Knack­punkt „Schu­le-Ar­beit“

MO­BI­LI­TÄTS-STU­DIE Gro­ße In­ves­ti­tio­nen ma­chen sich be­zahlt

Tageblatt (Luxembourg) - - Vorderseite - Ser­ge Ken­ner­knecht

Ei­ne neue Mo­bi­li­täts­stu­die be­stä­tigt: Die meis­ten Pro­ble­me auf Lu­xem­burgs Stra­ßen gibt es zwi­schen 6.00 und 9.30 Uhr, we­gen des Be­rufs­ver­kehrs und des Schü­ler­trans­ports.

Ei­ne neue Mo­bi­li­täts­stu­die be­stä­tigt: Die meis­ten Pro­ble­me auf Lu­xem­burgs Stra­ßen gibt es am Mor­gen zwi­schen 6.00 und 9.30 Uhr. Haupt­säch­lich, weil hier Be­rufs­ver­kehr und Schü­ler­trans­port zu­sam­men­fal­len. 73% der Be­schäf­tig­ten in Lu­xem­burg, Ein­hei­mi­sche und Grenz­gän­ger, be­ge­ben sich mit ih­rem Wa­gen zur Ar­beit. Nur 19% grei­fen auf den öf­fent­li­chen Trans­port zu­rück, um dort­hin zu ge­lan­gen. Zwi­schen 7.00 und 9.00 Uhr sind al­lei­ne über 110.000 Au­tos un­ter­wegs, um Men­schen zur Ar­beit zu brin­gen. Zur un­ge­fähr glei­chen Zeit er­reicht auch der Schü­ler­trans­port sei­nen mor­gend­li­chen Hö­he­punkt. Dass da­bei, be­son­ders in der Haupt­stadt, die Bus­se ei­ne er­heb­li­che Rol­le ein­neh­men, ist be­kannt. Dass der An­teil an Schü­lern (38%), die auf den öf­fent­li­chen Trans­port zu­rück­grei­fen, vom An­teil je­ner, die mit dem Pri­vat­wa­gen zur Schu­le fah­ren oder ge­fah­ren wer­den (39%), über­trof­fen wird, ist dann doch ei­ne Er­kennt­nis, die über­rascht. Um­so mehr, als die We­ge zur Schu­le in Lu­xem­burg im All­ge­mei­nen doch eher kurz und die meis­ten Ge­bäu­de gar zu Fuß zu er­rei­chen sind. Was von im­mer­hin 21% der Schü­ler auch so ge­hal­ten wird.

Für Trans­port­mi­nis­ter François Bausch, der ges­tern ei­ne neue Mo­bi­li­täts­stu­die vor­stell­te, ist be­son­ders in die­sem Be­reich noch viel Ver­bes­se­rungs­spiel­raum in Sa­chen Ver­kehrs­dich­te. Das Haupt­pro­blem für die meis­ten El­tern schei­ne die Si­cher­heit auf dem Schul­weg zu sein. Hier kön­ne man den He­bel an­set­zen. Ei­nen Schul­weg si­cher zu ge­stal­ten, müs­se nicht un­be­dingt viel Geld kos­ten. Oft kön­ne man mit we­ni­gen Mit­teln ei­ni­ges be­wir­ken. Hier sieht der Mi­nis­ter vor al­len Din­gen die Ge­mein­den in der Ver­ant­wor­tung, die für si­che­re Schul­we­ge zu­stän­dig sind.

Ein wei­te­rer An­satz zu ei­ner Ver­bes­se­rung der La­ge könn­ten an­de­re Un­ter­richts­zei­ten sein. Nicht der ge­sam­te Un­ter­richt müs­se un­be­dingt um 8.00 Uhr be­gin­nen, so Bausch. Mit dem zu­stän­di­gen Un­ter­richts­mi­nis­te­ri­um lau­fen be­reits dies­be­züg­li­che Ge­sprä­che. Dort wä­re man ei­ner ge­wis­sen Fle­xi­bi­li­tät ge­gen­über nicht ab­ge­neigt.

Ne­ben Be­rufs- und dem Schul­ver­kehr ge­sellt sich am frü­hen Mor­gen auch die pri­va­te Mo­bi­li­tät hin­zu. Vie­le sind un­ter­wegs zu Ter­mi­nen wie Arzt- oder an­de­re Be­su­che, die an­de­ren er­le­di­gen Ein­käu­fe. Die­se drei Ka­te­go­ri­en zu­sam­men be­wir­ken, dass zwi­schen 6.00 und 9.00 Uhr ins­ge­samt über 190.000 Fahr­zeu­ge im Lan­de un­ter­wegs sind. Ge­gen Fei­er­abend dann ein ähn­li­ches Bild. Da der Schul­trans­port nach­mit­tags je­doch bes­ser ver­teilt ist, wer­den hier zu Spit­zen­zei­ten (16.00-18.30 Uhr) 150.000 Fahr­zeu­ge ge­zählt.

Re­el­le Zah­len

Trotz al­ler Pro­ble­me zeigt sich Bausch zu­frie­den. Lag der 2012 fi­xier­te und für 2020 an­ge­streb­te „Mo­dal Split“(An­teil der ein­zel­nen Ver­kehrs­mit­tel am Ge­samt­trans­port) für Au­tos bei 56%, so liegt er heute be­reits bei 69%. Bei Fuß­gän­gern wa­ren 25% an­ge­setzt, er­reicht wur­den 14%. Und beim öf­fent­li­chen Trans­port wur­den bis heute von den an­ge­streb­ten 19% im­mer­hin 17% er­reicht. Dies be­stä­ti­ge auch die Ent­wick­lung bei der Bahn, die im Zei­t­raum von 2010-2017 ein Kun­den­zu­wachs von 60% fest­hielt. „Wenn man den Leu­ten Al­ter­na­ti­ven bie­tet, dann neh­men sie sie auch an“, so Bausch. Gro­ße In­ves­ti­tio­nen in die Ver­kehrs­pro­ble­ma­tik wür­den sich dem­nach be­zahlt ma­chen. Die neue Stu­die will Bausch nun nut­zen, um noch vor Os­tern ein neu­es Mo­dal-Kon­zept 2.0 für den Zei­t­raum bis 2030 aus­zu­ar­bei­ten. Dies soll dann den Ab­ge­ord­ne­ten vor­ge­legt wer­den, ehe Bausch im Mai nächs­ten Jah­res ei­ne de­fi­ni­ti­ve Ver­si­on vor­stel­len wird.

Die letz­ten Stu­di­en wur­den 1995 (Ein­hei­mi­sche) und 1997 (Grenz­gän­ger) er­stellt. Seit­her stieg die Ein­woh­ner­zahl in Lu­xem­burg um 125.000, die Zahl der Ar­beits­stel­len um 205.000 und die Zahl der Grenz­gän­ger um 125.000. Für Bausch ist wich­tig, dass bei dem „Mo­dal Split 2030“zum ers­ten Mal auf re­el­le Zah­len zu­rück­ge­grif­fen wer­den kön­ne. Das vor­he­ri­ge Mo­dell be­ruh­te auf Schät­zun­gen.

Zu Spit­zen­stun­den wird es eng auf Lu­xem­burgs Stra­ßen

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