Ver­söh­nung zwi­schen Fa­tah und Ha­mas

NAH­OST Pa­läs­ti­nen­ser-Re­gie­rung soll zum 1. De­zem­ber Kon­trol­le im Ga­za­strei­fen über­neh­men

Tageblatt (Luxembourg) - - Palästina - Em­ma­nu­el Pa­ris­se, Kairo

Hoff­nungs­schim­mer im kon­flikt­rei­chen Na­hen Os­ten: Nach jah­re­lan­gen Ri­va­li­tä­ten ha­ben die Pa­läs­ti­nen­ser­or­ga­ni­sa­tio­nen Fa­tah und Ha­mas ein Ver­söh­nungs­ab­kom­men ge­schlos­sen. Ver­tre­ter bei­der Sei­ten un­ter­zeich­ne­ten das Ab­kom­men am gest­ri­gen Don­ners­tag in Kairo. Kern­be­stand­teil der Ei­ni­gung ist, dass ei­ne pa­läs­ti­nen­si­sche Ein­heits­re­gie­rung spä­tes­tens zum 1. De­zem­ber die vol­le Kon­trol­le im Ga­za­strei­fen über­neh­men soll. Is­ra­els Mi­nis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu er­klär­te je­doch, die Aus­söh­nung wer­de Frie­dens­ge­sprä­che mit sei­nem Land er­schwe­ren.

Die ra­di­kal­is­la­mi­sche Ha­mas und die ge­mä­ßig­te Fa­tah von Pa­läs­ti­nen­ser­prä­si­dent Ab­bas stan­den sich jah­re­lang feind­lich ge­gen­über. In be­waff­ne­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen hat­te sich die Ha­mas im Ga­za­strei­fen ge­gen die Fa­tah durch­ge­setzt und ist dort seit 2007 an der Macht, wäh­rend die Fa­tah im West­jor­dan­land re­giert. Ziel der Ver­söh­nungs­ge­sprä­che, die un­ter dem Druck Ägyp­tens und un­ter Schirm­herr­schaft des ägyp­ti­schen Ge­heim­diens­tes zu­stan­de ge­kom­men wa­ren, wa­ren un­ter an­de­rem die Bil­dung ei­ner Ein­heits­re­gie­rung für die Pa­läs­ti­nen­ser­ge­bie­te so­wie Neu­wah­len.

Ab­bas sprach nun von ei­ner „end­gül­ti­gen Ver­ein­ba­rung“zur Bei­le­gung des Streits. Das Ver­söh­nungs­ab­kom­men sieht vor, dass die im West­jor­dan­land an­säs­si­ge Pa­läs­ti­nen­ser­be­hör­de bis spä­tes­tens zum 1. De­zem­ber die Kon­trol­le im Ga­za­strei­fen über­nimmt. Schon bald sol­len Ver­hand­lun­gen über die Bil­dung der Ein­heits­re­gie­rung an­ste­hen: Ver­schie­de­ne Pa­läs­ti­nen­ser­grup­pen sind für den 21. No­vem­ber zu Ge­sprä­chen nach Kairo ein­ge­la­den.

Nach An­ga­ben ei­nes an den Ver­hand­lun­gen be­tei­lig­ten De­le­gier­ten sol­len ge­mäß dem Ab­kom­men 3.000 Po­li­zis­ten der Au­to­no­mie­be­hör­de im Ga­za­strei­fen und an den Gren­zen zu Is­ra­el und Ägyp­ten sta­tio­niert wer­den.

Is­ra­el ge­gen Aus­söh­nung

Die Au­to­no­mie­be­hör­de, die in­ter­na­tio­nal an­er­kann­te Pa­läs­ti­nen­ser-Re­gie­rung, wird dem­nach er­mäch­tigt, „all ih­re Ver­ant­wor­tung im zi­vi­len und im Si­cher­heits­be­reich zu über­neh­men“. Nach An­ga­ben der Fa­tah-De­le­ga­ti­on wer­den die Po­li­zis­ten der Au­to­no­mie­be­hör­de ab 1. No­vem­ber die Grenz­kon­trol­len zwi­schen Ga­za und Is­ra­el über­neh­men.

Ne­tan­ja­hu er­klär­te im On­li­neDi­enst Face­book, die Aus­söh­nung von Ha­mas und Fa­tah wer­de den Frie­dens­pro­zess zwi­schen Pa­läs­ti­nen­sern und Is­ra­el nur er­schwe­ren. Is­ra­el sei ge­gen je­de Aus­söh­nung mit der „Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on“ Ha­mas, wenn die­se ih­re Waf­fen nicht ab­ge­be.

Zu­vor hat­te ein is­rae­li­scher Re­gie­rungs­mit­ar­bei­ter in ei­ner ers­ten Re­ak­ti­on auf die Aus­söh­nung er­klärt, die Ei­ni­gung müs­se die An­er­ken­nung Is­ra­els und ei­ne Ent­waff­nung der Ha­mas be­inhal­ten.

Die La­ge für die Be­völ­ke­rung in dem von Is­ra­el ab­ge­rie­gel­ten Ga­za­strei­fen hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren dras­tisch ver­schlech­tert. Zu den Haupt­pro­ble­men im Ga­za­strei­fen zäh­len laut UNO die ho­he Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit, der Trink­was­ser­man­gel und ei­ne schlech­te Ge­sund­heits­ver­sor­gung. Auch die Strom­ver­sor­gung ist äu­ßerst ein­ge­schränkt.

Die Ha­mas wird von Is­ra­el, den USA und der EU als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­ge­stuft. Das Ab­kom­men wur­de im Ga­za­strei­fen ge­fei­ert. Zahl­rei­che Be­woh­ner gin­gen spon­tan auf die Stra­ßen und schwenk­ten die pa­läs­ti­nen­si­sche Flag­ge.

(AFP)

Auf den Stra­ßen in Ga­za-Stadt wur­de die An­kün­di­gung der Aus­söh­nung zwi­schen den bei­den Or­ga­ni­sa­tio­nen ge­fei­ert

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