Er­neut fliegt Ra­ke­te über Ja­pan hin­weg

NORD­KO­REA Auch nach den jüngst be­schlos­se­nen Sank­tio­nen pro­vo­ziert Pjöng­jang wei­ter

Tageblatt (Luxembourg) - - Welt - Von un­se­rer Kor­re­spon­den­tin Su­san­ne Stef­fen, To­kio

Zum zwei­ten Mal in­ner­halb we­ni­ger Wo­chen hat das Re­gime von Kim Jong-un ei­ne bal­lis­ti­sche Ra­ke­te über den Nor­den Ja­pans ge­schos­sen. Wie­der wur­den Mil­lio­nen Men­schen auf­ge­ru­fen,

Schutz zu su­chen. Süd­ko­rea re­agier­te prompt mit ei­nem ei­ge­nen Ra­ke­ten­test.

Um kurz nach 7 Uhr ging der Alarm los. Wie schon bei dem letz­ten nord­ko­rea­ni­schen Ra­ke­ten­test von En­de Au­gust wur­den wie­der Mil­lio­nen Ja­pa­ner auf­ge­ru­fen, Schutz in Ge­bäu­den be­zie­hungs­wei­se un­ter­ir­di­schen Räu­men zu su­chen. Nach dem Start in un­mit­tel­ba­rer Nä­he der nord­ko­rea­ni­schen Haupt­stadt Pjöng­jang flog ei­ne Ra­ke­te nach An­ga­ben des Ge­ne­ral­stabs der süd­ko­rea­ni­schen Ar­mee 3.700 Ki­lo­me­ter, be­vor sie et­wa 2.200 Ki­lo­me­ter öst­lich von Ja­pan in den Pa­zi­fik fiel. Schä­den oder Ver­letz­te wur­den nicht ge­mel­det.

Das ja­pa­ni­sche Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um geht da­von aus, dass es sich um ei­ne Mit­tel­stre­cken­ra­ke­te vom Typ Hwa­song-12 han­delt. Am 29. Au­gust hat­te Pjöng­jang eben­falls ei­ne Hwa­song-12 ge­tes­tet. „Die Ra­ke­te hat­te die glei­che Flug­bahn wie En­de Au­gust. Da­mals ist die Ra­ke­te aus ir­gend­wel­chen Grün­den nicht so weit ge­flo­gen wie er­hofft. Jetzt woll­ten die Nord­ko­rea­ner wohl be­wei­sen, dass sie die 3.400 Ki­lo­me­ter bis nach Guam schaf­fen“, kom­men­tier­te der ehe­ma­li­ge ja­pa­ni­sche Vi­ze­ad­mi­ral Yo­ji Ko­da im Sen­der NHK.

Die jüngs­ten Ra­ke­ten­tests dien­ten vor al­lem da­zu, Nord­ko­reas Fä­hig­kei­ten zu de­mons­trie­ren, Nu­kle­ar­spreng­köp­fe über mitt­le­rer Dis­tan­zen zu trans­por­tie­ren, er­klär­te der süd­ko­rea­ni­sche Ge­ne­ral­stab in hei­mi­schen Me­di­en. Fer­ner wol­le Macht­ha­ber Kim Jong-un of­fen­bar zei­gen, dass Nord­ko­rea an­ge­sichts des in­ter­na­tio­na­len Drucks nicht ein­knickt, son­dern sein Atom­pro­gramm fort­setzt, zi­tier­te die Nach­rich­ten­agen­tur Yon­hap aus Mi­li­tär­krei­sen.

Erst im Früh­ling hat Nord­ko­rea mit Tests der Hwa­song-Klas­se be­gon­nen. Ne­ben der ges­tern ge­tes­te­ten Hwa­song-12 be­sitzt es auch ei­ne Hwa­song-14 mit ei­ner mut­maß­li­chen Reich­wei­te von rund 10.000 Ki­lo­me­tern. Be­ob­ach­ter war­nen seit län­ge­rem, dass das Re­gime nicht ein­len­ken wird, be­vor auch die­se Ra­ke­te aus­rei­chend ge­tes­tet ist.

Süd­ko­rea ant­wor­tet

Nur sechs Mi­nu­ten nach dem nord­ko­rea­ni­schen Ra­ke­ten­start – noch wäh­rend das Ge­schoss in der Luft war – feu­er­te das süd­ko­rea­ni­sche Mi­li­tär zwei Ra­ke­ten ins Meer. Ei­ne da­von ha­be ihr Ziel nach 250 Ki­lo­me­tern ex­akt ge­trof­fen, ver­kün­de­te der Ge­ne­ral­stab an­schlie­ßend. Dies ent­spre­che ge­nau der Dis­tanz, die die Ra­ke­te hät­te zu­rück­le­gen müs­sen, wenn sie auf die nord­ko­rea­ni­sche Ab­schuss­ba­sis ge­rich­tet wor­den wä­re, er­klär­ten die Mi­li­tärs. Prä­si­dent Moon Jae-in er­klär­te im An­schluss an ei­ne Sit­zung des Na­tio­na­len Si­cher­heits­rats, ein Dia­log mit dem Nor­den sei in ei­ner Si­tua­ti­on wie die­ser „un­mög­lich“. Noch vor we­ni­gen Mo­na­ten war Moon mit dem Ver­spre­chen an­ge­tre­ten, die Nord­ko­rea-Kri­se durch fri­schen Dia­log ein­zu­däm­men.

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