Auf­fäl­li­ge Posts auf Face­book

PRO­ZESS Zehn An­ge­klag­te we­gen Rausch­gift­han­dels vor den Rich­tern

Tageblatt (Luxembourg) - - Faits De Société - Phil­ip­pe Ham­mel­mann

Vor Ge­richt wur­de am gest­ri­gen Don­ners­tag der Pro­zess ge­gen zehn An­ge­klag­te fort­ge­setzt, die sich un­ter an­de­rem we­gen Rausch­gift­han­dels ver­ant­wor­ten müs­sen.

Dem Haupt­be­schul­dig­ten dro­hen bis zu 20 Jah­re Haft.

LU­XEM­BURG Haupt­an­ge­klag­ter ist der 32-jäh­ri­ge B. Zwi­schen 2012 und 2015 sol­len die Be­schul­dig­ten tä­tig ge­we­sen sein. B. wird vor­ge­wor­fen, im gro­ßen Stil un­ter an­de­rem mit Dro­gen (160 kg Ma­ri­hua­na so­wie ki­lo­wei­se Ko­ka­in und Speed) und Au­tos ge­han­delt zu ha­ben.

Das Rausch­gift soll von meh­re­ren Kom­pli­zen, die sich eben­falls auf der An­kla­ge­bank be­fin­den, aus den Nie­der­lan­den und Bel­gi­en im­por­tiert wor­den sein. Ver­kauft wur­de die Wa­re so­wohl in Lu­xem­burg als auch in den Nach­bar­län­dern. B. soll mit dem il­le­ga­len Han­del rund 1,36 Mil­lio­nen Eu­ro ver­dient ha­ben.

Zu Be­ginn des gest­ri­gen Pro­zes­ses stell­te sich her­aus, dass der Haupt­an­ge­klag­te B. nicht an­we­send war. Der Grund: kei­ne Lust mehr. Sein Rechts­an­walt Me Arn­aud Ran­zen­ber­ger er­klär­te dem Rich­ter­gre­mi­um, sein Man­dant ha­be ihm am Mitt­woch­abend mit­ge­teilt, nicht mehr am Pro­zess teil­neh­men zu wol­len. Ins­ge­samt fehl­ten ges­tern fünf von zehn Be­schul­dig­ten. „Ich hof­fe, den An­ge­klag­ten ist der Ernst der La­ge be­wusst“, be­ton­te der Rich­ter.

Der zu­stän­di­ge Er­mitt­ler, der sich mit dem Ko­ka­in­han­del be­fass­te, schil­der­te, dass B. und drei wei­te­re Be­schul­dig­te zwi­schen 2012 und 2014 im­mer wie­der Kon­takt zu den Hells An­gels hat­ten. K., ein Kom­pli­ze von B., gab wäh­rend der po­li­zei­li­chen Ver­neh­mung an, von ei­nem il­le­ga­len Han­del ge­wusst zu ha­ben, aber nicht, dass es sich um Ko­ka­in han­del­te. „Ein­mal ha­be ich B. da­nach ge­fragt, was sich in ei­nem der Päck­chen be­fand. Er ant­wor­te­te nur, dass man so ei­ne Fra­ge nie stel­len darf“, so K.s An­ga­ben bei der Po­li­zei.

Die Dro­gen sol­len un­ter an­de­rem in ei­ni­gen Dis­ko­the­ken in der Haupt­stadt ver­kauft wor­den sein. Bei ei­ner der Über­ga­ben han­del­te es sich an­geb­lich um Bio-Milch­pul­ver und nicht um Ko­ka­in. Bei der Po­li­zei mach­ten die bei­den wi­der­sprüch­li­che Aus­sa­gen.

Nur durch den Ein­satz von ver­deck­ten Er­mitt­lern und durch Te­le­fon­über­wa­chun­gen konn­te die Po­li­zei der Ban­de auf die Sch­li­che kom­men. Vier Jah­re lang be­schäf­tig­ten sich die Be­am­ten mit dem Fall. „Bei den Ver­neh­mun­gen wur­de uns klar, dass B. und K. sich ab­ge­spro­chen hat­ten, doch ei­ni­ge De­tails hat­ten sie nicht be­rück­sich­tigt“, so der Er­mitt­ler. Zu­dem er­klär­te der Po­li­zei­be­am­te, dass auf Face­book im­mer wie­der auf­fäl­li­ge Posts von B. auf­tauch­ten.

5.000 Freun­de

„Er hat­te rund 5.000 Freund­schaf­ten auf Face­book, ähn­lich vie­le wie Pre­mier­mi­nis­ter Xa­vier Bet­tel. Wenn B. ei­nen Lu­xus­ar­ti­kel oder ei­nen neu­en Wa­gen kauf­te, prahl­te er da­mit bei sei­nen Freun­den über Face­book. Er ge­noss es, an­er­kannt zu sein“, sag­te ein Po­li­zei­be­am­ter.

Dem An­ge­klag­ten wird auch il­le­ga­ler Au­to­han­del vor­ge­wor­fen. B. hat­te zwi­schen 2013 und 2015 ein Ver­hält­nis mit Lau­ra S. Die­se muss sich eben­falls vor den Rich­tern ver­ant­wor­ten. B. soll ihr des Öf­te­ren Bar­geld ge­ge­ben und ihr ein Lu­xus­le­ben er­mög­licht ha­ben.

Der Po­li­zei er­klär­te die Frau, sie ha­be im­mer ge­dacht, das Geld stam­me von den Au­to­ver­käu­fen. Von dem il­le­ga­len Rausch­gift­han­del wuss­te sie an­geb­lich nichts. B. soll sei­ne da­ma­li­ge Part­ne­rin eben­falls er­presst ha­ben und ihr zum Teil auch ge­droht ha­ben. Die­se er­stat­te­te so­gar An­zei­ge bei der Po­li­zei ge­gen ihn.

In der Ak­te geht auch im­mer wie­der die Re­de über die ein­zel­nen Ver­stri­ckun­gen, die die An­ge­klag­ten zu den Hells An­gels hat­ten. Der Er­mitt­ler schluss­fol­ger­te, dass B. Mit­glied der Ban­de wur­de, um sich fi­nan­zi­ell zu be­rei­chern. „Von Mai 2012 bis zum Jahr 2014 war er Mit­glied beim Mo­tor­rad­club und er hat die­se Mit­glied­schaft als Sprung­brett für sei­ne spä­te­re Kar­rie­re als Rausch­gift­händ­ler ge­nutzt. Ei­ne Mit­glied­schaft bei den Hells An­gels ist nicht für je­der­mann zu­gäng­lich. Auch hat er dort den Mit­an­ge­klag­ten P. ken­nen­ge­lernt, der ein 'full mem­ber' war. B. hin­ge­gen war Pro­s­pect. P. soll das Ko­ka­in über den Ha­fen von Ant­wer­pen nach ganz Eu­ro­pa ge­bracht ha­ben. Ge­gen ihn läuft zur­zeit ein ähn­li­ches Ver­fah­ren in Bel­gi­en. Die Re­de geht von 900 Ki­lo­gramm Ko­ka­in, die aus Ecua­dor nach Eu­ro­pa ge­schleust wur­den. Das Ziel der Ban­de war ein­deu­tig, sich fi­nan­zi­ell zu be­rei­chern“, sag­te der Er­mitt­ler. Auch gab der Po­li­zei­be­am­te an, das Ko­ka­in sei von ei­ner sehr gu­ten Qua­li­tät ge­we­sen. Der Ver­kaufs­preis lag zwi­schen 29.000 und 31.000 Eu­ro pro Ki­lo.

An­schlie­ßend er­klär­te je­ner Er­mitt­ler, der die fi­nan­zi­el­le Si­tua­ti­on von B. un­ter­sucht hat­te, die Vor­ge­hens­wei­se des An­ge­klag­ten. „Die Aus­ga­ben wur­den meis­tens in bar ge­tä­tigt. Fakt ist, dass es B. fi­nan­zi­ell sehr gut ging, oh­ne ei­ner le­ga­len Ar­beit nach­zu­ge­hen. Un­ter an­de­rem be­saß er ei­nen Por­sche 911 Tur­bo und meh­re­re Ro­lex“, so der Be­am­te.

Am kom­men­den Di­ens­tag wird der Er­mitt­ler auf al­le De­tails ein­ge­hen, wie B. zu sei­nem Ver­mö­gen ge­kom­men ist.

Auf Face­book prahl­te B. mit sei­nen Lu­xus­wa­gen

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