Die Spit­zen­grup­pe: Mon­te­ne­gro und Ser­bi­en

Tageblatt (Luxembourg) - - Westbalkan -

Hoff­nungs­froh hat Brüs­sel Mon­te­ne­gro und Ser­bi­en für 2025 ei­nen Bei­tritt in Aus­sicht ge­stellt. Doch ge­ra­de de­ren Bei­spiel zeigt, dass die­se zwar an den Seg­nun­gen des ge­mein­sa­men Markts und des Brüs­se­ler Sub­ven­ti­ons­füll­horns, aber kaum an Rechts­staat, Me­di­en­frei­heit und un­ab­hän­gi­gen In­sti­tu­tio­nen in­ter­es­siert sind.

For­mal am wei­tes­ten ist das seit 2006 un­ab­hän­gi­ge Mon­te­ne­gro. Bei den 2012 auf­ge­nom­me­nen Bei­tritts­ver­hand­lun­gen hat Pod­go­ri­ca 30 von 33 Ka­pi­teln er­öff­net und drei ab­ge­schlos­sen. Zwar ist der Eu­ro seit 2002 in Mon­te­ne­gro ge­nau­so wie im Ko­so­vo of­fi­zi­el­les Zah­lungs­mit­tel. Doch der von Ma­fia-Abrech­nun­gen er­schüt­ter­te Küs­ten­staat scheint v.a. in Sa­chen des la­xen Kampfs ge­gen die or­ga­ni­sier­te Kri­mi­na­li­tät so­wie der Si­che­rung rechts­staat­li­cher Ver­hält­nis­se und Pres­se­frei­heit nicht bei­tritts­reif.

Lan­ge war es die man­gel­haf­te Ko­ope­ra­ti­on mit dem UN-Kriegs­ver­bre­cher­tri­bu­nal, die der EU-An­nä­he­rung Bel­grads im We­ge stand. Erst nach der Aus­lie­fe­rung der Kriegs­scher­gen Ra­do­van Ka­ra­dzic (2008) und Rat­ko Mla­dic (2011) er­hielt Ser­bi­en den Kan­di­da­ten­sta­tus. Den Weg für die 2014 be­gon­ne­nen Ver­hand­lun­gen mach­te der von der EU er­zwun­ge­ne „Nach­bar­schafts­dia­log“mit dem seit 2008 un­ab­hän­gi­gen Ko­so­vo frei. Mitt­ler­wei­le hat Bel­grad zwölf von 33 Ka­pi­teln er­öff­net, zwei vor­läu­fig ab­ge­schlos­sen. Aus Furcht vor dem wach­sen­den Ein­fluss Mos­kaus ist Brüs­sel an ei­ner ra­schen EU-In­te­gra­ti­on Ser­bi­ens ge­le­gen.

Die Pro­blem­be­zie­hung mit Ko­so­vo gilt aber wei­ter als ei­ner der größ­ten Hin­der­nis­se. Er­folg­reich hat Ser­bi­en den Haus­halt kon­so­li­diert. Rück­schrit­te be­kla­gen Kri­ti­ker bei der ju­ris­ti­schen Au­f­ar­bei­tung der in den 90er Jah­ren be­gan­ge­nen Kriegs­ver­bre­chen und bei der Schaf­fung rechts­staat­li­cher Ver­hält­nis­se. We­gen der Gän­ge­lung der Me­di­en ist Ser­bi­en im In­dex der Pres­se­frei­heit um wei­te­re zehn Plät­ze ge­fal­len. Und die von der EU for­cier­te Jus­tiz­re­form scheint die re­gie­ren­de SNS vor al­lem da­zu nut­zen zu wol­len, die Kon­trol­le über die Jus­tiz noch zu ver­stär­ken.

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