Stur­heit statt Dia­log

KOM­MEN­TAR Zur Si­tua­ti­on in Ka­ta­lo­ni­en

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - Guy Kemp

Das Un­ab­hän­gig­keits­re­fe­ren­dum in Ka­ta­lo­ni­en dürf­te, an­ge­sichts der Be­din­gun­gen, un­ter de­nen es ab­ge­hal­ten wird, kaum den An­for­de­run­gen ei­ner de­mo­kra­ti­schen Wahl ge­nü­gen. Ein­mal ab­ge­se­hen da­von, dass die Zen­tral­re­gie­rung in Ma­drid den Ur­nen­gang mit al­len Mit­teln zu ver­hin­dern sucht, be­tei­li­gen sich längst nicht al­le Ge­mein­den an dem Re­fe­ren­dum.

Dass die Si­tua­ti­on in der Se­pa­ra­tis­ten-Re­gi­on der­art ver­fah­ren ist, dar­an trägt vor al­lem auch die kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung un­ter Ma­ria­no Ra­joy ei­ne schwe­re Mit­schuld. An­statt auf den Dia­log zu set­zen und nach Lö­sun­gen mit den Ka­ta­la­nen zu su­chen, ver­stieg sich der spa­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent in le­ga­lis­ti­schen Ar­gu­men­ten ge­gen die wei­te­ren Au­to­no­mie­be­stre­bun­gen Ka­ta­lo­ni­ens. Das Be­har­ren der Zen­tral­re­gie­rung auf ih­rer Po­si­ti­on hat da­zu ge­führt, dass die Se­pa­ra­tis­ten es nun auf ei­ne Kon­fron­ta­ti­on an­kom­men las­sen. Da­durch ge­winnt ih­re Sa­che je­doch längst nicht an Le­gi­ti­mi­tät.

Es liegt ein­zig und al­lein am spa­ni­schen Re­gie­rungs­chef, Druck aus dem Kes­sel zu neh­men und auf die Ka­ta­la­nen zu­zu­ge­hen. Denn un­ter ih­nen herrscht al­les an­de­re als gro­ße Ei­nig­keit dar­über, die Un­ab­hän­gig­keit von Ma­drid zu er­hal­ten. Al­lein sei­ne Stur­heit und die sei­ner Par­tei ha­ben zu die­ser auf­ge­heiz­ten Stim­mung ge­führt, wie sie der­zeit in Ka­ta­lo­ni­en herrscht. Es bleibt zu hof­fen, dass nicht erst auf Kos­ten von Men­schen­le­ben Ein­sicht in Ma­drid ein­kehrt.

gkemp@ta­ge­blatt.lu

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