Der Kö­nig der Angst

POR­TRÄT Best­sel­ler-Au­tor Ste­phen King wird 70

Tageblatt (Luxembourg) - - Horror -

„Fried­hof der Ku­schel­tie­re“, „Shi­ning“oder „Es“: Ste­phen King ist der Meis­ter des Grau­ens. Mit Dut­zen­den Best­sel­lern und Block­bus­ter-Ver­fil­mun­gen lehr­te er Fans rund um die Welt das Fürch­ten. Jetzt wird King 70 – und das Gru­seln geht wei­ter.

Sie­ben Ver­fil­mun­gen zum 70. Ge­burts­tag: Rund um sei­nen Eh­ren­tag am kom­men­den Don­ners­tag (21. Sep­tem­ber) steht Ste­phen King mit­ten im Schein­wer­fer­licht. Ge­ra­de erst hat die Ver­fil­mung sei­nes Best­sel­lers „Es“an den nord­ame­ri­ka­ni­schen Ki­no­kas­sen den bis­lang er­folg­reichs­ten Start ei­nes Hor­ror­films hin­ge­legt.

Sechs wei­te­re Fil­me und Se­ri­en auf Ba­sis von Kings Bü­chern sind ge­ra­de an­ge­lau­fen oder ste­hen dem­nächst an. Da­zu hat King noch ein neu­es Buch, erst­mals mit sei­nem Sohn Owen, der auch Schrift­stel­ler ge­wor­den ist. „Sleeping Be­au­ties“soll En­de Sep­tem­ber er­schei­nen, die ge­plan­te Va­ter-Sohn-Le­se­tour ist so gut wie aus­ver­kauft.

Aber King bleibt be­schei­den, wie es sei­ne Art ist. „Es fühlt sich schon ir­gend­wie an, als wä­re das ge­ra­de ein be­son­de­rer Mo­ment für mich, aber nicht et­was, wo mir jetzt die Brust schwel­len wür­de“, sag­te der Au­tor jüngst in ei­nem sei­ner sel­te­nen In­ter­views der Va­ni­ty Fair.

„So läuft das halt. Man streut die Sa­men aus und manch­mal ern­tet man al­les gleich­zei­tig und das ist wun­der­bar. Es ist mein Glücks­jahr, was soll ich sa­gen.“Sei­nen Ge­burts­tag wer­de King wohl trotz­dem klein und be­schei­den zu Hau­se im US-Bun­des­staat Mai­ne mit sei­ner Fa­mi­lie fei­ern, sag­te sei­ne Spre­che­rin der Deut­schen Pres­seA­gen­tur.

King pro­du­ziert wie be­ses­sen, min­des­tens 2.000 Wör­ter pro Tag, ob­wohl er fi­nan­zi­ell längst aus­ge­sorgt hat. Dut­zen­de Best­sel­ler-Ro­ma­ne, über­setzt in mehr als 50 Spra­chen, Dut­zen­de dar­auf ba­sie­ren­de Block­bus­ter-Fil­me, mehr als 400 Mil­lio­nen ver­kauf­te Bü­cher. Oben­drauf be­treibt er ge­mein­sam mit sei­ner Frau Ta­b­i­tha ei­ne ei­ge­ne Ra­dio­sta­ti­on und ei­nen Ver­lag. Mit Bü­chern wie „Fried­hof der Ku­schel­tie­re“, „Shi­ning“, oder „Es“– und ih­ren je­wei­li­gen Ver­fil­mun­gen – lehr­te King Mil­lio­nen Men­schen auf der gan­zen Welt das Fürch­ten und wur­de zu ei­nem der be­kann­tes­ten und er­folg­reichs­ten Schrift­stel­ler sei­ner Ge­ne­ra­ti­on.

Trotz­dem rümp­fen vie­le Li­te­ra­turK­ri­ti­ker bis heu­te die Na­se über sein Werk. Als er 2003 den „Na­tio­nal Book Award“er­hielt, ei­ne der höchs­ten Eh­ren für US-Li­te­ra­ten, woll­te der Pro­test nicht ver­stum­men. „Dass sie glau­ben konn­ten, in sei­nen Wer­ken

ste­cke auch nur ein biss­chen li­te­ra­ri­scher Wert, äs­the­ti­sche Er­run­gen­schaft oder er­fin­de­ri­sche In­tel­li­genz, be­zeugt ein­fach ih­re ei­ge­ne Dumm­heit“, er­bos­te sich et­wa Ya­lePro­fes­sor Ha­rold Bloom. King selbst be­ur­teilt sein Werk prag­ma­tisch. „Mei­ne Bü­cher sind das li­te­ra­ri­sche Äqui­va­lent ei­nes Big Mac mit ei­ner gro­ßen Por­ti­on Pom­mes.“

Der Au­tor wuchs in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen auf. Sein Va­ter ver­ließ die Fa­mi­lie, als King ge­ra­de zwei Jah­re war, die Mut­ter ar­bei­te­te hart. Als ei­ne Krank­heit den Jun­gen ein gan­zes Jahr lang ans Bett fes­sel­te, fing er an zu schrei­ben. „Mei­ne Mut­ter lieb­te die Ge­schich­ten. Das war mein An­trieb. Je­mand wie ich will an­de­ren ge­fal­len.“

King stu­dier­te, um Eng­lisch zu un­ter­rich­ten, fand aber an­fangs nur ei­nen Job in ei­ner Groß­wä­sche­rei. Zum Durch­bruch ver­half ihm sei­ne Frau, die das Ma­nu­skript für den ers­ten Ro­man aus dem Müll fisch­te und King er­mun­ter­te, „Car­rie“zu En­de zu schrei­ben. Ta­b­i­tha, ge­nannt „Tab­bie“, ret­te­te King spä­ter auch aus der Ab­hän­gig­keit von Al­ko­hol und Ko­ka­in. Die Söh­ne des Paa­res, Owen und Joe, sind eben­falls Schrift­stel­ler ge­wor­den, Owens Ehe­frau ist auch Au­to­rin, Toch­ter Nao­mi Pas­to­rin.

Die Kings sind ei­ne Viel­schrei­ber-Fa­mi­lie und Va­ter Ste­phen hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren da­für noch ei­nen zu­sätz­li­chen Ka­nal ge­sucht: Twit­ter. Fast täg­lich ver­öf­fent­licht er auf dem Kurz­nach­rich­ten­dienst klei­ne Bot­schaf­ten, kom­men­tiert das Welt­ge­sche­hen, kri­ti­siert US-Prä­si­dent Do­nald Trump oder gibt Tipps zu sei­nen Ver­öf­fent­li­chun­gen. En­de des Mo­nats wer­de die Ver­fil­mung sei­nes Ro­mans „Das Spiel“als Film beim Strea­m­ing­dienst Net­flix zu se­hen sein, kün­dig­te King vor Kur­zem an. „Schaut es euch nicht al­lei­ne an. Ich mei­ne es ernst.“

(dpa)

Man streut die Sa­men aus und manch­mal ern­tet man al­les gleich­zei­tig und das ist wun­der­bar. Es ist mein Glücks­jahr, was soll ich sa­gen.

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