„Die Kat­ze beißt sich in den Schwanz“

DIE­SEL­MO­TO­REN Lu­xem­burg we­gen Zu­las­sung am Pran­ger der EU

Tageblatt (Luxembourg) - - Opinion - To­bi­as Sen­zig

Die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on hat ges­tern er­neut ein „Auf­for­de­rungs­schrei­ben“an die Adres­se der Lu­xem­bur­ger Re­gie­rung ge­schickt. Dar­in wünscht sich Brüs­sel „wei­te­re In­for­ma­tio­nen über die na­tio­na­len Un­ter­su­chun­gen und die recht­li­chen Schrit­te“im Zu­sam­men­hang mit der Zu­las­sung von Die­sel­mo­to­ren. Die Lu­xem­bur­ger Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de SNCH hat­te un­ter an­de­rem je­nem VW-Die­sel­mo­tor die EU-wei­te Ge­neh­mi­gung er­teilt, der 2015 den Ab­gas­skan­dal aus­lös­te.

2016 hat­te die EU-Kom­mis­si­on des­halb ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ge­gen Lu­xem­burg ein­ge­lei­tet. „Lu­xem­burg hät­te das Au­to nicht ge­neh­mi­gen dür­fen“– so die Mei­nung der Kom­mis­si­on. Aber die Sa­che ist kom­pli­zier­ter. Denn im Fal­le des Pro­blem­mo­tors EA189 wur­de auch die SNCH ge­täuscht: Nach den da­mals gel­ten­den Test­vor­schrif­ten er­füll­te der Mo­tor auf dem Prüf­stand näm­lich al­le EU-Vor­ga­ben. Und nicht nur das: Zwar hält die Kom­mis­si­on die Ab­schalt­ein­rich­tun­gen, die den Prü­fern ei­nen sau­be­ren Mo­tor vor­gau­keln, für il­le­gal. Aber selbst das ist noch nicht kom­plett ju­ris­tisch ge­klärt.

Den­noch wünscht sich Brüs­sel of­fen­bar mehr Ac­tion von der Lu­xem­bur­ger Re­gie­rung. Aus EUK­rei­sen er­fährt das Ta­ge­blatt: „Was die Kom­mis­si­on nicht tut, ist zu sa­gen: Das hät­tet Ihr vor­her se­hen müs­sen. Aber wenn es pas­siert ist, müs­sen Schrit­te ein­ge­lei­tet wer­den.“Sprich: Lu­xem­burg soll kor­ri­gie­ren­de Maß­nah­men oder Stra­fen ver­hän­gen.

Die Auf­for­de­rung der Kom­mis­si­on stößt im Trans­port­mi­nis­te­ri­um auf ein ge­wis­ses Un­ver­ständ­nis. Denn das Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren wur­de ur­sprüng­lich des­halb in die We­ge ge­lei­tet, weil es in Lu­xem­burg we­der ad­mi­nis­tra­ti­ve Sank­ti­ons­mög­lich­kei­ten noch ju­ris­ti­sche Kon­se­quen­zen für schum­meln­de Au­to­her­stel­ler gab. In­zwi­schen gibt es je­doch bei­des, wie ein Mit­ar­bei­ter des Mi­nis­te­ri­ums er­klärt. Mit der Kla­ge ge­gen Un­be­kannt vom Fe­bru­ar 2017 sei die recht­li­che Sei­te ab­ge­deckt wor­den. Und im März 2018 ver­ab­schie­de­te die „Cham­ber“ein Ge­setz, das Au­to­her­stel­ler in Zu­kunft be­straft, wenn sie il­le­ga­le Ab­schalt­ein­rich­tun­gen ein­bau­en oder Re­sul­ta­te ver­fälscht wer­den. „Aber das Pro­blem bleibt das glei­che“, sagt der Mit­ar­bei­ter.

Tech­nisch le­gal

Denn: Wenn ein Au­to auf dem Prüf­stand die Vor­ga­ben er­füllt und die ge­nutz­te Ab­schalt­ein­rich­tung nicht il­le­gal ist – dann kann ei­ne Ge­neh­mi­gung le­gal sein. „Die Kat­ze beißt sich in den Schwanz“, er­klärt der Ge­neh­mi­gungs­spe­zia­list. Das ist auch ein Grund, war­um die Re­gie­rung im Fall des Mo­tors EA189 Kla­ge ein­ge­reicht hat. Die Fra­ge nach der Il­le­ga­li­tät soll ge­klärt wer­den.

Auch Ro­sa­rio Gras­so sieht den Schwar­zen Pe­ter nicht in Lu­xem­burg: „Was hier ge­macht wur­de, ent­spricht dem, was die Ge­set­ze vor­schrei­ben“, sagt der An­walt, der die Re­gie­rung im Be­trugs­pro­zess ge­gen Un­be­kannt be­rät. „Nicht Lu­xem­burg hat die ent­spre­chen­de EU-Richt­li­nie ge­macht, son­dern die EU-Kom­mis­si­on und das Eu­ro­päi­sche Par­la­ment.“Die Au­to­bau­er sei­en noch im­mer der Mei­nung, dass die Ab­schalt­ein­rich­tun­gen nicht ge­gen die EU-Ge­setz­ge­bung ver­sto­ßen. „Wenn ei­ne Richt­li­nie nicht klar ge­nug ist, gibt es Mög­lich­kei­ten für Trick­se­rei­en.“Die EU hat die Re­ge­lun­gen bei den Zu­las­sungs­prü­fun­gen in­zwi­schen nach­ge­bes­sert. Seit 2017 wer­den die Emis­sio­nen von Au­tos auch im rea­len Be­trieb ge­mes­sen.

Ei­ne his­to­ri­sche Zapf­säu­le mit der Auf­schrift „Die­sel“(Fo­to: dpa/Ma­ri­jan Mu­rat)

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