Zu­rück zu al­ten Ge­wohn­hei­ten

JEFF STRAS­SER Vor sei­nem zwei­ten Spiel als FCK-Trai­ner

Tageblatt (Luxembourg) - - Fussball - Pas­cal Gil­len

Auf sei­ner zwei­ten Trai­ner­sta­ti­on soll Jeff Stras­ser den vier­fa­chen Deut­schen Meis­ter aus Kai­sers­lau­tern aus der größ­ten Kri­se der Ver­eins­ge­schich­te füh­ren. Nach sei­nem ers­ten Sieg ge­gen Greu­ther Fürth (3:0) nutz­te der Lu­xem­bur­ger die Län­der­spiel­pau­se, um in ei­nem Test ge­gen sei­nen ehe­ma­li­gen Klub Fo­la Esch (4:0) den Spie­lern sei­nen Spiel­stil zu ver­mit­teln. Heu­te steht um 18.30 Uhr das nächs­te Spiel in der Li­ga ge­gen St. Pau­li an. Fünf Punk­te aus neun Spie­len, Platz 17 in der Ta­bel­le. Die Si­tua­ti­on für den 1. FC Kai­sers­lau­tern ist nicht ge­ra­de be­ru­hi­gend. Der 3:0-Sieg ge­gen die eben­falls ab­stiegs­be­droh­te Spvgg Greu­ther Fürth sorg­te bei Neu-Trai­ner Stras­ser aber auch nicht un­be­dingt für Ent­span­nung: ,,Wir wer­den jetzt kei­ne Freu­den­tän­ze ma­chen. Wir ha­ben ei­nen klei­nen Schritt nach vor­ne ge­macht“, sag­te Stras­ser bei Sky und warn­te zu­gleich: ,,Wir ha­ben noch viel Ar­beit vor uns.“

Wäh­rend der Län­der­spiel­pau­se be­strit­ten die Ro­ten Teu­fel ein Test­spiel ge­gen Fo­la, was dem Trai­ner gleich­zei­tig die Mög­lich­keit gab, sich von sei­ner al­ten Mann­schaft noch mal rich­tig zu ver­ab­schie­den. Sehr schnell war der Wech­sel von den Eschern zu Kai­sers­lau­tern über die Büh­ne ge­gan­gen, was Über­ra­schung bei den Spie­lern und im gan­zen Ver­ein aus­lös­te.

,,Man hat ei­ne Her­aus­for­de­rung be­kom­men, die man un­ter Zeit­druck hat an­neh­men müs­sen. Das sind Ter­mi­ne, die das ent­schei­den. Aber die Ent­schei­dung war schließ­lich die rich­ti­ge“, so der 43-Jäh­ri­ge.

Ne­ben dem sport­li­chen Sieg über die Fo­la war Stras­ser auch über das schnel­le Wie­der­se­hen und die Chan­ce, sich von der Mann­schaft zu ver­ab­schie­den, er­freut. ,,Na­tür­lich ha­be ich die Chan­ce wahr­ge­nom­men, mich von der Mann­schaft zu ver­ab­schie­den, oh­ne das über Mail oder Whats­app zu tun. Das war mir wich­tig.“

Mit laut­star­ken An­wei­sun­gen di­ri­giert Jeff Stras­ser das Trai­ning auf Deutsch und auf Eng­lisch. Über sei­ne An­kunft in Kai­sers­lau­tern ist Stras­ser glück­lich: ,,Es fühlt sich gut an, wie­der hier zu sein, aber es geht nicht um mei­ne Per­son. Es geht um den Ver­ein, es geht dar­um, der Mann­schaft zu hel­fen und sie wei­ter­zu­ent­wi­ckeln“. Be­son­ders wich­tig ist ihm, dass Dis­zi­plin und die al­ten Tu­gen­den vom Bet­zen­berg wie Kampf und Lei­den­schaft zu­rück in die Mann­schaft fin­den.

Stras­ser ar­bei­tet sehr de­tail­liert, ach­tet selbst bei An­spra­chen auf Ge­nau­ig­kei­ten. So spricht er im Ge­gen­satz zu sei­nem Vor­gän­ger Nor­bert Mei­er al­le Spie­ler in der Spra­che an, die sie ver­ste­hen. Die tak­ti­schen An­wei­sun­gen an sei­nen schwe­di­schen Stür­mer Sebastian An­ders­son vor dem Spiel ge­gen Fürth gab der Lu­xem­bur­ger dann auch auf Eng­lisch. Prompt schoss sel­bi­ger Spie­ler in neun Mi­nu­ten drei To­re.

Ei­ni­ges will Stras­ser in Kai­sers­lau­tern ver­än­dern, so woll­te er die Län­der­spiel-Pau­se vor al­lem da­zu nut­zen, den Fit­ness­zu­stand ei­ni­ger Spie­ler zu ver­bes­sern, den er kri­ti­sier­te.

83 Mal trug Stras­ser das FCKLo­go in Li­ga­spie­len auf der Brust, 17 Mal im UE­FA-Cup. Den Bet­zen­berg kennt er, das Um­feld und die Men­ta­li­tät eben­falls – ins­ge­samt scheint es mit Stras­ser und dem FCK zu pas­sen. Sie­ben Jah­re war Stras­ser Trai­ner in Esch, hat aber kei­ne Angst vor der spiel­stär­ke­ren 2. Bun­des­li­ga und den pro­fes­sio­nel­len Ge­ge­ben­hei­ten. ,,Man braucht nicht über den Un­ter­schied zur Fo­la zu spre­chen. Das hier ist das Um­feld, das ich ein Le­ben lang ge­kannt ha­be. Ei­ne Zeit lang zwar nicht, aber jetzt ist es wie­der da.“

Heu­te geht es dann ge­gen den FC St. Pau­li. Die Mann­schaft be­legt zur­zeit mit 16 Punk­ten den sechs­ten Rang. Wäh­rend die Ham­bur­ger aus­wärts aus vier Spie­len drei Sie­ge ein­fah­ren konn­ten, ist ih­re Heim­bi­lanz schwä­cher. Nur drei Punk­te aus drei Spie­len konn­te der Tra­di­ti­ons­ver­ein er­zie­len, man ver­lor so­gar 0:4 ge­gen In­gol­stadt. Viel­leicht ist ge­ra­de das die Chan­ce für den 1. FC Kai­sers­lau­tern, des­sen Ziel es ist, et­was Zähl­ba­res aus dem Ham­bur­ger Stadt­teil mit­zu­neh­men, um den An­schluss an die vor­de­ren Plät­ze wie­der­her­zu­stel­len.

Man braucht nicht über den Un­ter­schied zur Fo­la zu spre­chen. Das hier ist das Um­feld, das ich ein Le­ben lang ge­kannt ha­be. Ei­ne Zeit lang zwar nicht, aber jetzt ist es wie­der da.

Jeff Stras­ser

Stras­ser setzt beim FCK auf Dis­zi­plin und die klas­si­schen Tu­gen­den vom Bet­zen­berg

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