Un­ter Re­gie­rungs­kon­trol­le

WARSCHAU Vor al­lem christ­li­che NGOs sol­len künf­tig ge­för­dert wer­den

Tageblatt (Luxembourg) - - Polen - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Paul Flü­cki­ger, Warschau

Die rechts­na­tio­na­le Kac­zyn­ski-Re­gie­rung hat in Po­len ein wei­te­res Wahl­ver­spre­chen um­ge­setzt. Das Ge­schenk trägt den hüb­schen Na­men „Na­tio­na­les Frei­heits­in­sti­tut“und soll künf­tig mehr Geld an Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen (NGOs) ver­tei­len als sie bis­her aus dem Staats­haus­halt er­war­ten konn­ten. „Die Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen sol­len stär­ker ge­för­dert wer­den“, be­grün­de­te Wo­jciech Kacz­marc­zyk, der bis­he­ri­ge Re­gie­rungs­be­auf­trag­te für die Zu­sam­men­ar­beit mit den NGOs die Schaf­fung der neu­en Ein­rich­tung.

Rund 22 Mil­lio­nen Eu­ro will die Re­gie­rung künf­tig pro Jahr so an die NGOs ver­tei­len, die teils aus EU-Gel­dern, der Schwei­zer Ost­mil­li­ar­de und den „Nor­we­gi­an Funds“fi­nan­ziert wer­den. Das klingt an sich gut, doch Po­lens NGO-Dach­ver­band fürch­tet, dass die Mit­tel künf­tig vor al­lem an re­gie­rungs­freund­li­che und rechts­ka­tho­li­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen ver­teilt wer­den könn­ten. In der Tat ist in dem Ge­setz we­der von Wer­ten wie Plu­ra­lis­mus noch To­le­ranz die Re­de.

Angst der PiS vor den NGOs

„Der pol­ni­sche Staat un­ter­stützt die frei­heit­li­chen und christ­li­chen Idea­le sei­ner Bür­ger“, heißt es in der Prä­am­bel des ge­ra­de auch vom Se­nat, Po­lens Klei­ner Kam­mer, durch­ge­wun­ke­nen NGO-För­der­ge­set­zes. Be­tont wer­den in der eben­so wie das gan­ze Ge­setz um­strit­te­nen Prä­am­bel wei­ter die jahr­hun­der­te­al­te Un­ab­hän­gig­keits­be­we­gung, re­li­giö­se so­wie aus­ge­rech­net „so­zia­lis­ti­sche Tra­di­tio­nen“.

Er­fah­run­gen der NGOs in den zwei bis­he­ri­gen PiS-Re­gie­rungs­jah­ren ha­ben be­reits ge­zeigt, dass fort­schritt­li­che Initia­ti­ven von den zu­stän­di­gen Mi­nis­te­ri­en nicht mehr ge­för­dert wur­den.

So muss­ten in den meis­ten Schu­len An­ti-Dis­kri­mi­nie­rungs­Work­shops ein­ge­stellt wer­den, ei­ne Rei­he von Frau­en- und Aus­län­der­initia­ti­ven so­wie auch Na­tur­schutz­pro­jek­te und Initia­ti­ven der se­xu­el­len Min­der­hei­ten gin­gen leer aus.

„Die PiS hat Angst vor den NGOs“, sag­te der op­po­si­tio­nel­le Se­na­tor Bog­dan Klich. „Die­ses Ge­setz ist ein Mes­ser in den Rü­cken der Zi­vil­ge­sell­schaft“, kri­ti­sier­te er. Die NGOs sol­len de fac­to in Re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen um­ge­wan­delt wer­den, fürch­tet der Se­na­tor der rechts­li­be­ra­len Bür­ger­platt­form (PO). Al­ler­dings hat bis­her je­de Re­gie­rung in Po­len ver­sucht, je­ne NGOs zu för­dern, die ih­rer Po­li­tik ent­sprach.

Rechts­ka­tho­li­sche Pfar­rei­grup­pen

Ge­för­dert wer­den sol­len laut den neu­en Re­gie­rungs­vor­ga­ben nun vor al­lem „klei­ne und ar­me NGOs“, die sich nicht nur in den gro­ßen Städ­ten be­fin­den. Dies ent­spricht der von der Kac­zyn­ski-Re­gie­rung ak­tiv be­trie­be­nen För­de­rung der Rand­ge­bie­te Po­lens. Al­ler­dings fürch­ten vie­le NGOs in Po­len, dass künf­tig vor al­lem rechts­ka­tho­li­sche Pfar­rei­grup­pen so­wie na­tio­na­lis­ti­sche Split­ter­grup­pen in den Ge­nuss staat­li­cher För­de­rung kom­men könn­ten.

Auch stört sie, dass der noch zu be­ru­fen­de Di­rek­tor des so­ge­nann­ten „Frei­heits­in­sti­tuts“Bür­ger­initia­ti­ven mit bis zu 50.000 Eu­ro oh­ne Be­grün­dung und oh­ne Wett­be­werb do­tie­ren kann. Dass es sich beim neu­en Di­rek­tor um ei­nen be­son­ders Kac­zyns­ki­treu­en Ge­währs­mann han­deln wird, da­von ist laut den bis­he­ri­gen Er­fah­run­gen mit der PiS aus­zu­ge­hen. Nor­we­gen hat be­reits laut ge­gen das „Na­tio­na­le Frei­heits­in­sti­tut“pro­tes­tiert. Os­lo droht da­mit, sei­ne NGO-För­der­mit­tel für Po­len – im­mer­hin gut 5,5 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr – einst­wei­len zu­rück­zu­hal­ten.

Und Prä­si­dent An­drzej Du­da zieht die Tür zu. Re­gie­rungs­geg­ner nen­nen das neue NGO-Ge­setz „ein Mes­ser in den Rü­cken der Zi­vil­ge­sell­schaft“.

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