler­nen, auf de­nen er dann spä­ter in der For­mel 1 un­ter­wegs sein wird.“Dass Schu­ma­cher es da­hin schaf­fen wird, dar­an hat Tost kei­nen Zwei­fel: „Es be­steht über­haupt kein Grund, ir­gend­et­was zu über­stür­zen. Ich se­he es doch bei uns an Pier­re Gas­ly: Der ist zwei Jah­re GP2 ge­fah­ren, dann ein Jahr in Ja­pan – und jetzt ist er reif, auch in der For­mel 1 Top­leis­tun­gen zu brin­gen.“

„Nichts über­stür­zen, ei­nen Schritt nach dem an­de­ren“, so sieht das Mick Schu­ma­cher selbst, so se­hen es sei­ne Mut­ter Co­rin­na und Sa­bi­ne Kehm, die sich um sein Ma­nage­ment küm­mert wie frü­her um das sei­nes 2013 bei ei­nem Ski­un­fall ver­un­glück­ten Va­ters. Dass er in die For­mel 1 will, „um dort ge­gen die Bes­ten zu kämp­fen“, dar­an ließ er in ei­nem BBC-In­ter­view kei­nen Zwei­fel. Ge­nau­so we­nig wie dar­an, dass sein Va­ter im­mer noch sein Idol sei, dass er vie­le sei­ner Ren­nen stu­diert ha­be, „und dass er al­lein schon des­halb im­mer noch ei­nen gro­ßen Ein­fluss dar­auf hat, wie ich heu­te fah­re“.

2019 wird Schu­ma­cher junior wohl in der For­mel 2 star­ten. Das Pre­ma-Team, mit dem er in der For­mel 3 un­ter­wegs ist, ist dort ver­tre­ten. Es wä­re der lo­gi­sche Schritt – al­ler­dings gibt es auch noch er­folg­rei­che­re Teams in die­ser Se­rie, die im Rah­men­pro­gramm der For­mel 1 un­ter­wegs ist. ART zum Bei­spiel, das ei­ne Ver­bin­dung zu Mer­ce­des hat. Mer­ce­des-Sport­chef To­to Wolff meint, er wer­de sich in Hockenheim mit Mick Schu­ma­cher un­ter­hal­ten. Bis jetzt ge­hört der kei­nem der gro­ßen Nach­wuchs­pro­gram­me an. Auch wenn Ferrari-Te­am­chef Mau­ri­zio Ar­riv­a­be­ne mein­te, na­tür­lich stün­den ihm „bei sei­nem Nach­na­men al­le Tü­ren bei Ferrari of­fen“. Wo­bei es viel­leicht kein schlech­ter Schritt wä­re, sich ei­ne ge­wis­se „Un­ab­hän­gig­keit“und da­mit of­fe­ne Tü­ren zu er­hal­ten. Dar­an, dass Mick es durch sei­nen Na­men ein­fa­cher ha­be als an­de­re, zwei­felt Se­bas­ti­an Vet­tel. Im Ge­gen­teil, meint er, „er hat es si­cher­lich be­son­ders schwer, weil er stän­dig un­ter ex­tre­mer Be­ob­ach­tung steht. Ich den­ke, mit­tel­fris­tig wird er ei­ne Chan­ce in der For­mel 1 be­kom­men, wie dann die Ent­wick­lung wei­ter­geht, muss man ab­war­ten.“

FO­TO: THO­MAS SUER/IM­A­GO

„Wir hö­ren nie auf zu ar­bei­ten und zu ler­nen“: Mick Schu­ma­cher fährt als ers­ter Fah­rer über die Zi­el­li­nie.

FO­TO: JA­MES GAS­PE­ROT­TI/DPA

Dau­men hoch: Die Ähn­lich­keit Mick Schu­ma­chers mit sei­nem Va­ter Micha­el ist nicht von der Hand zu wei­sen

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