Dem Bet­ze wur­de neu­es Le­ben ein­ge­haucht

2. BUN­DES­LI­GA Kai­sers­lau­tern schlägt Fürth bei Stras­ser-De­büt mit 3:0

Tageblatt (Luxembourg) - - Sport - Vom Bet­zen­berg be­rich­tet Chris­to­phe Jun­ker

Was für ein De­büt für Jeff Stras­ser als Trai­ner des

1. FC Kai­sers­lau­tern. Der schwe­di­sche An­grei­fer Se­bas­ti­an An­ders­son be­scher­te dem neu­en FCK-Coach dank ei­nes Hattricks in­ner­halb von neun Mi­nu­ten – der schnells­te Hattrick über­haupt ei­nes Lau­te­rer Spie­lers in der 2. Bun­des­li­ga – ei­nen Auf­takt nach Maß. Im An­schluss an die 90 Mi­nu­ten stan­den die 19.200 Zu­schau­er im Fritz-Wal­ter-Sta­di­on, san­gen „Oh, wie ist das schön“und fei­er­ten Stras­ser und Co. Da­bei hät­te es auch an­ders kom­men kön­nen, denn nach be­reits 40 Se­kun­den rutsch­te FCK-Kee­per Mül­ler weg; Scha­den ent­stand glück­li­cher­wei­se kei­ner. Jeff Stras­ser ließ sich in die­ser Sze­ne nichts an­mer­ken. Sei­ne Ner­vo­si­tät aber konn­te er zu­nächst nicht ganz un­ter­drü­cken. Es dau­er­te fast 19 Mi­nu­ten, ehe er sich das al­ler­ers­te Mal hin­setz­te ... und auch nur für hand­ge­stopp­te 19 Se­kun­den. Bis da­hin war er stets voll da­bei; halt so, wie man ihn be­reits aus sei­ner Zeit bei Fo­la Esch kann­te. Er wipp­te hin und her, di­ri­gier­te sein Kol­lek­tiv, schick­te es hoch. Ver­such­te, ihm so Selbst­ver­trau­en zu ver­mit­teln.

Zu­dem such­te er den per­ma­nen­ten Aus­tausch mit sei­nen Spie­lern; vor al­lem zu De­bü­tant Jo­el Abu Han­na, der wie Stras­ser ges­tern sei­ne Pre­mie­re fei­er­te. Kon­takt­freu­dig war er auch zu den Un­par­tei­ischen, die ihn üb­ri­gens kein ein­zi­ges Mal zu­recht­wei­sen muss­ten. Ei­ner der Li­ni­en­rich­ter such­te gar den Kör­per­kon­takt zu Stras­ser, nahm ihn in den Arm und flüs­ter­te ihm ein paar Wor­te zu. Zu­vor gab es noch ei­nen ers­ten Aus­tausch mit dem geg­ne­ri­schen Coach Da­mir Bu­ric – je­der ver­trat halt sei­ne Mei­nung.

Von Mi­nu­te zu Mi­nu­te ent­krampf­te sich al­les; auch und vor al­lem das Spiel des FCK. Wer die Lau­te­rer in den letz­ten Wo­chen und Mo­na­ten live im Sta­di­on er­lebt oder im TV ge­se­hen hat­te, kann selbst gut ein­schät­zen, dass es an­sehn­lich wur­de, was die Pfäl­zer ab­rie­fen. Das merk­te auch das Pu­bli­kum. Es un­ter­stütz­te das Team in Halb­zeit eins und ab der 60 Mi­nu­te sprang der Fun­ke über. Die West­kur­ve er­wach­te nun rich­tig und zog auch die rest­li­chen Zu­schau­er in ih­ren und Stras­sers Bann. Sie merk­ten, der Wil­le ist da. Fehl­te ei­gent­lich nur noch das Füh­rungs­tor.

Die­ses fiel zum per­fek­ten Zeit­punkt durch An­ders­son, der ei­nen Me­gye­ri-Pat­zer nutz­te (1:0, 71.). Stras­ser, der bei der Füh­rung die Zäh­ne und die Stras­serFaust zeig­te, be­schwor sei­ne Mann­schaft, wei­ter nach vor­ne zu spie­len. Es galt, von die­ser Eu­pho­rie zu pro­fi­tie­ren. Und wie ihn sei­ne Spie­ler er­hör­ten!

Der Dop­pel­pack zum 2:0 ge­lang (74.). Stras­ser schwang sei­ne Faust, wäh­rend Kult-Tor­wart­trai­ner Ger­ry Ehr­mann über das Feld zur West­kur­ve sprin­te­te. Und eben je­nem Ehr­mann lag Stras­ser nach dem drit­ten Tref­fer in den Ar­men. Der Bet­ze beb­te, fast so wie in gu­ten al­ten Zei­ten. Mehr braucht der Lau­te­rer Fan nicht; er will ehr­li­chen Fuß­ball se­hen. Und das be­kam er ge­bo­ten. Halt ganz so, wie es Jeff Stras­ser vor­lebt, wie er ist. Ge­rad­li­nig, ver­bis­sen und ehr­lich.

Nach den Ova­tio­nen des Pu­bli­kums und der ob­li­ga­ten Pres­se­run­de nahm sich der 42-Jäh­ri­ge dann zum Ab­schluss des Ta­ges auch noch Zeit für sei­ne Lu­xem­bur­ger Lands­leu­te.

2002 stand das Pu­bli­kum bei dei­nem Ab­schied vom Bet­zen­berg hin­ter dir. Und heu­te war es, als ob die Zeit ste­hen ge­blie­ben wä­re. Konn­test du es ge­nie­ßen?

Die letz­ten zwei, drei Mi­nu­ten der Par­tie beim Stan­de von 3:0 ha­be ich es in­ner­lich ge­nos­sen. Wich­tig ist aber, dass der Fo­kus auf dem Ver­ein und der Mann­schaft liegt und nicht auf ein­zel­nen Per­so­nen. Der gan­ze Trai­ner­stab hat mich toll auf­ge­nom­men und es wur­de viel ge­ar­bei­tet. Jetzt freue ich mich auf ein paar St­un­den Schlaf.

Die West­kur­ve hat dir in mei­ner Fra­ge­run­de vor der Par­tie ei­nen ge­wis­sen Kre­dit zu­ge­stan­den (sie­he auch ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel). Wie wich­tig ist das für ei­nen Trai­ner?

In den Qua­li­tä­ten, die der Ver­ein ge­sucht hat, hat das si­cher­lich ei­nen Teil da­zu bei­ge­tra­gen. Auch um ei­ne ge­wis­se Eu­pho­rie bei den Fans zu ent­fa­chen. Letzt­lich geht es aber dar­um, Leis­tung auf dem Platz ab­zu­ru­fen. Die Par­tie war lan­ge zu. Kurz nach der Pau­se hat un­ser Tor­wart dann ei­ne sehr star­ke Pa­ra­de ge­zeigt. Das sind die­se klei­nen De­tails; die Par­tie hät­te da auch in ei­ne an­de­re Rich­tung kip­pen kön­nen. Aber das wä­re un­ver­dient ge­we­sen, wenn man sieht, was das Team ab­ge­lie­fert hat.

Wie schwer war es, sich nur auf den Fuß­ball zu kon­zen­trie­ren?

Wich­tig war nur, den rich­ti­gen Match­plan zu fin­den und das Team von die­sem Plan zu über­zeu­gen. Wenn du das dann ge­tan hast, gehst du mit ei­ner ge­wis­sen Ru­he in ein Spiel rein. So was muss man auch aus­strah­len. Aber noch mal, es wird in vie­len Spie­len auf De­tails an­kom­men da, bis auf fünf, sechs Mann­schaf­ten, al­le Teams leis­tungs­mä­ßig sehr eng bei­ein­an­der lie­gen.

Du hast vom In­vest­ment ge­spro­chen. Wie ist es mög­lich, dass ei­ne ei­gent­lich kom­plett ver­un­si­cher­te Mann­schaft nun so auf­ge­tre­ten ist? Ist das nur an der psy­cho­lo­gi­schen Ar­beit fest­zu­ma­chen?

Wich­tig war nur, den rich­ti­gen Match­plan zu fin­den und das Team von die­sem Plan zu über­zeu­gen

Jeff Stras­ser

Oft hat ein Trai­ner­wech­sel die­sen Ef­fekt. Ich bin auch kein Zau­be­rer. Ich ha­be an ei­ni­gen Stell­schrau­ben ge­dreht und die Mann­schaft hat die Vor­ga­ben gut um­ge­setzt.

Ein Ap­pell an die Fans, in Zu­kunft wie­der voll hin­ter der Mann­schaft zu ste­hen?

Wir ha­ben vor dem Spiel an die Fans ap­pel­liert und die Mann­schaft muss sich zu­nächst be­loh­nen, ehe sie dann von den Fans be­lohnt wer­den. Dan­ke für die Un­ter­stüt­zung. Es ist ei­ne spe­zi­el­le Stim­mung hier mit spe­zi­el­len Fans und eben die­se Be­son­der­heit macht den FCK aus. Wir tan­zen heu­te nicht auf den Ti­schen, da­für gibt es kei­nen Grund. Nur als Ein­heit kom­men wir da un­ten raus.

Wie wirst du in Zu­kunft dei­nen All­tag be­strei­ten?

In der ers­ten Zeit wer­de ich im Ho­tel woh­nen und wenn es die Zeit er­laubt, wer­de ich pen­deln, da mei­ne Fa­mi­lie mich auch braucht.

Auch nach dem Füh­rungs­tref­fer peitsch­te Stras­ser sei­ne Mann­schaft nach vor­ne

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