Ge­schicht­li­ches

Tageblatt (Luxembourg) - - Industriegeschichte -

Hier die Haupt­da­ten der Ent­wick­lung der Schie­fer­in­dus­trie in Ober­mar­tel­in­gen:

In der

Zeit: Schie­fer aus dem heu­ti­gen Raum Mar­tel­in­gen wird zum De­cken der Dä­cher der Vil­len be­nutzt.

• 1770: Auf der Kar­te von Je­an de Fer­ra­ris steht im heu­ti­gen Ober­mar­tel­in­gen nur ein Holz­sä­ge­werk an der Mün­dung zwei­er Bä­che.

• Ab 1790: Be­ginn des un­ter­ir­di­schen Schie­fe­r­ab­baus an meh­re­ren Or­ten durch ver­schie­de­ne Be­sit­zer.

• 1820er Jah­re: Ent­ste­hung der Sied­lung Ober­mar­tel­in­gen, mit Werk­stät­ten und Wohn­häu­sern der Be­sit­zer der Schie­fer­gru­ben.

• 1839: Nach der bel­gi­schen Re­vo­lu­ti­on ver­läuft die Gren­ze zwi­schen Bel­gi­en und dem Groß­her­zog­tum mit­ten durch die Ort­schaft Mar­tel­in­gen.

• 1842: Zoll­uni­on mit Deutsch­land. Der „Zoll­ver­ein“und das Ver­bot der Stroh­dä­cher (1845) führt zu ei­nem Auf­schwung der Schie­fer­in­dus­trie.

• 1852: In ei­ner Ein­woh­ner­zäh­lung, die im Hin­blick auf die Wah­len der Ab­ge­ord­ne­ten­kam­mer durch­ge­führt wur­de, zählt Ober­mar­tel­in­gen 95 Ein­woh­ner.

• 1889: Im Me­mo­ri­al des 16. Fe­bru­ar 1891 steht rück­bli­ckend auf das Jahr 1889, dass in Ober­mar­tel­in­gen zwei Be­sit­zer bis zu 140 Ar­bei­ter be­schäf­tig­ten und ins­ge­samt 6 Mil­lio­nen Schie­fer­plat­ten jähr­lich pro­du­zier­ten.

• 1890: Die Stre­cke der Schmal­spur­bahn „Jhan­ge­li“wird in Be­trieb ge­nom­men. Mit ei­ner Hal­te­stel­le in Ober­mar­tel­in­gen ist die Ei­sen­bahn maß­ge­bend für den Ex­port und die Ent­wick­lung der In­dus­trie.

• Zwi­schen 1890 und 1910:

Al­le Gru­ben in der Um­ge­bung wer­den von der deut­schen Fir­ma „Ge­brü­der Ro­ther“auf­ge­kauft und mo­der­ni­siert.

• Um 1910: Blü­te­zeit der „Ober­mo­sel Dach­schie­fer- und Plat­ten­wer­ken, Ober­mar­tel­in­gen“, mit 600 Gru­ben­ar­bei­tern auf ins­ge­samt 800 An­ge­stell­ten und Ar­bei­tern. 12 Mil­lio­nen Schie­fer­plat­ten wer­den im Schnitt pro Jahr her­ge­stellt.

• 1920: Der Schie­fer­gru­ben­be­sit­zer Au­gust Ro­ther Ju­ni­or wech­selt den Haupt­wohn­sitz sei­ner Fa­mi­lie von Frank­furt am Main nach Ober­mar­tel­in­gen. Im glei­chen Jahr wird der Na­me der Fir­ma „Ober­mo­sel Dach­schie­fer­und Plat­ten­wer­ke, Ober­mar­tel­in­gen“durch den fran­zö­si­schen Zu­satz „Ar­doi­siè­res de Hau­tMar­te­lan­ge“er­gänzt.

• 1923: Um­wand­lung der Fir­ma in die Ak­ti­en­ge­sell­schaft „Ar­doi­siè­res de Haut-Mar­te­lan­ge s.a.“.

• 1940/1945: Die Schie­fer­in­dus­trie ar­bei­tet in Kriegs­zei­ten wei­ter und wird von den Na­zis als „kriegs­wich­tig“ein­ge­stuft.

• De­zem­ber 1944: Vor­läu­fi­ge Fest­nah­me durch ame­ri­ka­ni­sche Sol­da­ten des Schie­fer­gru­ben­be­sit­zers Au­gust Ro­ther we­gen Spio­na­ge-Ver­dachts. Frei­las­sung Mit­te Ja­nu­ar, nach­dem kei­ne be­las­ten­den Be­wei­se ge­fun­den wer­den konn­ten.

• Ab den 1950er Jah­ren: Ste­ti­ger Ver­fall der Ein­nah­men we­gen ho­her Per­so­nal­kos­ten so­wie im­mer mehr aus­län­di­schem Bil­lig­schie­fer und Er­satz­pro­duk­ten auf dem Markt.

• 1963: Tod von Au­gust Ro­ther Ju­ni­or, Über­nah­me der Ge­schäfts­füh­rung durch sei­ne Toch­ter Chris­tia­ne Ro­ther.

• 1985: Tod von Chris­tia­ne Ro­ther.

• 1986: End­gül­ti­ge Schlie­ßung der „Ar­doi­siè­res de Haut-Mar­te­lan­ge“. Durch die­sen Schritt wird gleich­zei­tig ein Schluss­strich un­ter den Schie­fe­r­ab­bau im Groß­her­zog­tum ge­zo­gen.

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