Die Braut­schau ver­zö­gert sich

BERLIN Uni­on, Grü­ne und FDP las­sen sich auf dem Weg nach Ja­mai­ka Zeit

Tageblatt (Luxembourg) - - Deutschland - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Ha­gen Strauß, Berlin

Sind FDP und Grü­ne ins­ge­heim schon viel wei­ter bei der Bil­dung ei­nes mög­li­chen Ja­mai­kaBünd­nis­ses? Und das an der Uni­on, der Kanz­le­rin und dem CSU-Chef vor­bei? Ei­ne Mel­dung über weit­rei­chen­de Ab­spra­chen bis hin zur Auf­tei­lung von Mi­nis­ter­pos­ten sorg­te ges­tern in den Par­tei­zen­tra­len für Kopf­schüt­teln. Die De­men­tis ka­men schnell und sie wa­ren hart: „Es gab bis­her kei­ne Ge­sprä­che und kei­ne Vor­fest­le­gun­gen“, mach­te ein Spre­cher der FDP auf Nach­fra­ge deut­lich. Und da ja noch nicht ein­mal mit den Son­die­run­gen be­gon­nen wor­den sei, „ist es völ­lig ab­we­gig, über Mi­nis­te­ri­en zu spre­chen“, sag­te Grü­nen-Che­fin Simone Peter un­se­rer Re­dak­ti­on.

Dass es Kon­tak­te gibt, dass man sich auch mal in den ein­schlä­gi­gen Ber­li­ner Ca­fés beim Früh­stück trifft, steht au­ßer Fra­ge. Aber of­fi­zi­ell hat die Braut­schau noch nicht be­gon­nen. Das liegt vor al­lem an der Uni­on – und an den Land­tags­wah­len in Nie­der­sach­sen.

Erst am 8. Ok­to­ber wol­len die Spit­zen von CDU und CSU zu­sam­men­kom­men, um, wie von den Bay­ern ein­ge­for­dert, ih­re in­halt­li­chen Po­si­tio­nen für die Son­die­run­gen und die künf­ti­ge Aus­rich­tung der Uni­on als Gan­zes fest­zu­le­gen. Ob da­nach schon aufs Tem­po ge­drückt wird, muss be­zwei­felt wer­den. Denn am 15. Ok­to­ber fin­den die Wah­len in Nie­der­sach­sen statt – bis da­hin scheut je­de Sei­te bahn­bre­chen­de Vor­ab­spra­chen.

Nach dem Ur­nen­gang müs­sen die Par­tei­en auch erst ein­mal das Er­geb­nis und die Fol­gen, auch die per­so­nel­len, be­ra­ten. Frei­lich gilt: Je mehr Zeit sich die po­ten­zi­el­len Ko­ali­tio­nä­re las­sen, des­to mehr Ge­rüch­te und Spe­ku­la­tio­nen wer­den in Berlin die Run­de ma­chen.

Vie­les hängt zu­dem am baye­ri­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten Horst See­ho­fer, be­to­nen In­si­der. Der CSU-Chef muss um sein Amt kämp­fen, wes­halb er es nicht ei­lig ha­ben dürf­te: Am 17. No­vem­ber ver­an­stal­tet die CSU ih­ren Par­tei­tag in Nürn­berg. Dort stellt sich See­ho­fer nach jet­zi­gem Stand zur Wie­der­wahl. Erst da­nach dürf­te er weit­ge­hend freie Hand ha­ben.

FDP für Ver­hand­lun­gen be­reit

Kanz­ler­amts­chef Peter Alt­mai­er, der kom­mis­sa­risch das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um über­nimmt, wenn Wolf­gang Schäu­b­le spä­tes­tens am 24. Ok­to­ber zum Bun­des­tags­prä­si­den­ten ge­wählt wird, rech­net so­gar mit Ver­hand­lun­gen bis ins nächs­te Jahr hin­ein. Bei der Bil­dung der gro­ßen Ko­ali­ti­on 2013 „ha­ben wir es knapp bis Weih­nach­ten ge­schafft“, so Alt­mai­er ges­tern. Die Ge­sprä­che von vier Par­tei­en wer­den si­cher­lich weit­aus schwie­ri­ger und lang­wie­ri­ger wer­den.

Glaubt man frei­lich FDP-Vi­ze Wolf­gang Ku­bi­cki, kann es mit der Bil­dung ei­ner Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on schon jetzt los­ge­hen. „Al­le sind sich ih­rer Ver­ant­wor­tung be­wusst. Es gibt des­halb kei­nen Grund, noch län­ger zu­zu­war­ten.“

Er for­der­te die Kanz­le­rin auf, end­lich ei­ne Ein­la­dung aus­zu­spre­chen. Ku­bi­cki hat leicht re­den – die FDP hat am we­nigs­ten zu ver­lie­ren. Der Wie­der­ein­zug in den Bun­des­tag ist ge­schafft, al­les an­de­re ist ei­ne un­er­war­te­te Zu­ga­be. Und weil An­ge­la Mer­kel be­reits die Schäu­b­le-Per­so­na­lie ent­schie­den hat, scheint das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um den Li­be­ra­len si­cher zu sein.

Bei den Grü­nen ist die La­ge hin­ge­gen schwie­ri­ger: An die­sem Sams­tag kom­men sie in Berlin zu ei­nem klei­nen Par­tei­tag zu­sam­men, ers­te De­bat­ten über das Für und Wi­der ei­ner Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on sind ab­seh­bar. Die Er­war­tun­gen bei den Grü­nen sind viel hö­her als bei der FDP: Um­welt und Öko­lo­gie, So­zia­les, Ver­kehrs­wen­de, bei die­sen The­men muss die Ba­sis sich spä­ter wie­der­fin­den.

Au­ßer­dem müs­sen auch die Lin­ken in der Par­tei be­dient wer­den, weil das Spit­zen­duo Öz­de­mir/Gö­ring-Eckardt den Rea­loFlü­gel ver­tritt und in ei­ner mög­li­chen Re­gie­rung bei­de of­fen­bar ge­setzt sind.

Ei­nes steht je­den­falls schon fest: Die Ver­hand­lungs­kom­mis­sio­nen sind fest­ge­zurrt. Die Grü­nen wol­len mit 14 Funk­tio­nä­ren son­die­ren, dar­un­ter auch Jür­gen Trit­tin, dem eben­falls Mi­nis­terAm­bi­tio­nen nach­ge­sagt wer­den, ge­nau­so wie Clau­dia Roth und Frak­ti­ons­chef An­ton Ho­frei­ter. Die FDP schickt ihr 13-köp­fi­ges Prä­si­di­um. Doch wann man tat­säch­lich of­fi­zi­ell be­ginnt, ist un­klar.

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