Gly­pho­sat-Be­richt teil­wei­se aus Monsan­to-Pa­pier ko­piert

UM­WELT Eu­ro­päi­sche Agen­tur für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit un­ter Be­schuss

Tageblatt (Luxembourg) - - Eu-Institutionen -

Im Streit um das Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­tel Gly­pho­sat hat die Eu­ro­päi­sche Agen­tur für Le­bens­mit­tel­si­cher­heit (EFSA) ei­nem Zei­tungs­be­richt zu­fol­ge teil­wei­se die Ar­gu­men­ta­ti­on des Her­stel­lers Monsan­to über­nom­men.

Es ge­he um rund hun­dert Sei­ten des 4.300 Sei­ten um­fas­sen­den Schluss­be­richts der EFSA aus dem Jahr 2015, und zwar um die „um­strit­tens­ten Ka­pi­tel“, be­rich­te­ten die ita­lie­ni­sche Zei­tung La Stam­pa und der bri­ti­sche Guar­di­an. Die EFSA wies den Vor­wurf ent­schie­den zu­rück.

„Die Ka­pi­tel im EFSA-Be­richt über die bis­lang ver­öf­fent­lich­ten Stu­di­en zur Wir­kung von Gly­pho­sat auf die mensch­li­che Ge­sund­heit sind qua­si Wort für Wort von ei­nem Monsan­to-Be­richt aus dem Jah­re 2012 über­nom­men“, schrieb La Stam­pa ges­tern.

Da­mals hat­te der US-Che­mie­kon­zern – der vor der Über­nah­me durch Bay­er steht – im Na­men des Kon­sor­ti­ums „Gly­pho­sa­te Task Force“den Be­richt ein­ge­reicht. Der Grup­pe ge­hö­ren mehr als 20 Un­ter­neh­men an, die Gly­pho­sat-Pro­duk­te in Eu­ro­pa ver­kau­fen.

Die EFSA ha­be aber ver­si­chert, dass ihr Be­richt auf der ob­jek­ti­ven Zu­sam­men­stel­lung al­ler wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­en über die Wir­kung von Gly­pho­sat ba­sie­re, hieß es in La Stam­pa.

Wis­sen­schaft­li­cher Streit

Die Be­hör­de wies den Zei­tungs­be­richt ges­tern um­ge­hend zu­rück. Die Be­haup­tun­gen sei­en ein „wei­te­rer Ver­such“, den von EU-Ex­per­ten ver­fass­ten Be­richt in Zwei­fel zu zie­hen, er­klär­te die EFSA. Kon­text und In­halt der ver­öf­fent­lich­ten Do­ku­men­te sei­en falsch wie­der­ge­ge­ben: Es hand­le sich nicht um ei­nen Teil des EFSA-Be­richts, son­dern um „An­mer­kun­gen“. Die von der „Gly­pho­sa­te Task Force“bei­ge­brach­ten Stu­di­en sei­en klar als sol­che ge­kenn­zeich­net.

Die EFSA mit Sitz im ita­lie­ni­schen Par­ma hat sich für ei­ne Ver­län­ge­rung der Zu­las­sung von Gly­pho­sat aus­ge­spro­chen – dem will die EU-Kom­mis­si­on dem­nächst fol­gen. EU-Ge­sund­heits­kom­mis­sar Vy­te­nis An­d­ri­ukai­tis hat­te Mit­te Ju­li an­ge­kün­digt, er wol­le bei der wis­sen­schaft­li­chen De­bat­te um die Schäd­lich­keit von Gly­pho­sat zum En­de kom­men. Es ge­be kei­nen Grund, den Stoff als krebs­er­re­gend ein­zu­stu­fen. Dies sei auch die Auf­fas­sung der Eu­ro­päi­schen Che­mi­ka­li­en­agen­tur (ECHA) und der EFSA.

Die Zu­las­sung des Mit­tels läuft En­de des Jah­res aus. Der Streit um das Un­kraut­ver­nich­tungs­mit­tel wird seit Jah­ren ge­führt. Ei­ne Agen­tur der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sa­ti­on WHO hat­te im Früh­jahr 2015 er­klärt, Gly­pho­sat sei „wahr­schein­lich krebs­er­zeu­gend bei Men­schen“.

Den Her­stel­lern zu­fol­ge han­del­te es sich da­bei je­doch nur um „theo­re­ti­sche Über­le­gun­gen“oh­ne Be­zug zu rea­len Ver­brau­cher­ri­si­ken. Das be­stä­tig­te ein zwei­ter WHO-Be­richt.

Auch Auf­sichts­be­hör­den in Deutsch­land ka­men zu dem Schluss, dass von Gly­pho­sat kei­ne Ge­sund­heits­ge­fahr aus­geht. Kri­ti­ker be­har­ren auf den mög­li­chen Ge­sund­heits­ri­si­ken des Mit­tels. Meh­re­re Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te ha­ben der EFSA und der ECHA be­reits vor­ge­wor­fen, sie hät­ten sich von Monsan­to be­ein­flus­sen las­sen. (AFP)

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