Auf den Spu­ren der Ra­di­ka­l­in­ski-As­bl (II)

ODER: CHRONIK EI­NER ENT­WICK­LUNG IM LEHR­ER­BE­RUF

Tageblatt (Luxembourg) - - Forum - Eric Bruch, Ex-Ge­ne­ral­se­kre­tär der Apess Teil 1 er­schien in un­se­rer gest­ri­gen Aus­ga­be

– Früh­jahr 2015: Wah­len zur Be­rufs­kam­mer des öf­fent­li­chen Di­ens­tes: Die Apess un­ter ih­rem Spit­zen­kan­di­da­ten Daniel Re­ding wird stärks­te Kraft bei den Ver­tre­tun­gen der Se­kun­dar­leh­rer.

Ei­ni­ge be­son­ders eif­ri­ge DNEEin­peit­scher woll­ten vor­her die Apess-Lis­te in ei­ner Nacht-un­dNe­bel-Ak­ti­on durch DNE-Leu­te in­fil­trie­ren las­sen. Der Apes­sVor­stand un­ter Re­ding, Zei­hen, Kief­fer und Bruch glaub­te an ei­nen schlech­ten Witz, wur­de je­doch ei­nes Bes­se­ren be­lehrt.

Die DNE hat­te vor­her auf ei­ne ei­ge­ne Lis­te bei den Kam­mer­wah­len ver­zich­tet. Ihr in­of­fi­zi­el­les Haupt­ziel: die mit al­len Mit­teln her­bei­zu­füh­ren­de Schwä­chung der Fé­du­se/CGFP, die für die DNE-Füh­rung seit je­her zum In­be­griff des ge­werk­schaft­lich Bö­sen und Ver­rä­te­ri­schen ab­ge­stem­pelt wor­den war. Die DNE funk­tio­niert über das Auf­bau­en von Feind­bil­dern, an de­nen man sich in der Fol­ge ab­ar­bei­ten kann, um die ei­ge­ne, „rei­ne“Leh­re um­so kla­rer ins Schau­fens­ter zu stel­len.

Das Pro­blem ist nur, dass die­se krampf­haft kon­stru­ier­ten Fein­de die Leh­rer­ver­tre­tun­gen selbst sind.

Der Zwie­tracht in­ner­halb der Leh­rer­schaft wa­ren fort­an kei­ne Gren­zen mehr ge­setzt. Das La­chen hat­ten die ei­gent­li­chen Geg­ner in Po­li­tik, Wirt­schaft und Ge­sell­schaft, das Nach­se­hen ein gan­zer Be­rufs­stand.

– Ju­li 2015: Un­ter­zei­chung ei­nes Ab­kom­mens mit Bil­dungs­mi­nis­ter Meisch: Al­le neur­al­gi­schen Ver­hand­lungs­punk­te wa­ren von den Leh­rer­ver­tre­tun­gen ent­we­der ganz aus dem Ab­schluss­text ver­drängt oder auf ein harm­lo­ses Min­dest­maß ab­ge­schwächt wor­den.

23 Eu­ro mo­nat­lich

Die fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen für je­den ein­zel­nen Leh­rer lie­gen bei ca. 23 Eu­ro mo­nat­lich. Die ur­sprüng­lich ge­plan­ten Spar­ef­fek­te, die hier nicht im De­tail er­läu­tert wer­den, la­gen je nach Kar­rie­re­stu­fe bei 8.000 Eu­ro jähr­lich. Falls dies ein Ver­rat an den Kol­le­gen ist, dann muss die Vo­ka­bel „Ver­rat“wohl dem­nächst auf den se­man­ti­schen Prüf­stand.

– Herbst/Win­ter 2015/2016: Die DNE kün­digt ei­ne Pro­zess­la­wi­ne ge­gen die auf dem Ab­kom­men grün­den­den RGDs (groß­her­zog­li­che Er­läs­se) an.

Zu die­sem Zweck wer­den die Leh­rer ge­be­ten, ei­ner Mus­ter­fest­stel­lungs­kla­ge zu­zu­stim­men und in die­sem Kon­text ih­ren fi­nan­zi­el­len Bei­trag zum Pro­zess­ver­fah­ren und den An­walts­kos­ten bei­zu­steu­ern.

Die DNE läuft zur Hoch­form auf, man wuss­te als Ge­werk­schaf­ter nicht mehr, wer für die DNE zur Hass­fi­gur ge­ra­ten war: man selbst oder die po­li­ti­schen Ent­schei­dungs­trä­ger. Man war gut be­ra­ten, in ei­ner teil­wei­se to­ta­li­tä­ren Mei­nungs­at­mo­sphä­re in­ner­halb der Schu­len, die, ge­paart mit Be­ra­tungs­re­sis­tenz und Stur­heit sei­tens der DNE-Gran­den den Ge­werk­schaf­ten zu­setz­te, den Kopf ein­zu­zie­hen.

– März 2016: Die or­dent­li­che Apess-Ge­ne­ral­ver­samm­lung en­det im Cha­os. Es kommt zu kei­nem Vo­tum. Man le­se die da­ma­li­ge Pres­se­be­richt­er­stat­tung.

– Sep­tem­ber 2017: Nach et­li­chen ver­geb­li­chen Be­stre­bun­gen sei­tens des Vor­stands, ei­ne breit an­ge­leg­te In­ter­net­wahl ab­zu­hal­ten, kommt es schluss­end­lich zum ein­gangs er­wähn­ten Wah­l­er­folg der Lis­te um DNE-Mit­glie­der. 81,6 Pro­zent der Mit­glie­der ent­hal­ten sich ih­rer Stim­me.

Die Ge­gen­lis­te ge­winnt mit knap­pem Vor­sprung.

Als Fa­zit die­ser Ent­wick­lung, die hier nur ab­riss­ar­tig dar­ge­legt wur­de, muss Fol­gen­des zu­rück­be­hal­ten wer­den:

a. Ge­werk­schafts­ar­beit voll­zieht sich in zä­hen und oft­mals we­nig pres­se­träch­ti­gen Ver­hand­lun­gen mit dem Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um. Un­ab­hän­gi­ge Ge­rich­te sind zwar ei­ne Ga­ran­tie für un­se­re west­li­chen De­mo­kra­ti­en, ein Sub­sti­tut für den Wil­len zur Ver­hand­lung und ip­so fac­to zum Kom­pro­miss kön­nen sie nicht sein. Wenn man bei je­der Re­gung aus dem Re­gie­rungs­la­ger so­fort in iden­ti­tä­re Zu­ckun­gen ver­fällt und gan­zen Scha­ren von An­wäl­ten Voll­mach­ten er­teilt, hat man zwar nichts Uner­laub­tes ge­tan, doch Selbst­ver­trau­en sieht de­fi­ni­tiv an­ders aus.

Was ha­ben denn die Pro­zes­se au­ßer ju­ris­ti­schen Spitz­fin­dig­kei­ten und Pyr­rhus­sie­gen bis­her zu­ta­ge ge­för­dert? Die Ant­wort lässt auf sich war­ten.

b. Es ist nicht schon der­je­ni­ge der ein­zig „rich­ti­ge“Leh­rer­ver­tre­ter, der dies am laut­stärks­ten hin­aus­po­saunt. Der Lehr­kör­per braucht kei­ne Markt­schrei­er, son­dern breit auf­ge­stell­te Ver­tre­tun­gen, die von der Be­rufs­aus­bil­dung bis hin zum Abitur­ex­amen und zur Leh­rer­aus­bil­dung quer durch al­le Fach­rich­tun­gen qua­li­fi­zier­tes Wis­sen ein­brin­gen kön­nen. Die Ver­hand­lungs­mas­se ist die Schu­le, nicht der ideo­lo­gi­sche oder po­li­ti­sche Geg­ner. Die­se kom­men und ge­hen, die Schu­le mit all ih­ren Miss­stän­den je­doch bleibt als sol­che be­ste­hen.

c. Die Schü­ler­in­ter­es­sen soll­ten zu­min­dest manch­mal er­wähnt wer­den: Die DNE hat­te zu ei­nem ge­wis­sen Zeit­punkt die Ab­sicht, we­gen der Spar­plä­ne die Abitur­ex­amen zu boy­kot­tie­ren. Gä­be es ei­nen Hip­po­kra­tes-Eid für Leh­rer, dann wä­re dies ei­ne fla­gran­te Zu­wi­der­hand­lung ge­gen sel­bi­gen ge­we­sen.

d. Zur Bünd­nis­po­li­tik: Oh­ne die Fé­du­se/CGFP geht auf na­tio­na­ler Ebe­ne über­haupt nichts. Das muss sich je­der auf die Fah­nen schrei­ben, der auch nur den Hauch ei­ner Ver­hand­lungs­chan­ce wit­tern will. Wer je­doch nur we­gen sei­ner selbst am „Al­d­rin­ger“vor­stel­lig wird oder wer glaubt, den ei­ge­nen For­de­rungs­ka­ta­log zu hun­dert Pro­zent und mög­lichst un­ter Aus­schluss von SEW und Fé­du­se ver­wirk­li­chen zu kön­nen, der er­liegt ei­nem Irr­glau­ben.

Mit der Brech­stan­ge

Die DNE-Po­se, der­zu­fol­ge mit der Brech­stan­ge und re­kur­ren­ten Droh­ku­lis­sen ope­riert wird, ist nicht wirk­lich be­ein­dru­ckend und lässt je­den Mi­nis­ter kalt. Ein­zig und al­lein die Leh­rer­ge­werk­schaf­ten be­kom­men da­bei Schweiß­aus­brü­che, weil ihr Ver­hand­lungs­man­dat dis­kre­di­tiert wird.

Al­len Be­tei­lig­ten sei mit­hin ein küh­ler Kopf und ein sach­li­cher Blick für die ei­gent­li­chen Pro­ble­me des Lehr­be­rufs und der öf­fent­li­chen Schu­le ge­wünscht.

Das De­sign der Apess-In­ter­net­sei­te ist da­bei wohl un­ter die Ru­brik „Di­vers“zu sub­su­mie­ren. Wer um die wirk­li­chen Pro­ble­me weiß, wird an­de­re Prio­ri­tä­ten ha­ben ...

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