EU sucht ei­nen Staats­an­walt

JUS­TIZ­MI­NIS­TER Neue Be­hör­de nimmt En­de 2020 Ar­beit auf

Tageblatt (Luxembourg) - - Deutschland -

Die Ar­bei­ten zur Schaf­fung ei­ner EU-Staats­an­walt­schaft kön­nen be­gin­nen. Die EU-Jus­tiz­mi­nis­ter ha­ben ges­tern bei ih­rem Tref­fen in Lu­xem­burg dem Pro­jekt de­fi­ni­tiv zu­ge­stimmt. Be­reits ver­gan­ge­ne Wo­che hat­te das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment er­war­tungs­ge­mäß dem Vor­ha­ben von 20 EU-Staa­ten, ei­ne eu­ro­päi­sche Staats­an­walt­schaft ein­zu­rich­ten, grü­nes Licht ge­ge­ben. Die gest­ri­ge Ent­schei­dung der EU-Jus­tiz­mi­nis­ter war nur noch ei­ne Form­sa­che.

Die EU-Staats­an­walt­schaft, die ih­ren Sitz in Lu­xem­burg ha­ben wird, soll sich vor­erst um Ver­ge­hen ge­gen die fi­nan­zi­el­len In­ter­es­sen der Uni­on küm­mern, das heißt Be­trugs- und Kor­rup­ti­ons­fäl­len nach­ge­hen, die sich zum Nach­teil des EU-Bud­gets aus­wir­ken. Zu­dem soll sie sich mit dem grenz­über­schrei­ten­den Mehr­wert­steu­er­be­trug be­fas­sen, durch den den EU-Staa­ten nach An­ga­ben der EU-Kom­mis­si­on jähr­lich bis zu 50 Mil­li­ar­den Eu­ro an Steu­er­ein­nah­men ver­lo­ren ge­hen wür­den.

Al­ler­dings dürf­te der Auf­ga­ben­be­reich der neu­en Jus­tiz­be­hör­de in den kom­men­den Jah­ren aus­ge­wei­tet wer­den. In sei­ner Re­de zur La­ge der EU hat­te EU-Kom­mis­si­ons­prä­si­dent Je­an-Clau­de Juncker be­reits ge­for­dert, die EUStaats­an­walt­schaft auch mit der Be­kämp­fung von Ter­ro­ris­mus und or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­li­tät zu be­fas­sen. Die Kom­mis­si­on soll nun bis Sep­tem­ber 2018 ei­ne Mit­tei­lung da­zu vor­le­gen, wie der est­ni­sche EU-Rats­vor­sit­zen­de Ur­mas Rein­sa­lu ges­tern in Lu­xem­burg er­klär­te.

An­fang 2019 soll mit der Su­che nach dem künf­ti­gen EU-Staats­an­walt be­gon­nen wer­den, sag­te die EU-Jus­tiz­kom­mis­sa­rin Ve­ra Jou­ro­va. Der Kan­di­dat soll­te un­ter an­de­rem in ei­ner Staats­an­walt­schaft in ei­nem der teil­neh­men­den Mit­glied­staa­ten ak­tiv sein. Die Aus­wahl wird von ei­nem Aus­schuss von elf Per­so­nen ge­trof­fen, dar­un­ter ehe­ma­li­ge Rich­ter am Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof, ehe­ma­li­ge Mit­glie­der des EU-Rech­nungs­hofs und Mit­glie­der na­tio­na­ler Ver­fas­sungs­ge­rich­te. Die Amts­zeit des EUStaats­an­walts wird sie­ben Jah­re be­tra­gen.

Im Rah­men der ver­stärk­ten Zu­sam­men­ar­beit wer­den nur 20 EU-Staa­ten die EU-Staats­an­walt­schaft an­er­ken­nen. Die üb­ri­gen EU-Län­der kön­nen sich die­ser Zu­sam­men­ar­beit je­doch je­der­zeit an­schlie­ßen. gk

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