Die mo­der­ne Tram: mehr als nur ein Be­för­de­rungs­mit­tel

URBANISMUS Ei­ne mo­der­ne Stra­ßen­bahn ist mehr als nur ein Trans­port­mit­tel

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Fran­cis Wa­gner

Ei­ne Tram ist zu­nächst ein­mal da­zu da, Men­schen zu be­för­dern. Klar. Aber je­ne Trams, die seit et­wa 30 Jah­ren in Eu­ro­pa neu ent­ste­hen, ge­hen dar­über hin­aus: Sie sind Teil ei­nes ur­ba­nis­ti­schen Ge­samt­kon­zep­tes. Wer tra­di­tio­nel­le Stra­ßen­bahn­net­ze et­wa in Deutsch­land be­nutzt, wird fest­stel­len, dass hier die Trams ei­ner rein funk­tio­na­len Gestal­tung un­ter­lie­gen: Das Ding soll Men­schen trans­por­tie­ren.

Und weil Schön­heit in kei­ner Wei­se da­zu bei­trägt, die­se Auf­ga­be bes­ser zu be­wäl­ti­gen, kommt ihr letzt­end­lich auch nur ei­ne nach­ran­gi­ge Be­deu­tung zu.

Des­halb sind dort die Trieb­wa­gen auch meist mit grot­ten­häss­li­cher Re­kla­me zu­ge­pflas­tert.

Die neu­en „Tram­ways à la françai­se“, wie sie seit 30 Jah­ren in Dut­zen­den eu­ro­päi­schen Städ­ten ent­stan­den sind (oder noch ent­ste­hen wer­den), sol­len sich da­ge­gen mög­lichst harmonisch in das Stadt­bild ein­fü­gen.

Ei­ne schö­ne Stadt hat auch ei­ne schö­ne Tram­way ver­dient und des­halb wird bei die­sen Trams auch sehr viel Wert auf gu­tes De­sign ge­legt.

Ei­ne neue Tram gibt den Men­schen die Stadt zu­rück, nach­dem der Mo­loch Au­to­mo­bil sich ih­rer, wäh­rend der Epo­che, als die Ver­kehrs­po­li­tik vom Wahn der au­to­ge­rech­ten Stadt be­fal­len war, kra­ken­haft be­mäch­tigt hat­te.

Wo ei­ne neue Tram ent­steht, wird da­her auch viel Wert auf ih­re Kom­ple­men­ta­ri­tät zur „Mo­bi- lité douce“ge­legt: Fuß­gän­ger und Rad­fah­rer sind na­tür­li­che Al­li­ier­te der Tram. All­ge­mein zeigt die Er­fah­rung, dass ei­ne mo­der­ne Tram die Städ­te fühl­bar le­bens­wer­ter macht.

Die Tram lädt zum Fla­nie­ren ein

Die mo­der­ne Stra­ßen­bahn ist ei­ne Art mo­bi­ler Bür­ger­steig. Sie lädt au­ßer­halb der Rush­hour zum Fla­nie­ren und Shop­pen ein und wird vom Pu­bli­kum zwang­los im „hop-on, hop-off“-Mo­dus ge­nutzt. Se­hen und ge­se­hen wer­den ist bei die­sem mo­der­nen ur­ba­nen Fort­be­we­gungs­mit­tel wich­tig: Von da­her auch die groß­zü­gig di­men­sio­nier­ten Fens­ter, wel­che die Stadt für die Pas­sa­gie­re er­leb­bar ma­chen.

Die Lux­t­rams sind „in­te­gral nie­der­flu­rig“aus­ge­legt, was heißt, dass beim Ein- und Aus­stieg so­wie im In­ne­ren des Fahr­zeu­ges kei­ner­lei Stu­fen zu über­win­den sind (der Fuß­bo­den wird von der Fir­ma Mon­do aus Foetz ge­lie­fert). Mit Span­nung darf man aber nun drauf war­ten, wie die Lux­tram von den Pas­sa­gie­ren auf­grund ih­res Fahr­er­leb­nis­ses be­wer­tet wer­den wird.

Bei neu­en Tram­sys­te­men wird viel Wert auf De­sign ge­legt: In ei­ne schö­ne Stadt ge­hört ei­ne schö­ne Stra­ßen­bahn

Zum Ver­gleich: Bei tra­di­tio­nel­len Trams be­gnügt man sich wie bei den meis­ten Stadt­bus­sen auf ei­ne recht schlich­te In­nen­aus­stat­tung, oh­ne gro­ße ge­stal­te­ri­sche An­sprü­che. Hier der Typ Tran­s­tech Ar­tic für das Me­ter­spur-Netz von Hel­sin­ki.

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