Ein Le­ben für die So­li­da­ri­tät

De Kon­ze Jo­sy gëtt 80

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Ro­bert Schnei­der

Der Ge­werk­schaf­ter und so­zia­lis­ti­sche Po­li­ti­ker Jo­sy Konz fei­ert heute sei­nen 80. Ge­burts­tag. Ein Por­trät des lang­jäh­ri­gen Lan­des­ver­bands-Prä­si­den­ten und ExBür­ger­meis­ters von Ma­mer.

Auf die Fra­ge, ob er sich eher als Ge­werk­schaf­ter oder als Po­li­ti­ker ge­se­hen hat, ant­wor­tet der ehe­ma­li­ge FNCTTFEL-Prä­si­dent und Ma­mer Bür­ger­meis­ter oh­ne Zö­gern. Die po­li­ti­sche Lauf­bahn ha­be er im­mer als Mit­tel ge­se­hen, ge­werk­schaft­li­che For­de­run­gen durch­zu­set­zen, so Jo­sy Konz, der heute 80 wird. In­ter­views für ein Por­trät dau­ern ge­mein­hin ei­ne knap­pe St­un­de, mit Jo­sy Konz sa­ßen wir zwei­ein­halb St­un­den zu­sam­men und hat­ten den­noch nicht al­le Aspek­te, die viel­fäl­ti­gen Fel­der sei­nes En­ga­ge­ments, be­han­delt.

Lang­jäh­ri­ger Prä­si­dent des FNCTTFEL-Lan­des­ver­ban­des, der noch vor Kur­zem beim jüngs­ten Kon­gress sei­ner Ge­werk­schaft das Wort er­griff und für ei­ne ge­wis­se Be­geis­te­rung bei den De­le­gier­ten sorg­te, Ma­mer Bür­ger­meis­ter, der, nach­dem „Par­tei­freun­de“ihm die In­dus­trie­müll­de­po­nie „Ha­ebicht“ins kom­mu­na­le Nest le­gen woll­ten, mit dem ge­sam­ten Schöf­fen­rat de­mis­sio­nier­te, aber auch am­bi­tio­nier­ter Rad­fah­rer, der sich in sei­ner Ju­gend un­ter die ers­ten 30 bei der Flè­che du Sud plat­zie­ren konn­te und noch bis vor ei­ni­gen Jah­ren re­gel­mä­ßig trai­nier­te: Konz ist ei­ne fa­cet­ten­rei­che Per­sön­lich­keit.

Fo­to­gra­fi­sches Ge­dächt­nis

Er be­ein­druckt auch mit 80 noch durch sei­ne um­fang­rei­che Kennt­nis der Dos­siers und sei­nen fo­to­gra­fi­schen Ge­dächt­nis wäh­rend des Ge­sprächs. Er nennt, oh­ne zu zö­gern, mehr­stel­li­ge Dos­si­er­num­mern von eu­ro­päi­schen Re­gle­men­ten zu Stra­ßen- und Bahn­trans­port aus den 70ern und 80ern des letz­ten Jahr­hun­derts, be­schreibt meh­re­re Jahr­zehn­te zu­rück­lie­gen­de Ge­sprä­che mit Weg­ge­fähr­ten, von de­nen ei­ni­ge längst ver­stor­ben sind, als hät­ten sie ver­gan­ge­ne Wo­che statt­ge­fun­den.

Die Lis­te der Na­men, die wäh­rend der Un­ter­re­dung vor­kom­men, liest sich wie das „Who’s Who“der lin­ken Be­we­gung und ganz all­ge­mein der po­li­ti­schen und wirt­schaft­li­chen Ent­schei­der im Lan­de. Al­bert Bous­ser, Ro­ger De­muth, Ro­by Meis, Mar­cel Arendt, Wil­ly Don­de­lin­ger, John Ca­s­tegna­ro, Will Hoff­mann, Fons Hild­gen, Jac­ques Poos, Paul Sch­mit, Jac­ques Leurs, Jo­sy Bart­hel, Re­né Ble­ser, Ni­co Wenn­ma­cher, Joh­ny Lahu­re, Ro­bert Go­eb­bels, Jean­not Schnei­der ... Die Lis­te lie­ße sich be­lie­big fort­set­zen, Jo­sy Konz ist ein le­ben­di­ges Nach­schla­ge­werk der so­zia­len und po­li­ti­schen Ge­schich­te des Lan­des und müss­te ei­gent­lich per­ma­nen­tes Stu­di­en­ob­jekt der an­ge­hen­den Po­li­to­lo­gen an der Uni Lu­xem­burg sein. Die Hin­ter­grün­de zahl­rei­cher Ent­schei­dun­gen und Ent­wick­lun­gen im Nach­kriegs-Lu­xem­burg kennt er wie nur noch we­ni­ge an­de­re.

Nach­dem er vor ei­nem Vier­tel­jahr­hun­dert ei­ne Krebs­er­kran­kung be­siegt hat (vgl. un­ten ste­hen­den Rah­men), ist er in her­vor­ra­gen­der Form.

Nicht ganz ty­pisch für sei­ne Ge­werk­schaf­ter­ge­ne­ra­ti­on ist er Trink­ge­la­gen im­mer aus dem We­ge ge­gan­gen, ge­nießt zwar ger­ne, aber in Ma­ßen und hat sei­nen „Ka­me­ra­den“ger­ne spät­abends das schank­wirt­schaft­li­che Feld über­las­sen, wenn „oh­ne­hin nichts Ver­nünf­ti­ges mehr pas­sier­te“, und ach­te­te all­ge­mein auf ei­ne gu­te Le­bens­hy­gie­ne, trieb re­gel­mä­ßig Sport ...

Das ge­werk­schaft­li­che En­ga­ge­ment, das Konz wie be­schrie­ben stets über die po­li­ti­sche Kar­rie­re stell­te, wur­de ihm prak­tisch in die Wie­ge ge­legt. Sein Groß­va­ter (Jos. Konz) war Grün­dungs­mit­glied der Ei­sen­bah­ner­ge­werk­schaft.

Nach dem Krieg wur­de er – der lie­ber wei­ter zur Schu­le ge­gan­gen wä­re – von sei­nem Va­ter an­ge­hal­ten (die Zei­ten wa­ren schlecht, Jo­sy war der äl­tes­te von drei Söh­nen), jung ar­bei­ten zu ge­hen. Er konn­te den­noch ei­ne kom­mer­zi­el­le Be­rufs­leh­re ab­sol­vie­ren und ar­bei­te­te sich – auch we­gen zahl­rei­cher Abend­kur­se, die er be­such­te – bis zum Di­vi­si­ons­in­spek­tor hoch.

Ge­för­dert durch Al­bert Bous­ser, der sein ge­werk­schaft­li­ches Ta­lent früh er­kann­te, mach­te er ei­ne fa­cet­ten­rei­che ge­werk­schaft­li­che Kar­rie­re, de­ren Hö­he­punk­te für ihn der ge­won­ne­ne Kampf zur Ret­tung und – dies ist ihm wich­tig – zur Mo­der­ni­sie­rung sprich Elek­tri­fi­zie­rung der Nord­stre­cke, aber auch die Schaf­fung des „Fonds du rail“, zu des­sen Initia­to­ren er ge­hört. Das po­li­ti­sche In­ter­es­se führ­te ihn u.a. in die „Jeu­nesse de la gau­che“. Den so­li­da­ri­schen pro­gres­sis­ti­schen Ge­dan­ken be­wahr­te er sich bis heute.

Es blie­be noch viel zu sa­gen zu Jo­sy Konz, zu sei­ner Freund­schaft mit dem ver­stor­be­nen OGBL-Prä­si­den­ten John Ca­s­tegna­ro, zu dem aus­ge­schla­ge­nen Pos­ten als Chef de Ga­re des Haupt­bahn­hofs oder als Mit­glied des Staats­ra­tes. Mehr hier­über dann in fünf oder zehn Jah­ren ...

Gut in Form und recht ge­las­sen: Jo­sy Konz fei­ert sei­nen 80. Ge­burts­tag auf ei­nem Kreuz­fahrt­schiff in der Ka­ri­bik. Wir gra­tu­lie­ren.

Jo­sy Konz (l.) zu­sam­men mit sei­nem Weg­ge­fähr­ten John Ca­s­tegna­ro und mit Staats­mi­nis­ter Pier­re Wer­ner (1980)

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