Süd­afri­ka und Leh­ren

Tageblatt (Luxembourg) - - Unesco -

Wie in je­der Or­ga­ni­sa­ti­on gibt es auch bei der Unesco seit je­her po­li­ti­sche Kon­flik­te. Be­son­ders in­ter­es­sant ist die Tat­sa­che, dass Staa­ten prin­zi­pi­ell aus­tre­ten kön­nen, wenn ih­nen die Ori­en­tie­rung der Unesco nicht mehr ge­fällt. Al­ler­dings sind nicht nur die USA (sie­he S. 3) für ih­re „Motz“-Po­li­tik im Rah­men der Unesco be­kannt. Ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel hier­für ist Süd­afri­ka. Das Land kri­ti­sier­te sei­ner­seits die Unesco, sich zu sehr in sei­ne Po­li­tik ein­mi­schen zu wol­len. Das ab­scheu­li­che Apart­heid-Re­gime war durch hef­ti­gen Ras­sis­mus und Ras­sen­tren­nung ge­kenn­zeich­net.

Die Unesco hat­te be­reits 1949 ein Pro­gramm zur Be­kämp­fung von Ras­sis­mus ins Le­ben ge­ru­fen. Sie gab 1950 ei­ne Er­klä­rung ab, die sich kon­se­quent ge­gen die An­wen­dung des Be­griffs „Ras­se“auf Men­schen wen­de­te. Süd­afri­ka ver­ließ 1956 die Unesco. Im Ge­gen­satz zu den USA und der Pha­se von Rea­gan bis Bush soll­te es für Süd­afri­ka län­ger dau­ern. Erst mit dem En­de des Apart­heid-Re­gimes trat Süd­afri­ka der Unesco un­ter der Prä­si­dent­schaft Nel­son Man­de­las 1994 wie­der bei. Die Wahl Man­de­las war für vie­le schwar­ze Bür­ger mit Freu­den­trä­nen und Ju­bel ver­bun­den. Ge­ra­de das Bei­spiel Süd­afri­ka zeigt, dass die Unesco kei­ne der vie­len vor al­lem an hu­ma­ni­tä­rer Hil­fe aus­ge­rich­te­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ist. Sie ist viel­mehr ein tief po­li­ti­scher Ak­teur, der Staa­ten da­zu bringt, ihr wah­res Ge­sicht zu zei­gen, wenn sie sich in die Ecke ge­drängt füh­len.

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