Die SPD ist wie­der da

NIE­DER­SACH­SEN So­zi­al­de­mo­kra­ten ha­ben gu­te Chan­cen bei der Wahl am Sonn­tag

Tageblatt (Luxembourg) - - Deutschland - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Ul­rich Glau­ber, Ber­lin

Die deut­schen So­zi­al­de­mo­kra­ten schöp­fen nach ih­rem De­ba­kel bei der Bun­des­tags­wahl am 24. Sep­tem­ber neue Hoff­nung. In Nie­der­sach­sen könn­te ih­nen am Sonn­tag ein Ach­tungs­er­folg ge­lin­gen. Nicht je­den Tag ver­sam­meln sich drei Re­gie­rungs­chefs deut­scher Bun­des­län­der im Han­no­ve­ra­ner Stadt­teil Be­mero­de. Doch kurz vor der Land­tags­wahl wa­ren am Mitt­woch­nach­mit­tag die saar­län­di­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er so­wie ih­re Amts­kol­le­gen Ar­min La­schet aus Nord­rhein-West­fa­len und Vol­ker Bouf­fier aus Hes­sen in die nie­der­säch­si­sche Lan­des­haupt­stadt ge­kom­men, die vie­len als In­be­griff der deut­schen Pro­vinz gilt.

Sie woll­ten ih­ren CDU-Par­tei­freund Bernd Al­t­hus­mann vor der Land­tags­wahl am Sonn­tag in sei­nem Kampf ge­gen den Platz­hirsch Ste­phan Weil von der SPD un­ter­stüt­zen. Die CDU ha­be bei der Schluss­kund­ge­bung vor der Land­tags­wahl in Nord­rhein­West­fa­len (NRW) im ver­gan­ge­nen Mai eben­falls Kram­pKar­ren­bau­er und Bouf­fier auf­ge­bo­ten, sag­te La­schet. „Das Er­geb­nis ist be­kannt“, spiel­te der NRW-Mi­nis­ter­prä­si­dent auf die Re­gie­rungs­über­nah­me durch die Uni­on im frü­he­ren SPD-Stamm­land an.

Kopf-an-Kopf-Ren­nen

Um das Glei­che in Nie­der­sach­sen zu er­rei­chen, muss CDUSpit­zen­kan­di­dat Al­t­hus­mann al­ler­dings noch ge­hö­rig Dampf ma­chen. Nicht nur liegt sein Wi­der­part Ste­phan Weil bei der Fra­ge weit vor­ne, wen sich die knapp acht Mil­lio­nen Nie­der­sach­sen an der Spit­ze ih­rer Lan­des­re­gie­rung wün­schen. Auch in den Um­fra­gen ha­ben die So­zi­al­de­mo­kra­ten im Bun­des­land mit der zweit­größ­ten Flä­che hin­ter Bay­ern seit der Bun­des­tags­wahl stark auf­ge­holt.

Mit je­weils 33 Pro­zent der Prä­fe­ren­zen bei den knapp mehr als sechs Mil­lio­nen Wahl­be­rech­tig­ten zwi­schen Harz und Nord­see lie­fern sich SPD und CDU ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen. Soll­ten die So­zi­al­de­mo­kra­ten die Na­se vor­ne ha­ben, wä­re es die ers­te Ti­tel­ver­tei­di­gung seit der Wahl ih­res gran­di­os ge­schei­ter­ten Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz zum SPD-Bun­des­vor­sit­zen­den.

Die be­son­de­re Si­tua­ti­on der po­li­ti­schen Sze­ne in Hannover hat si­cher auch mit der selbst­zer­stö­re­ri­schen Hal­tung des nie­der­säch­si­schen Ab­le­gers der rechts­po­pu­lis­ti­schen Al­ter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) zu tun. Ge­gen den Wil­len des Lan­des­vor­sit­zen­den Ar­min-Paul Ham­pel wur­de die Im­mo­bi­li­en­mak­le­rin Da­na Guth zur Spit­zen­kan­di­da­tin für die Wahl am Sonn­tag be­stimmt. Zu­dem ma­chen Be­rich­te über Er­mitt­lun­gen, Ver­un­treu­un­gen und Geld­pro­ble­me ge­gen den ehe­ma­li­gen Fern­seh­kor­re­spon­den­ten Ham­pel die Run­de, des­sen Ver­trag als In­dien­be­richt­er­stat­ter von der ARD vor­zei­tig auf­ge­löst wor­den war.

Guth wur­de von der we­gen ih­res an­geb­lich selbst­herr­li­chen Füh­rungs­stils, den sie ih­rer­seits dem 60-jäh­ri­gen Ham­pel vor­wirft, aus der Göt­tin­ger Kreis­tags­frak­ti­on der AfD aus­ge­schlos­sen. Per Ge­richts­be­schluss er­zwang die 47-Jäh­ri­ge ih­re Wie­der­auf­nah­me.

Be­deu­tung der FDP

Die Strei­tig­kei­ten er­in­nern an die Vor­gän­ge bei der AfD auf Bun­des­ebe­ne. Ei­nen Tag nach der Bun­des­tags­wahl ver­ließ Bun­des­spre­che­rin Frau­ke Pe­try die AfDFrak­ti­on. Der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten, die in Sach­sen ein Di­rekt­man­dat für die AfD er­run­gen hat­te, war die ei­ge­ne Par­tei zu rechts­ra­di­kal ge­wor­den.

Par­al­le­len zwi­schen Hannover und der Ber­li­ner Haupt­stadt­po­li­tik könn­ten sich am Sonn­tag­abend nach Be­kannt­wer­den des Wah­l­er­geb­nis­ses auch in an­de­rer Hin­sicht noch zie­hen las­sen. Nach ge­gen­wär­ti­gem Stand der Um­fra­gen wird es in Nie­der­sach­sen für kein Zwei­er­bünd­nis rei­chen – au­ßer für ei­ne Ko­ali­ti­on von CDU und SPD. Ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on ist in Hannover nach ei­nem sehr hart ge­führ­ten Wahl­kampf schwer vor­stell­bar. Im­mer­hin hat­te der Wech­sel der Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ten El­ke Twes­ten zur CDU im Au­gust das Aus für die hauch­dün­ne Mehr­heit der bis­he­ri­gen rot­grü­nen Ko­ali­ti­on in Hannover be­deu­tet und die vor­ge­zo­ge­nen Neu­wah­len nach sich ge­zo­gen. So könn­te – ähn­lich wie nach ih­rer Re­nais­sance auf Bun­des­ebe­ne – die li­be­ra­le FDP auch im nie­der­säch­si­schen Land­tag neue Be­deu­tung als Züng­lein an der Waa­ge ge­win­nen.

Wahl­pla­ka­te in Hannover zei­gen die Por­träts von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD, r.) und sei­nem Her­aus­for­de­rer Bernd Al­t­hus­mann (CDU)

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