Vier Jahr­zehn­te im Di­ens­te der eu­ro­päi­schen Steu­er­zah­ler

KIRCH­BERG EU-Rech­nungs­hof fei­ert 40-jäh­ri­ges Be­ste­hen

Tageblatt (Luxembourg) - - Deutschland -

Vor 40 Jah­ren er­hielt die Eu­ro­päi­sche Uni­on ei­nen ei­ge­nen Rech­nungs­hof.

Die Rech­nungs­prü­fer nah­men dies ges­tern zum An­lass für ei­ne Fei­er im „Hé­mi­cy­cle“auf Kirch­berg. 20 Jah­re lang funk­tio­nier­te die 1957 ge­grün­de­te Eu­ro­päi­sche Wirt­schafts­ge­mein­schaft (EWG) oh­ne ei­ne ernst zu neh­men­de Kon­trol­le der EU-Aus­ga­ben. Erst auf Drän­gen des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, dem auch erst 1977 mehr Haus­halts­kom­pe­ten­zen zu­ge­bil­ligt wur­den – die Par­la­men­ta­ri­er muss­ten am En­de des Haus­halts­ver­fah­rens dem Ge­samt­haus­halt zu­stim­men – wur­de der Eu­ro­päi­sche Rech­nungs­hof im glei­chen Jahr ge­schaf­fen. Un­ter­stützt wur­den die Par­la­men­ta­ri­er da­bei von den na­tio­na­len Rech­nungs­prü­fern, wie der Prä­si­dent des EU-Rech­nungs­ho­fes, Klaus-Hei­ner Leh­ne, ges­tern wäh­rend der Fei­er er­klär­te.

Der ers­te Sitz des Ho­fes be­fand sich in der haupt­städ­ti­schen rue Al­d­rin­gen. Erst Jah­re spä­ter zog die Be­hör­de, die erst mit dem Maas­trich­ter Ver­trag 1992 zu ei­ner In­sti­tu­ti­on er­ho­ben wur­de, auf Kirch­berg.

Die Rech­nungs­prü­fer „da­für sor­gen, dass al­le EU-Aus­ga­ben der Re­chen­schafts­pflicht un­ter­lie­gen und von un­ab­hän­gi­ger Sei­te über­prüft wer­den“, sag­te Klaus-Hei­ner Leh­ne wei­ter. Er den­ke, die Bür­ger und Un­ter­neh­men sei­en der An­sicht, dass kein wei­te­rer Haus­halt mehr be­nö­tigt wer­de. Wo­mit sich der Rech­nungs­hof­prä­si­dent in­di­rekt ge­gen ei­nen in der Dis­kus­si­on ste­hen­den ei­ge­nen Haus­halt für die Eu­ro­zo­ne aus­sprach.

Statt­des­sen for­der­te der Prä­si­dent des Eu­ro­päi­schen Par­la­ments, An­to­nio Ta­ja­ni, dass der ge­gen­wär­ti­ge EU-Haus­halt auf­ge­stockt wird. Die Bür­ger wür­den zwar mehr Eu­ro­pa ver­lan­gen, doch sei dies mit den ge­gen­wär­ti­gen fi­nan­zi­el­len Mit­teln, die der EU zu­ge­stan­den wür­den – ein Pro­zent des EU-Brut­to­in­land­pro­dukts – nicht mach­bar, so der Ita­lie­ner. An­to­nio Ta­ja­ni sprach sich für mehr Ei­gen­mit­tel für die EU aus. Dies müs­se im Rah­men des Br­ex­it an­ge­gan­gen wer­den, denn mit dem Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens aus der Uni­on wür­de eben­falls we­ni­ger Geld in den EU-Haus­halt flie­ßen.

EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker, der ne­ben der est­ni­schen Prä­si­den­tin Ker­sti Kal­ju­laid eben­falls als Fei­er­tags­red­ner ge­la­den war, pflich­te­te sei­nem Vor­red­ner An­to­nio Ta­ja­ni bei. „Wir müs­sen da­für sor­gen, dass wir das Geld zur Ver­fü­gung ha­ben, das wir brau­chen“, so der Lu­xem­bur­ger, der an­kün­dig­te, dass die Kom­mis­si­on im Mai 2018 ih­ren Vor­schlag für den mehr­jäh­ri­gen Haus­halts­plan der EU für die Jah­re 2020 bis 2027 vor­le­gen wird.

Je­an-Clau­de Juncker wies eben­falls dar­auf hin, es sei in frü­hen Zei­ten des Auf­baus der Uni­on, ver­trag­lich fest­ge­hal­ten wor­den, dass al­le eu­ro­päi­schen Fi­nanz­in­sti­tu­tio­nen ih­ren Sitz in Lu­xem­burg ha­ben soll­ten. Er hof­fe da­her, dass in we­ni­gen Wo­chen die Ver­trags­treue der EU-Part­ner un­ter Be­weis ge­stellt wer­de – wo­mit der Kom­mis­si­ons­prä­si­dent auf die an­ste­hen­de Ent­schei­dung über die Ver­le­gung des Sit­zes der der­zeit noch in Lon­don an­säs­si­gen Eu­ro­päi­schen Ban­ken­auf­sicht (EBA) an­spiel­te. Lu­xem­burg hat sich um den Sitz der EBA be­wor­ben. Die Ent­schei­dung soll im No­vem­ber fal­len. gk

Ne­ben den zahl­rei­chen Gra­tu­lan­ten hat­ten sich das groß­her­zog­li­che Paar so­wie Lu­xem­burgs Pre­mier­mi­nis­ter Xa­vier Bet­tel zur 40-Jahr-Fei­er des EU-Rech­nungs­ho­fes im „Hé­mi­cy­cle“auf Kirch­berg ein­ge­fun­den

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