„Oh­ne sie kei­ne Schu­le“

GE­WERK­SCHAF­TEN SEW und Lan­des­ver­band be­kla­gen die Si­tua­ti­on der „Char­gés“

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Yves Greis

SEW/OGBL und FNCTTFELLan­des­ver­band be­kla­gen die Si­tua­ti­on der „Char­gés“. Die­se ma­chen die glei­che Ar­beit wie Leh­rer, ar­bei­ten aber un­ter schlech­te­ren Be­din­gun­gen.

„Char­gés“ma­chen die glei­che Ar­beit wie Leh­rer, ar­bei­ten aber un­ter schlech­te­ren Be­din­gun­gen. Zu die­ser Schluss­fol­ge­rung ka­men die Ge­werk­schaf­ten SEW und FNCTTFEL-Lan­des­ver­band. Seit Schul­be­ginn ist knapp ein Mo­nat ver­gan­gen und die Kon­flik­te zwi­schen Ge­werk­schaf­ten und Bil­dungs­mi­nis­te­ri­um schei­nen kein En­de zu neh­men.

Bei der Ren­trée hat­ten die Ge­werk­schaf­ten be­reits ge­klagt, es ge­be zu we­nig Leh­rer und das Mi­nis­te­ri­um ha­be Nach­hil­fe­stun­den und Klas­sen für ge­flüch­te­te Kin­der strei­chen müs­sen, da­mit vor je­der Klas­se auch ein Leh­rer steht.

Da­nach hat­te sich das Per­so­nal der Son­der­päd­ago­gik in Form der Leh­rer­ge­werk­schaft SEW/ OGBL zu Wort ge­mel­det. Es be­klag­te sich dar­über, dass sei­ne Mit­ar­bei­ter aus dem bis­he­ri­gen Sys­tem ab­seits der re­gu­lä­ren Schu­len her­aus­ge­nom­men wur­den und der re­gu­lä­ren Hier­ar­chie un­ter­stellt wor­den sind.

Am Don­ners­tag gin­gen nun die Ge­werk­schaf­ten SEW/OGBL und der Lan­des­ver­band auf ei­ne neue (ewi­ge) Bau­stel­le ein: die Ar­beits­si­tua­ti­on der Lehr­be­auf­trag­ten, der so­ge­nann­ten „Char­gés“. Laut Aus­sa­gen der Ge­werk­schaf­ten kom­men auf 4.000 Leh­rer in den Grund­schu­len in Lu­xem­burg rund 1.000 die­ser Lehr­be­auf­trag­ten. Oh­ne sie kön­ne der Un­ter­richt gar nicht statt­fin­den, be­ton­ten die Ge­werk­schafts­ver­tre­ter auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz am gest­ri­gen Mor­gen mehr­fach. Ob­wohl sie die glei­che Ar­beit ver­rich­ten wie die Leh­rer, wür­den sie an­ders be­han­delt wer­den.

We­ni­ger Ent­las­tung im Al­ter

Zum Bei­spiel sei es so, dass Leh­rer ab ei­nem ge­wis­sen Al­ter ei­ni­ge St­un­den we­ni­ger ar­bei­ten als je­ne, die jün­ger sind. Die­se „Dé­char­ge“er­hal­ten ih­re Kol­le­gen, die Lehr­be­auf­trag­ten, auch. Sie wür­den je­doch um we­ni­ger St­un­den ent­las­tet. Zu­dem wür­de oft von den Schu­len ge­for­dert, dass die „Char­gés“sich „in­tern“or­ga­ni­sie­ren, wenn es dar­um geht, die­se „Dé­char­ge“zu nut­zen. Ins­be­son­de­re we­gen des Lehrer­man­gels wä­re dies nun schwie­ri­ger, so die Ge­werk­schaf­ten. Eben­falls ge­be es „Char­gés“, die über vie­le Jah­re (man­che bis zu zehn) ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ha­ben. Ei­gent­lich darf es die­se Form des Ar­beits­ver­trags in Lu­xem­burg nur un­ter be­stimm­ten, im Ar­beits­ge­setz klar de­fi­nier­ten Um­stän­den ge­ben und sie darf nie­mals mehr als zwei Jah­re auf­recht­er­hal­ten blei­ben. Wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­nen Ar­beit­neh­mer da­nach wei­ter be­schäf­ti­gen will, muss er ihm ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag ge­ben. Bil­dungs­mi­nis­ter Clau­de Meisch ha­be in die­ser Sa­che ei­ne Kor­rek­tur vor­ge­nom­men und 63 die­ser Lehr­be­auf­trag­ten ei­nen un­be­fris­te­ten Ver­trag ge­ge­ben.

Im Ge­gen­satz zu re­gu­lä­ren Lehr­kräf­ten müss­ten die „Char­gés“sich je­des Jahr neu bei den Schu­len be­wer­ben, in der Hoff­nung, dort wei­ter­hin an­ge­stellt zu blei­ben. Des­halb for­der­ten die Ge­werk­schaf­ten, dass „Char­gés“, die „ei­ne Rei­he von Jah­ren in ei­ner Ge­mein­de sind“, dort blei­ben kön­nen, um „die Kon­ti­nui­tät und Sta­bi­li­tät zu ga­ran­tie­ren“.

Kein Ver­ständ­nis zeig­ten die Ge­werk­schaf­ten auch da­für, dass im Rah­men des Lehrer­man­gels zu Be­ginn des Jah­res of­fen­bar „lo­kal be­grenzt“ei­ni­ge Mit­ar­bei­ter nach ei­nem Lehr­gang von fünf Ta­gen statt vier Wo­chen ein­ge­stellt wor­den sind. In­for­ma­tio­nen hier­über sei­en aber schwer her­aus­zu­fin­den.

Der FNCTTFEL-Lan­des­ver­band und SEW/OGBL hät­ten nie ei­ne spe­zi­el­le Lauf­bahn für die Lehr­be­auf­trag­ten schaf­fen wol­len, er­klär­te die Ge­werk­schaft. Al­ler­dings sei es ei­ne Rea­li­tät, dass die Lehr­be­auf­trag­ten seit Jahr­zehn­ten da­zu bei­tra­gen, den Lehr­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten. Zu­dem warn­ten die Ge­werk­schaf­ten SEW/OGBL und Lan­des­ver­band, dass von den Lehr­be­auf­trag­ten vie­le in ab­seh­ba­rer Zeit in Ren­te ge­hen wür­den und da­mit wie­der ein Man­gel an Lehr­kräf­ten ent­ste­hen kön­ne, wenn nicht früh­zei­tig et­was un­ter­nom­men wer­de.

Pas­cal Han­sen, Ni­co Wenn­ma­cher, Isa­bel­le Bich­ler und Patrick Arendt von den Ge­werk­schaf­ten SEW und Lan­des­ver­band er­klär­ten die Si­tua­ti­on der „Char­gés“

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