Das Kase­mat­ten­thea­ter ge­gen den Po­pu­lis­mus

Tageblatt (Luxembourg) - - Kultur | Theater -

„Wir bie­ten die­se Sai­son nicht we­ni­ger als 20 Pro­jek­te, dar­un­ter acht neue“, er­klärt Marc Lim­pach. Ver­bun­den sind sie durch das The­ma vom „Ge­spenst des Po­pu­lis­mus“– und dem Ge­gen­pol, der Em­pa­thie, die es uns er­laubt, uns in an­de­re hin­ein­zu­ver­set­zen. Ma­crons Wahl­sieg über Le Pen konn­te die weit­herr­schen­de Ver­brei­tung des Po­pu­lis­mus lei­der nicht lang­fris­tig über­schat­ten, und so bie­ten die ver­schie­de­nen Le­sun­gen, Lie­der­aben­de, Wie­der­auf­nah­men und Pro­duk­tio­nen der dies­jäh­ri­gen Sai­son ei­ne not­wen­di­ge Aus­ein­an­der­set­zung mit den Ge­fah­ren des Po­pu­lis­mus – wie man in der von Marc Lim­pach zu­sam­men­ge­stell­ten Le­sung „Fa­ke“, die uns Tex­te von Ver­tre­tern und Ur­vä­tern po­pu­lis­ti­scher Denk­we­ge prä­sen­tie­ren wird, fest­stel­len kann.

„Die letz­ten bei­den Spiel­sai­sons bo­ten wir Le­sun­gen, die den An­sich­ten des Zeit­al­ters der Auf­klä­rung na­he­la­gen. Dies­mal er­for­schen wir ihr dunk­les Ge­gen­stück – den Obsku­ran­tis­mus.“Mime­tisch und fik­tio­nal wird die­ses The­ma in „Viel gut es­sen“von Si­byl­le Berg und in ei­ner Ins­ze­nie­rung von An­ne Si­mon (heu­te Nach­mit­tag gibt es ers­te Ein­bli­cke auf dem Thea­ter­fest) auf­ge­ar­bei­tet, gibt der Text uns doch ei­nen Ein­blick in die Welt­sicht ei­ner die­ser Rechts­po­pu­lis­ten. Das Glei­che gilt für „Ich, Än­nie“(von Tho­mas Mel­le), in des­sen Ver­lauf ein ver­schwun­de­nes 16-jäh­ri­ges Mäd­chen zur Pro­jek­ti­ons­flä­che ge­sell­schaft­li­cher Ängs­te und Hass­ge­füh­le wird.

Im Fall „Re­né Delt­gen“wird an die wah­re Be­dro­hung des heu­ti­gen Po­pu­lis­mus er­in­nert. Es han­delt sich da­bei um ei­ne Le­sung, die zum Teil auf ver­schol­len ge­glaub­ten Ge­richts­ak­ten und per­sön­li­chen Stel­lung­nah­men des An­ge­klag­ten ba­siert und die sich mit dem Schick­sal des lu­xem­bur­gi­schen Schau­spie­lers Re­né Delt­gen, dem man nach dem Zwei­ten Welt­krieg Lan­des­ver­rat vor­ge­wor­fen hat, be­schäf­tigt.

In „Your Very Own Dou­ble Cri­sis Club“von Si­van Ben Yis­hai tref­fen zwei Kri­sen auf­ein­an­der: Das „Wir“mit Flucht­hin­ter­grund, das dem gut­bür­ger­li­chen, de­mo­kra­ti­schen „Ihr“die Ge­schich­te ei­ner zer­stör­ten Stadt zu er­zäh­len ver­sucht.

„Letz­te Sai­son war die Sai­son der Urauf­füh­run­gen, dies­mal ha­ben wir fast aus­schließ­lich re­zen­te zeit­ge­nös­si­sche Stü­cke. Des Wei­te­ren las­sen wir wie­der jun­gen Schau­spie­lern, Dra­ma­tur­gen und Re­gis­seu­ren den Vor­tritt, wes­halb wir z.B. sehr ge­spannt auf die Werk­stattin­sze­nie­rung von 'Der him­mel­blaue Herr' mit u.a. Kat­ha­ri­na Bintz sind“, so Marc Lim­pach.

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