Über­wa­chung über­prü­fen

PRIVATSPHÄRE Da­ten­schutz­kom­mis­si­on stellt Be­richt vor

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Yves Greis

In Sa­chen Da­ten­schutz soll in Zu­kunft mehr kon­trol­liert wer­den. Da­für ent­fal­len Ge­neh­mi­gungs­pro­ze­du­ren. Ein Pa­ra­dig­men­wech­sel auch für die Da­ten­schutz­kom­mis­si­on.

Die na­tio­na­le Da­ten­schutz­kom­mis­si­on (CNPD) über­prüft, ob die Re­geln in punc­to Über­wa­chung ein­ge­hal­ten wer­den.

2016 sind bei der Lu­xem­bur­ger Da­ten­schutz­kom­mis­si­on 185 Be­schwer­den ein­ge­gan­gen. Das geht aus ih­rem ak­tu­el­len Jah­res­be­richt her­vor.

Die meis­ten die­ser Be­schwer­den ka­men Aus­sa­gen der CNPD zu­fol­ge aus dem Aus­land. Grund da­für sei, dass sich vie­le mul­ti­na­tio­na­le Un­ter­neh­men mit ih­rem eu­ro­päi­schen Haupt­sitz in Lu­xem­burg nie­der­lie­ßen. Die­ser Trend könn­te zu­neh­men, schrieb die Kom­mis­si­on in ih­rem Tä­tig­keits­be­richt. Die EU-Re­geln wür­den es eu­ro­päi­schen Bür­gern in Zu­kunft ver­ein­fa­chen, grenz­über­schrei­ten­de Be­schwer­den ein­zu­rei­chen. Die Bür­ger könn­ten sich nun di­rekt an ih­re na­tio­na­le Be­hör­de wen­den, die die Be­schwer­de dann nach Lu­xem­burg wei­ter­lei­tet.

77 der ein­ge­gan­ge­nen Be­schwer­den hät­ten zu Kon­trol­len und Un­ter­su­chun­gen we­gen des Ver­dachts auf Ver­let­zung der ge­setz­li­chen Da­ten­schutz­be­stim­mun­gen ge­führt.

Oh­ne Ge­neh­mi­gung

Die­se Un­ter­su­chun­gen hät­ten un­ter an­de­rem Un­ter­neh­men be­trof­fen, die ih­re Mit­ar­bei­ter il­le­gal über­wach­ten, Zu­gang, Be­rich­ti­gung oder Lö­schung von per­sön­li­chen Da­ten nicht re­spek­tier­ten oder so­gar il­le­gal per­sön­li­che Da­ten an Drit­te über­mit­tel­ten, so die Kom­mis­si­on.

Wich­tigs­tes Er­eig­nis für die Da­ten­schutz­kom­mis­si­on im ver­gan­ge­nen Jahr war das In­kraft­tre­ten der neu­en EU-Da­ten­schut­zGr­und­ver­ord­nung. Dem­zu­fol­ge müs­sen „pri­va­te und öf­fent­li­che Ak­teu­re ge­eig­ne­te Maß­nah­men er­grei­fen, um je­der­zeit nach­wei­sen zu kön­nen, dass ih­re Ver­ar­bei­tun­gen per­so­nen­be­zo­ge­ner Da­ten in Über­ein­stim­mung mit den Da­ten­schutz­re­geln durch­ge­führt wer­den“.

Die CNPD schrieb: „Vor­he­ri­ge For­ma­li­tä­ten an die CNPD wer­den durch den Grund­satz der Re­chen­schafts­pflicht („Ac­coun­ta­bi­li­ty“) er­setzt. Das ak­tu­el­le Sys­tem der Vor­ab­mel­dun­gen und Vor­ab­ge­neh­mi­gun­gen wird fast voll­stän­dig durch nach­träg­li­che Kon­trol­len er­setzt. Die­se Kon­trol­len wer­den von der Da­ten­schutz­kom­mis­si­on durch­ge­führt, de­ren Rol­le als Auf­sichts­be­hör­de ge­stärkt wird.“

Auf na­tio­na­ler Ebe­ne wur­de im Ju­li ein Ge­setz ver­ab­schie­det, das es Ar­beit­ge­bern er­laubt, die Mit­ar­bei­ter zu über­wa­chen, oh­ne vor­her ei­ne Ge­neh­mi­gung der CNPD ein­zu­ho­len. Die Da­ten­schutz­kom­mis­si­on be­grüß­te die­sen Schritt und ver­wies dar­auf, dass sie da­durch ent­las­tet wer­de und ver­stärkt Kon­trol­len in den Un­ter­neh­men durch­füh­ren kön­ne, um zu prü­fen, ob die an die­se Über­wa­chung ge­knüpf­ten Be­stim­mun­gen trotz­dem ein­ge­hal­ten wer­den.

Ge­gen das Ge­setz spra­chen sich im Vor­feld „déi Lénk“und die Ge­werk­schaft OGBL aus. Sie be­fürch­ten ei­ne miss­bräuch­li­che Über­wa­chung der Ar­beit­neh­mer. Die na­tio­na­le Da­ten­schutz­kom­mis­si­on wur­de durch das Ge­setz vom 2. Au­gust 2002 über die Ver­ar­bei­tung per­sön­li­cher Da­ten ins Le­ben ge­ru­fen.

Die Kom­mis­si­on ist da­mit be­auf­tragt, die Ein­hal­tung der Ge­set­ze zu über­wa­chen, ins­be­son­de­re sol­cher, die die Privatsphäre der Men­schen und ih­re per­sön­li­chen Da­ten be­tref­fen.

Ti­ne A. Lar­sen ist Prä­si­den­tin der Da­ten­schutz­kom­mis­si­on

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