Zwei­fel an den Steu­er­plä­nen

WA­SHING­TON Brei­te Skep­sis ge­gen­über Do­nald Trumps Re­form

Tageblatt (Luxembourg) - - Usa - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten John Dy­er, Bos­ton

Do­nald Trump will mit sei­ner Steu­er­re­form die Wirt­schaft an­kur­beln und die Schul­den ab­bau­en. Doch Steu­er­sen­kun­gen ha­ben im Bun­des­staat Kan­sas ge­nau das Ge­gen­teil be­wirkt. Auch sonst herrscht so­wohl un­ter den Bun­des­staa­ten als auch bei In­ves­to­ren Skep­sis. Rund um den Kon­gress ist die von US-Prä­si­dent Do­nald Trump an­ge­kün­dig­te Steu­er­re­form das gro­ße The­ma. Un­ter den Lob­by­is­ten, die sich da­mit be­schäf­ti­gen, sind auch die Ver­tre­ter der Im­mo­bi­li­en­bran­che. Sie wol­len si­cher­stel­len, dass die Hy­po­the­ken wei­ter­hin von der Steu­er ab­ge­zo­gen wer­den kön­nen. Laut den Vor­schlä­gen von Trump soll das der Fall sein, doch an­de­re sei­ner Än­de­run­gen ste­hen da­zu im Wi­der­spruch. Doch dies scheint nicht das ein­zi­ge Pro­blem der Steu­er­re­form zu sein.

So sind die de­mo­kra­ti­schen Re­gie­run­gen in Bun­des­staa­ten wie New York, Ka­li­for­ni­en oder Mas­sa­chu­setts ner­vös, weil laut Trumps Plä­nen lo­ka­le Steu­ern und Steu­ern der Bun­des­staa­ten nicht mehr von der na­tio­na­len Steu­er ab­ge­zo­gen wer­den kön­nen. Re­pu­bli­ka­nisch ge­führ­te Staa­ten wie Ala­ba­ma oder Te­xas bie­ten ih­ren Bür­gern we­ni­ger Di­enst­leis­tun­gen und ver­lan­gen so­mit auch nied­ri­ge­re Steu­ern.

Rund 3,3 Mil­lio­nen Steu­er­zah­ler aus dem Staat New York wür­den laut Trumps Plä­nen jähr­lich zu­sätz­li­che 5.300 Dol­lar (4.500 Eu­ro) an na­tio­na­len Steu­ern zah­len müs­sen, sag­te New Yorks Gou­ver­neur And­rew Cuo­mo am Don­ners­tag.

Bei 1,1 Mil­lio­nen Ein­woh­nern wür­de die zu­sätz­li­che Be­las­tung gar bei 7.100 Dol­lar lie­gen. „Durch die­sen Plan wer­den Un­ter­neh­men ge­gen­über Men­schen be­vor­zugt und Mil­li­ar­dä­re ge­gen­über der Mit­tel­klas­se. Statt die hart ar­bei­ten­den Ame­ri­ka­ner zu ent­las­ten, wür­den ih­re Steu­ern noch be­steu­ert.“

Auch In­ves­to­ren sind be­sorgt

Ver­tre­ter der Fi­nanz­bran­che sind be­sorgt, dass Schlupf­lö­cher bei der Ge­winn­be­tei­li­gung ge­schlos­sen wer­den sol­len. Bis­lang konn­ten In­ves­to­ren die Er­trä­ge ih­rer Fonds als Ka­pi­tal­er­trä­ge ver­steu­ern und da­mit deut­lich nied­ri­ger, als es bei der Be­steue­rung als Ein­kom­men der Fall wä­re. „Man kann da ei­gent­lich gar nicht von ei­nem Schlupf­loch spre­chen, so­wohl das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um als auch je­der Re­pu­bli­ka­ner im Se­nat und Re­prä­sen­tan­ten­haus ver­ste­hen das“, mein­te Ja­mes Ma­lo­ney von der Ver­ei­ni­gung Ame­ri­can In­vest­ment Coun­cil.

Trump hat­te sei­nen Plan am Mitt­woch in In­dia­na vor­ge­stellt. Dem­nach sol­len die Un­ter­neh­mens­steu­ern von 35 Pro­zent auf 20 Pro­zent re­du­ziert wer­den, fi­nan­ziert durch neue Schul­den von 1,5 Bil­lio­nen Dol­lar in den nächs­ten zehn Jah­ren. Durch die Strei­chung von Ver­güns­ti­gun­gen und Schlupf­lö­chern soll zu­dem das Steu­er­sys­tem ver­ein­facht wer­den.

„Wir kür­zen die Steu­ern für ame­ri­ka­ni­sche Fa­mi­li­en“, sag­te Vi­ze­prä­si­dent Mi­ke Pence am Don­ners­tag. „Das be­deu­tet hö­he­re Löh­ne, die Men­schen ha­ben mehr Geld in der Ta­sche.“So soll die Wirt­schaft an­ge­kur­belt wer­den, was zu hö­he­ren Ein­nah­men für den Staat führt. In den nächs­ten zehn Jah­ren könn­te das Staats­de­fi­zit so um drei Bil­lio­nen Dol­lar ge­senkt wer­den, glaubt die Re­gie­rung. Bei ei­ner Be­fra­gung von 26 Wirt­schafts­wis­sen­schaft­lern durch Bloom­berg ha­ben je­doch 21 ge­äu­ßert, dass ge­nau das Ge­gen­teil pas­sie­ren wer­de. Sie rech­nen mit ei­nem Zu­wachs der Schul­den um 2,2 Bil­lio­nen Dol­lar.

Kan­sas als war­nen­des Bei­spiel

Der re­pu­bli­ka­nisch re­gier­te Bun­des­staat Kan­sas hat­te ein ähn­li­ches Vor­ha­ben durch­ge­setzt. Die Steu­er­ein­nah­men san­ken, die Aus­ga­ben für Schu­len, In­fra­struk­tur und Ge­sund­heits­ver­sor­gung eben­so. Das be­las­te­te die Wirt­schaft so sehr, dass die Ent­schei­dung kürz­lich rück­gän­gig ge­macht wur­de.

Trump und die Re­pu­bli­ka­ner ha­ben rund ein Jahr Zeit, die Re­form zu ver­ab­schie­den und in Kraft zu set­zen. Dann könn­ten sie vor den Kon­gress­wah­len im No­vem­ber 2018 we­nigs­tens ei­nen Er­folg vor­wei­sen. Bis­lang hat Trump aber le­dig­lich ein neun­sei­ti­ges Pa­pier vor­ge­legt. Fi­nanz­mi­nis­ter Ste­ven Mnu­ch­in kün­dig­te am Don­ners­tag wei­te­re Ein­zel­hei­ten an. „Da­bei soll­ten aber nicht die Lob­by­is­ten mit­re­den, son­dern die Leu­te im Kon­gress“, sag­te er. „Wir wer­den mit ih­nen eng zu­sam­men­ar­bei­ten, um das Ge­setz noch in die­sem Jahr dem Prä­si­den­ten zur Un­ter­zeich­nung brin­gen zu kön­nen.

Mit sei­nen Steu­er­re­form­plä­nen bringt US-Prä­si­dent Do­nald Trump Bun­des­staa­ten, In­ves­to­ren und an­de­re Ex­per­ten ge­gen sich auf

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