Die Fra­ge der In­fra­struk­tur

Tageblatt (Luxembourg) - - Thema | Elektromobilität -

Auch die In­fra­struk­tur wiegt beim E-Au­to-Kauf schwer. Denn wenn die Reich­wei­te durch feh­len­de öf­fent­li­che La­de­sta­tio­nen be­grenzt bleibt, macht ei­ne An­schaf­fung für vie­le kei­nen Sinn. Mo­men­tan gibt es laut Cre­os über 50 „Char­gy“-La­de­pol­ler à zwei Plät­ze. Al­so knapp 100 öf­fent­li­che La­de­plät­ze für 500 elek­tri­sche Pkw. Bis 2020 soll das Netz auf über 800 La­de­pol­ler aus­ge­baut wer­den. Wür­de das bis da­hin von der Re­gie­rung an­ge­streb­te Ziel von 40.000 E-Au­tos er­reicht, könn­ten al­so ge­ra­de mal 1.600 öf­fent­li­che La­de­plät­ze zur Ver­fü­gung ste­hen. Ob das rech­ne­risch auf­geht, ist zwei­fel­haft.

Denn 400 von den Pol­lern sol­len auf Park-and-Ri­de Plät­zen auf­ge­stellt wer­den. Sinn die­ser Park­plät­ze ist es be­kannt­lich, das Au­to dort wäh­rend der ge­sam­ten Ar­beits­zeit ab­zu­stel­len. Es könn­ten hier al­so in­ner­halb von 24 St­un­den nur ma­xi­mal 2.400 Au­tos la­den. Nutz­ten von den an­ge­streb­ten 40.000 E-Au­tos auch nur 10 Pro­zent die P&RLa­de­pol­ler in­ner­halb von 24 St­un­den, wür­den 4.000 Au­tos auf 2.400 La­de­plät­ze tref­fen.

Wei­te­re 400 La­de­pol­ler sol­len in den Ge­mein­den auf­ge­stellt wer­den. Über die ge­naue Plat­zie­rung ent­schei­den die je­wei­li­gen Ge­mein­de­ver­ant­wort­li­chen, doch zei­gen die bis­he­ri­gen Plät­ze, dass sie meist in der Nä­he ei­ner öf­fent­li­chen Ein­rich­tung wie dem Ge­mein­de­ge­bäu­de oder dem Bahn­hof sind. Liegt die Ge­mein­de aber in ei­nem we­ni­ger be­wohn­ten Ge­biet, sind die Ort­schaf­ten manch­mal weit aus­ein­an­der ge­le­gen. Die ers­te öf­fent­li­che La­de­sta­ti­on könn­te von da­her meh­re­re Ki­lo­me­ter ent­fernt sein. Zu­sätz­lich zu den La­de­pol­lern, ob pri­vat, von Un­ter­neh­men be­reit­ge­stellt oder öf­fent­lich, muss auch das Strom­netz auf die E-Au­tos vor­be­rei­tet sein. Cre­os winkt Be­den­ken ab: „Un­ser Netz ist nicht über­di­men­sio­niert, aber es wird in nächs­ter Zeit nicht zu Eng­päs­sen kom­men.“

Soll­ten nun aber künf­tig 20 Pro­zent der lu­xem­bur­gi­schen Au­tos mit ei­nem elek­tri­schen An­trieb fah­ren, müss­te man ei­nen Groß­teil da­von in der Nacht auf­la­den, wenn der Strom­ver­brauch der Haus­hal­te sinkt. Al­le 800 Char­gy-La­de­pol­ler sol­len, wie bis­her auch, mit er­neu­er­ba­rer Ener­gie funk­tio­nie­ren. Pri­va­te La­de­sta­tio­nen wür­den aber, so­fern die Strom­zu­fuhr des Haus­halts nicht kom­plett von er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en ge­deckt ist, den „nor­ma­len“Strom­mix nut­zen. Da­mit wä­re auch das „Ze­ro Emis­si­on“-Ziel ver­fehlt – denn auch bei der Strom­pro­duk­ti­on fällt mo­men­tan noch CO2 oder nu­klea­rer Müll an. Sinn er­gibt das E-Au­to al­so nur, wenn auch ei­ne Ener­gie­wen­de kon­se­quent durch­ge­setzt wird.

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