Schei­tert der Br­ex­it?

EU-AUS­TRITT Kein Durch­bruch bei Ver­hand­lun­gen

Tageblatt (Luxembourg) - - Deutschland - Von un­se­rem Kor­re­spon­den­ten Eric Bon­se, Brüs­sel

Kurz vor dem EU-Gip­fel ste­cken die Ver­hand­lun­gen in ei­ner Sack­gas­se. Lon­don denkt schon über das Worst-Ca­se-Sze­na­rio nach, Brüs­sel hofft noch auf ei­nen Durch­bruch. Bei den seit Mo­na­ten schlep­pen­den Ver­hand­lun­gen über den Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens hat die Eu­ro­päi­sche Uni­on ihr ers­tes Etap­pen­ziel ver­fehlt. Die Ge­sprä­che hät­ten nicht die nö­ti­gen Fort­schrit­te ge­bracht, um zur zwei­ten Ver­hand­lungs­pha­se über­zu­ge­hen, sag­te EU-Chef­un­ter­händ­ler Mi­chel Bar­nier nach dem Ab­schluss der fünf­ten Br­ex­it-Run­de in Brüs­sel. „Wir ste­cken in ei­ner Sack­gas­se.“

Ur­sprüng­lich war ge­plant, dass die Staats- und Re­gie­rungs­chefs der EU bei ih­rem Gip­fel­tref­fen in der kom­men­den Wo­che grü­nes Licht für die zwei­te Run­de ge­ben. Da­bei soll­te dann auch über die künf­ti­gen Be­zie­hun­gen zu Groß­bri­tan­ni­en (nach dem Aus­tritt im März 2019) und über ein Frei­han­dels­ab­kom­men dis­ku­tiert wer­den. Doch dar­aus wird nun nichts. Denn in den drei Kern­fra­gen gibt es im­mer noch kei­ne Ei­ni­gung. Am wei­tes­ten ist man of­fen­bar bei den Rech­ten der EUBür­ger in Groß­bri­tan­ni­en vor­an­ge­kom­men. „Hier gab es gu­te Fort­schrit­te, aber die Rech­te müs­sen auch ga­ran­tiert wer­den“, sag­te Bar­nier. Der bri­ti­sche Br­ex­it-Mi­nis­ter Da­vid Da­vis sprach so­gar von ei­nem mög­li­chen Er­folg.

„No Deal“-Sze­na­rio

Auch im Streit um die künf­ti­ge, mög­lichst of­fe­ne Gren­ze zwi­schen Ir­land und dem bri­ti­schen Nord­ir­land gab es ei­ne An­nä­he­rung. Voll­kom­men fest­ge­fah­ren sind die Ge­sprä­che da­ge­gen bei den Fi­nanz­for­de­run­gen. Die EU be­zif­fert die Schluss­rech­nung für den Br­ex­it auf 60 bis 100 Mil­li­ar­den Eu­ro, Groß­bri­tan­ni­en hat im­mer noch kei­ne Zah­len ge­nannt.

Zwar deu­te­te die bri­ti­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin The­re­sa May bei ei­ner Grund­satz­re­de in Flo­renz an, dass Lon­don be­reit sei, die Kos­ten für ei­ne mög­li­che Über­gangs­pha­se zu tra­gen. Sie wer­den auf rund 20 Mrd. Eu­ro ge­schätzt. May for­der­te die EU je­doch auch auf, schon jetzt über die künf­ti­gen Be­zie­hun­gen zu ver­han­deln.

Oh­ne sol­che Ge­sprä­che über die Zu­kunft lie­ßen sich auch die noch of­fen Fra­gen nicht klä­ren, be­ton­te auch Da­vis. Doch die EU ist nicht be­reit, von ih­rer – von al­len 27 ver­blei­ben­den Mit­glied­staa­ten be­schlos­se­nen – strik­ten Ver­hand­lungs­füh­rung ab­zu­wei­chen. Sie hofft nun auf ei­nen Durch­bruch bis Mit­te De­zem­ber, wenn der nächs­te EU-Gip­fel in Brüs­sel statt­fin­det.

Soll­te es dann im­mer noch nicht vor­an­ge­hen, könn­te der Br­ex­it je­doch zum Fi­as­ko wer­den – für bei­de Sei­ten. Denn dann droht der „Worst Ca­se“: ei­ne Schei­dung oh­ne Ei­ni­gung. In Lon­don re­det man schon of­fen über die­ses „No Deal“-Sze­na­rio. „Un­ser Ziel ist wei­ter­hin, ei­nen gu­ten Deal zu er­zie­len“, sag­te Da­vis in Brüs­sel. Es sei je­doch die Pflicht der bri­ti­schen Re­gie­rung, sich auf al­le Fäl­le vor­zu­be­rei­ten.

Bar­nier hat­te dem nicht viel ent­ge­gen­zu­set­zen. „Kein Deal wird ein sehr schlech­ter Deal sein“, sag­te er – und ver­schwand zum Mit­tag­es­sen in der Kom­mis­si­ons-Kan­ti­ne. Sei­nen bri­ti­schen Ver­hand­lungs­part­ner hat­te er nicht ein­ge­la­den. Da­vis war auch nicht viel höf­li­cher; er hat­te die ers­ten drei Ver­hand­lungs­ta­ge in Brüs­sel ge­schwänzt.

Newspapers in German

Newspapers from Luxembourg

© PressReader. All rights reserved.